Indien glaubt bei Atomdeal mit USA an Durchbruch

4. Februar 2015, 05:30
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Der herzliche Empfang, den US-Präsident Barack Obama vor wenigen Tagen in Indien genoss, war ein erstes Signal für ein bevorstehendes Milliardengeschäft: Indien will mithilfe der USA zu einer führenden Nation am Atomenergiesektor werden

Washington/Neu-Delhi/Wien - Dass eine Veränderung in der Luft lag, konnte man schon Ende Jänner leicht feststellen, als US-Präsident Barack Obama Indien besuchte und mit Ministerpräsident Narendra Modi eine innige, vertraute Freundschaft demonstrierte, wie man sie bisher im bilateralen Verhältnis der beiden Nationen nicht für möglich gehalten hätte.

Beide, sowohl Obama als auch Modi, sehen nun eine prosperierende gemeinsame Zukunft - und diese könnte sich schon in Kürze manifestieren: Wie indische Regierungsfunktionäre der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag bestätigten, rechne man noch im Jahr 2015 mit einem "Durchbruch" in den Verhandlungen über eine Zusammenarbeit am Nuklearsektor.

Prinzipiell war schon vor sieben Jahren ein ziviler Atompakt vereinbart worden, doch erst vor kurzem konnte der Abbau von Hürden in Angriff genommen werden, die US-amerikanische Unternehmen daran gehindert hatten, in Indien Atomreaktoren zu bauen.

Das politische Interesse der USA zur Kooperation mit Indien hat viel mit China zu tun: Am indischen Subkontinent will Washington ein Gegengewicht zu Peking aufbauen. Bisher galt Indien in dieser Sache eher als passiv und verhalten. Doch unter Modi, der seit Mai 2014 im Amt ist, gilt eine andere Politik: Der neue Ministerpräsident tritt gegenüber Peking selbstbewusster als viele seiner Vorgänger auf.

Indien: Nummer zwei werden

Die Details der indisch-amerikanischen Zusammenarbeit am Atomenergiesektor werden zwar noch verhandelt, doch die großen Leitlinien sind bereits gezeichnet: Indien will seine Kapazität verdreifachen und somit weltweit zur Nummer zwei in diesem Bereich werden - eine Größenordnung, die die USA als Energieproduzenten niemals selbst spielen können, doch sie sind offenbar gern dazu bereit, nicht zuletzt im geostrategischen Interesse, Indien bei der Erreichung dieses Ziels zu unterstützen.

Und auch die Kasse wird wohl stimmen: Laut Reuters könnten allein in den nächsten Monaten Vereinbarungen getroffen werden, deren Wert dutzende Milliarden US-Dollar übersteigt. Bisher liegt der bilaterale Handel mit einem Volumen von 100 Milliarden Dollar (88,32 Milliarden Euro) weit unter den Möglichkeiten. Die USA würden ihn gern verfünffachen. "Wir sind bereit voranzuschreiten", beteuerte der indische Außenamtssprecher Syed Akbaruddi. "Es gibt keine politischen Hürden mehr."

Diese Hindernisse betrafen bisher vor allem die Ratifizierung des Wiener Übereinkommens (IAEA) über die zivilrechtliche Haftung für nukleare Schäden von 1963, das 1977 in Kraft trat. Vor allem geht es Washington aber um die Haftung von US-Zulieferern im Falle eines Atomunfalls und die US-Forderung, wonach der Verbleib gelieferten Atommaterials nachvollziehbar bleiben muss.

Geht es nach Neu-Delhi, könnte der Verhandlungsprozess schon dieses Jahr abgeschlossen sein. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 4.2.2015)

  • Seite an Seite, auch im übertragenen Sinn, zeigten sich US-Präsident Barack Obama und Indiens Premier Narendra Modi Ende Jänner in Neu-Delhi. Nun sollen der demonstrativ zur Schau gestellten Freundschaft schon bald erste Taten folgen.
    foto: ap/kaster

    Seite an Seite, auch im übertragenen Sinn, zeigten sich US-Präsident Barack Obama und Indiens Premier Narendra Modi Ende Jänner in Neu-Delhi. Nun sollen der demonstrativ zur Schau gestellten Freundschaft schon bald erste Taten folgen.

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