Mehr Milliardäre, doch weniger Vermögen

4. Februar 2015, 07:00
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Der Hurun-Report zählte im Vorjahr 2.089 Superreiche in aller Welt, die Milliardäre werden mehr, doch erstmals nicht reicher

Die Milliardäre werden in aller Welt zwar immer mehr, doch erstmals waren sie nicht auch zugleich immer reicher. Die neue Rekordzahl von 2089 US-Dollar Milliardären in 68 Ländern erfasste der in Schanghai lebende Brite Rupert Hoogewerf zum Stichtag 17. Jänner. "Das sind 222 mehr Milliardäre als die 1867 auf meiner Vorjahresliste", sagte er bei der Vorstellung seiner jährlich herausgegebenen Hurun-Reichenliste 2015 in Peking.

Die dümpelnde Weltkonjunktur sei der Hauptgrund, dass das zusammengerechnete Vermögen von mehreren Superreichen als im vergangenen Jahr erstmals um 1,6 Prozent auf 6,7 Billionen Dollar fiel, sagte Hoogewerf. Arm kann man sie deshalb nicht gerade nennen. Ihr Vermögen entspricht immer noch dem Bruttoinlandsprodukt von Japan und Südkorea zusammen.

Doch wie volatil es auch unter Milliardären zugeht, zeigen die Zahlen im Detail: Zwar kamen weit mehr als 300 neue Gesichter 2014 auf der Liste dazu, während nur 95 Personen hinausflogen. Bei 869 Milliardären aber schrumpfte das Vermögen empfindlich, während es nur für 649 stieg.

Die Welt der Superreichen hat heute zwei Namen: USA und China. Sie liefern sich auch 2015 weiterhin einen Wettlauf, welches Land die meisten Milliardäre auf die Waage bringt. Die USA, für die sich der Aufschwung in ihrer Wirtschaft und an der Börse auszahlt, haben noch die Nase vorn. Die Zahl der von dort kommenden Milliardäre stieg um 56 auf 537 Milliardäre.

China robbte sich mit seinem verlangsamten, jedoch weiterhin robusten Wachstum, und dank des plötzlichen Anstiegs seiner inländischen Aktienmärkte näher an die Supermacht heran. Die Zahl chinesischer Vermögens-Milliardäre stieg um 73 auf 430. Als Überraschungsdritter setzte sich Indien mit 97 Milliardären erstmals auf Platz drei. Es übersprang Russland und Großbritannien, "China und Indien sind meine Favoriten für die Zukunft. Sie sind weltweit auf ihrem Weg nach oben", sagte Hoogewerf. Dafür spreche auch, dass unter den 17 reichsten Milliardären, denen es gelang, im vergangenen Jahr ihr Vermögen zu verdoppeln, allein 14 Chinesen sind.

Gebeutelte Russen

Für Russen dagegen war es "ein schlechtes Jahr" merkt Hoogewerf trocken an. Sanktionen und der Kollaps des Rubel beutelten die dortigen Milliardäre, die einst Oberwasser hatten. Ihre Zahl fiel um zehn auf 93, ihr Vermögen schrumpfte um fünf Prozent.

Deutschland behauptete mit 72 Milliardären seinen Platz sechs auf der Liste der Einzelstaaten nach Großbritannien mit 80 Milliardären. Mit Dietmar Schwarz, Gründer von Discountketten (Schwarz-Gruppe), kam erstmals ein Deutscher mit einem Vermögen von 36 Milliarden Dollar und 29 Prozent Jahreszuwachs auf Platz zehn unter die Allerreichsten der Welt.

Dass die Superreichen nicht immerzu noch reicher werden, gilt allerdings nur für "gewöhnliche" Milliardäre, schränkte Hoogewerf seine Eingangsthese wieder ein. Für die drei Allerreichsten - Gates, Slim und Buffett - hat er ausgerechnet, dass es anders lief. Die drei hätten 2014 ihr Vermögen fleißig vermehrt. Zusammen jede Minute um 100.000 Dollar.

Microsoft-Gründer Gates führt die Liste mit 85 Milliarden Dollar und einem Wertzuwachs seiner Investments um 25 Prozent auf Platz eins an. Er hatte erst 2014 sein Comeback auf den Spitzenplatz vor Mexikos Telekomgiganten und Telekom-Austria-Mehrheitseigentümer Carlos Slim geschafft. Slim ist ihm mit 38 Prozent Zugewinn und 83 Mrd. Dollar Vermögen auf den Fersen.

Der legendäre Waren Buffett gibt sich mit 76 Milliarden Dollar und 19 Prozent Zunahme mit einem Platz drei zufrieden, während Zara-Gründer Amancio Ortega elf Prozent Minus machte und mit 55 Milliarden Dollar auf Platz vier abrutschte. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 4.2.2015)

  • Viele Milliardäre wurden nicht reicher. Für Microsoft-Gründer Bill Gates und Telekom-Magnaten Carlos Slim (im Bild) lief es anders.
    foto: epa/jose mendez

    Viele Milliardäre wurden nicht reicher. Für Microsoft-Gründer Bill Gates und Telekom-Magnaten Carlos Slim (im Bild) lief es anders.

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