Mercedes bangt um seinen Grand Prix

3. Februar 2015, 17:50
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Formel-1-Vermarkter Ecclestone kündigt Rennkalender ohne Deutschland an

Paris - Sebastian Vettel in der neuen roten Göttin von Ferrari, aber kein Formel-1-Rennen in Deutschland? Kommt ja gar nicht in die Tüte! In diesem Tenor läuft derzeit die Diskussion um Bernie Ecclestones Ankündigung in der Rhein-Zeitung, dass zumindest in dieser Saison der Zirkus nicht im Schumacher-Land, nicht auf dem Nürburgring, und schon gar nicht in Hockenheim, Station machen wird.

"Wir haben keine Absage bekommen, insofern können wir das nicht bestätigen", sagte Pietro Nuvoloni von jener Betreiberfirma, die das Rennen am 19. Juli auf dem Nürburgring ausrichten will. Es hätte vor zwei Wochen ein Treffen mit dem Zirkusdirektor in London gegeben, "und beide Seiten haben vereinbart, bis zu einer Entscheidung nichts über den Stand der Verhandlungen zu verkünden. Wir halten uns völlig zurück."

Als Begründung für eine mögliche Absage an den Nürburgring hatte Ecclestone das schwindende Publikumsinteresse angeführt: "Es ist eine Tatsache, dass die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren so gering gewesen sind, dass es für die Vermarkter in Deutschland wirtschaftlich nicht machbar ist."

Auf dem Hockenheimring, wo der Grand Prix von Deutschland 2016 steigen soll, herrscht Schweigen. Ob die Strecke in der Kurpfalz bereits in diesem Jahr in die Bresche springen kann und will, falls dem Nürburgring endgültig abgesagt wird, ist unsicher. Die Geschäftsführung äußert sich nicht, das Verharren in der Deckung hat einen guten Grund. Das Rennen 2014 soll aufgrund geringer Zuschauerzahlen ein sattes Minus von 2,5 Millionen Euro beschert haben.

Ende Jänner hatte Ecclestone die Chancen auf ein Rennen in Deutschland noch mit "kleiner als 50 Prozent" beziffert und damit den Druck erhöht. In der Pokerrunde läuft dem Betreiber die Zeit davon, die Grabenkämpfe lähmen Ticketverkauf und Vermarktung. Sollte ein Rennen doch stattfinden, egal auf welcher Strecke, dürften die Zuschauerzahlen weiter dramatisch einbrechen.

Regional sehr wichtig

Aufgeben wollen die Macher am Nürburgring nicht, Zurückhaltung ist dennoch oberstes Gebot. "Es ist nicht unsere Aufgabe, Stärken und Schwächen der Formel 1 zu kommentieren", sagte Nuvoloni: "Wir äußern uns erst, wenn es ein Ergebnis gibt." Allerdings wisse man, "dass die Formel 1 für die Region sehr wichtig ist".

Durch den öffentlich ausgetragenen Streit leidet das einstige Premiumprodukt Formel 1 weiter. "Jetzt heißt es abwarten und hoffen, dass es zu einer positiven Entscheidung kommt", sagte Sprecher Matthias Bolhöfer vom übertragenden Sender RTL, der in der vergangenen Saison im Durchschnitt fast eine Million TV-Zuschauer weniger pro Rennen hatte - die schlechteste Bilanz seit zwanzig Jahren.

Auch Niki Lauda glaubt weiter an ein Rennen in der Heimat der mehrmaligen Champions Michael Schumacher und Vettel. "Ich hoffe, das ist alles nur Säbelrasseln. Für Deutschland und Mercedes wäre es eine Katastrophe, wenn es kein deutsches Rennen gibt, denn es gehört definitiv zu den Traditionsevents", sagte der Mercedes-Aufsichtsratschef der Sport Bild. (sid; red, DER STANDARD, 4.2.2015)

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