Forscher holen lebende Flagellaten aus mehreren Kilometern Meerestiefe

7. Februar 2015, 20:48
7 Postings

Einzeller mit erstaunlicher Anpassungsfähigkeit erstmals in über 5.000 Metern Tiefe nachgewiesen

Köln - Geißeltierchen, sogenannte Flagellaten, gelten als Hauptkonsumenten der Primär- und Sekundärproduktion aquatischer Ökosysteme, ernähren sich also vor allem von Bakterien und anderen Protisten. Sie werden in fast allen Gewässerarten angetroffen, bis in welche Meerestiefen sie vorkommen, war allerdings bisher unklar. Kölner Forschern ist es nun erstmals gelungen, lebende Geißeltierchen in mehreren Tausend Metern Wassertiefe nachzuweisen.

Das Team von Wissenschaftern um Hartmut Arndt vom Zoologischen Institut der Universität zu Köln holten die Flagellaten bei einer Expedition mit dem Forschungsschiff "Sonne" aus einer Tiefe von mehr als fünf Kilometern. Während der Tiefseeexpedition untersuchten verschiedene meereswissenschaftliche Arbeitsgruppen die Tiefseefauna und -geologie östlich und westlich des Mittelatlantischen Rückens.

Viele der dabei gefangenen Tiere stellen bisher unbekannte Arten dar. Der größte Teil der gefundenen Organismen ist dabei allerdings so klein, dass sie nur unter dem Mikroskop identifiziert werden können. Mehr als 30 Geißeltierchen konnten in jedem Kubikzentimeter Tiefseesediment lebend geborgen werden. Diese Geißeltierchen interessieren die Kölner Zoologen besonders auch wegen ihrer großen Anpassungsfähigkeit.

Anpassung an unsichere Nahrungssituation

Die Einzeller können nicht nur den in der Tiefe von 5.500 Metern herrschenden Druck von etwa 550 Atmosphären aushalten, sondern sie sind auch in der Lage, innerhalb von wenigen Minuten aus Ruhestadien zu schlüpfen und sich bei Nahrungsmangel sofort wieder in solche Stadien zurückzuziehen. Dadurch können sie sich den sehr stark variierenden Nahrungsbedingungen der Tiefsee anzupassen. Dieses Phänomen hat eine große Bedeutung für die Tiefseeökologie. Durch die erstaunlich hohen Häufigkeiten, die jetzt entdeckt werden konnten, wurde die entscheidende Bedeutung der Geißeltierchen für den Kohlenstoffhaushalt in der Tiefe erstmals konkret nachgewiesen.

Der größte "Schatz" wurde allerdings vor wenigen Tagen gehoben: Erstmals konnten diese Protisten auch in über 8.350 Meter Wassertiefe nachgewiesen werden, als die Zoologen zusammen mit ihren Hamburger Kollegen Probenkerne im Puerto-Rico-Graben an Bord des neuen Forschungsschiffes hieven konnten. (red, derStandard.at, 7.2.2015)

Share if you care.