"Burka aus Fleisch": Debatte im Vatikan über Schönheits-OPs

4. Februar 2015, 09:30
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Arbeitspapier für eine Frauenkonferenz sorgt für Aufsehen

Rom – Im Vatikan hat sich eine Debatte über Schönheitsoperationen entsponnen. Ein Arbeitspapier für eine Frauenkonferenz des Vatikan sorgte mit der Aussage für Aufsehen, dass plastische Chirurgie in manchen Fällen einer "Burka aus Fleisch" gleichkomme und Gewalt gegen den weiblichen Körper sei.

Der Präsident des Päpstlichen Kulturrats, Gianfranco Ravasi, sagte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit Radio Vatikan: "Es ist, als ob Frauen dazu verpflichtet seien, einem Rollenbild der Werbung zu entsprechen." Gleichzeitig sprach er von einer "Diktatur der Ästhetik".

Besonderen Gesprächsstoff lieferte das Thema, weil in dem Werbevideo für die Vollversammlung des Kulturrats, die das Thema Frauen auf der Agenda hat, eine italienische Schauspielerin zu sehen ist, die mit einem berühmten plastischen Chirurgen zusammen ist und Schönheits-OPs offensichtlich nicht ablehnt. "Wenn eine Frau ihr Aussehen operativ verändert, weil sie sich unwohl fühlt, verstehe ich nicht, warum das dämonisiert oder kritisiert wird", hatte die 50-jährige Nancy Brilli bei einer Pressekonferenz am Montag dem Kardinal entgegnet. Unabhängig davon wurde das Video kritisiert, da es ein altbackenes Frauenbild transportiere.

Weibliches Beratungsgremium geplant

Ravasi hatte bei der Pressekonferenz gesagt, es sei beeindruckend, wie die Zahl der Schönheits-OPs zunehme, um einem äußerlichen Vorbild zu entsprechen. "Ich denke hier an junge Frauen, die sich zu ihrem 18. Geburtstag eine Brust-OP wünschen."

Das Motto der Konferenz im Vatikan von Mittwoch bis Samstag ist "Weibliche Kulturen – Zwischen Gleichheit und Unterschied". Diskutiert werden soll etwa über Gewalt gegen Frauen und das Verhältnis zwischen der Kirche und Frauen. Zudem soll laut Radio Vatikan ein weibliches Beratungsgremium für Fragen, die Frauen betreffen, eingerichtet werden.

Schon Papst Franziskus war mit Bemerkungen über Frauen angeeckt, etwa als er Theologinnen als "Erdbeeren auf dem Kuchen" bezeichnete oder Europa mit einer Großmutter verglich, die nicht mehr fruchtbar sei. Bei seinem Besuch auf den Philippinen brach er im Jänner eine Lanze für Frauen und sagte, die Kirche sei oft "zu macho". (APA, 4.2.2015)

  • Gianfranco Ravasi spricht von einer "Diktatur der Ästhetik".
    foto: ap/andrew medichini

    Gianfranco Ravasi spricht von einer "Diktatur der Ästhetik".

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