Ruf aus der Duma nach Reparationen von Deutschland

3. Februar 2015, 17:53
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Initiative der Nationalisten in Moskau umstritten

Die Duma, Russlands Parlament, setzt eine Arbeitsgruppe ein, die den Schaden berechnen soll, der der Sowjetunion durch den Überfall Deutschlands im Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Die Rechnung wolle man dann Berlin als Reparationsforderung präsentieren, sagte der Abgeordnete Michail Degtjarew von der nationalistischen LDPR. "Faktisch hat Deutschland der UdSSR keine Entschädigungen für die Zerstörungen und Gräueltaten des Großen Vaterländischen Kriegs bezahlt", sagte Degtjarew.

Zwar habe die Sowjetunion "einige deutsche Aktiva" entsprechend der Jalta-Konferenz konfisziert, doch selbst mit den Reparationszahlungen durch die DDR und der Arbeit der Kriegsgefangenen mache deren Wert nicht mehr als 15 bis 16 Milliarden Dollar aus, während allein die materiellen Verluste damals auf umgerechnet 600 Milliarden Dollar geschätzt worden seien. "Ich denke, die Endsumme der Reparationen nach heutigem Wert sollte bei mindestens drei bis vier Billionen Dollar liegen", sagte Degtarjew.

Innenpolitische Motive

Zuspruch bekam Degtarjew unter anderem vom Leiter des Duma-Verteidigungsausschusses Wladimir Komojedow, der die Idee einer Schadensschätzung begrüßte. Er sei freilich skeptisch, dass Deutschland zahlen werde, fügte er hinzu. Der Chef des Bildungsausschusses, Wjatscheslaw Nikonow, hingegen nannte die Reparationsforderung "Blödsinn". Widerspruch kam auch aus dem Föderationsrat. Der Vorstoß dürfte in einer Zeit des Ost-West-Konflikts um die Ukraine mehr auf innenpolitische Meinungsmache abzielen. Ähnlich hatten sich jüngst Abgeordnete mit der Forderung profiliert, die Wiedervereinigung Deutschlands als Annexion der DDR durch die Bundesrepublik zu verurteilen. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 4.2.2015)

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