Kitty, Daisy & Lewis: Die Frisur hält, das Ansehen fällt

3. Februar 2015, 17:34
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Zu viel des Guten ist schlecht. Das britische Nostalgietrio bietet auf seinem neuen Album "The Third" zwölf potenzielle Hits. Das geht nicht ohne Anbiederung

Wien - Anders als seine Protagonisten gilt der Rock 'n' Roll als nicht umzubringen. "Rock 'n' Roll will never dead", wie seine Anhänger deshalb fast richtig sagen. Der Grund für seine Unsterblichkeit ist das frische Blut, das nicht nur Keith Richards beständig zugeführt wird.

Im Jahr 2007 debütierte das britische Geschwistertrio Kitty, Daisy & Lewis mit einer hellrot sprudelnden Lieferung. Dessen Einstand bestand aus einem tiefen Knicks vor den Anfängen des Rock 'n' Rolls und seinen Zubringern aus den 1940er-Jahren. Angetan in alten Schnitten und Tüchern, spielten die drei auf alten Instrumenten diese ewige Musik.

Das Äußere war dabei mindestens so wichtig wie die Songauswahl. Als Mischung aus Muddy Waters und Louis Prima wurden die Durhams - so heißen sie im Nachnamen - beschrieben, die Resultate klangen, als hätten die Andrew Sisters einen über den Durst getrunken.

Unterstützt wurde die damals noch nicht vollständig volljährige Band von den Eltern. Papa Durham spielte Gitarre, die Mama zupfte am Stehbass.

Mittlerweile haben Kitty, Daisy & Lewis eine mittlere Weltkarriere hingelegt und eben ihr drittes Album veröffentlicht. Das haben sie lapidar The Third genannt, am 1. März gastiert die Band damit im Wiener Flex.

Der ungestüme Charme des Debüts ist sieben Jahre später jedoch einer Konsensmusik gewichen. Zwar bleiben sich die drei in ihrer Ausrichtung treu und verwenden ausschließlich amtlich beglaubigtes 1950er-Jahre-Equipment, um ihre Musik aufzunehmen, auf analogen Bändern, versteht sich.

Doch längst schunkelt man auch ganz gemütlich den Ska, schließlich darf die Lonely-Planet-Zielgruppe nicht vernachlässigt werden. Das geht in neuen Liedern wie Turkish Delight alles herrlich runter, perfekt abgeliefert. Doch wie schon ihr letzter Wienauftritt zeigte, hat diese Hans-Dampf-Attitüde etwas Museumswärterisches.

Nun will man niemandem sein Können vorwerfen, aber das Unperfekte besitzt im Vergleich dennoch mehr Charme als das von Ex-The-Clash-Gitarrist Mick Jones produzierte neue Album. Das ist auf jeden Fall zu gelackt. Die Richtung ist eindeutig auf Formatradio gepeilt, und kaum ein Song würde den dort so gefürchteten Ausschaltimpuls auslösen.

Und in der Zeitrechnung nach Amy Winehouse oder Ben l'Oncle Soul (und dessen Nummer-eins-Sichtung des White-Stripes-Songs Seven Nation Army) ist dieses Zielgebiet für eine Band wie Kitty, Daisy & Lewis keine verrückte Fantasie mehr. Bloß: Was im Geiste eines Jerry Lee Lewis begonnen hat, ist emotionell bei Shakin' Stevens angelangt. Das ist ein Abstieg, und zwar ein steiler. Da hilft die angestrengt bemühte Aura des Authentischen mit all dem alten Equipment nicht mehr viel.

Aber umgekehrt gilt natürlich auch: Wer mit Kitty, Daisy & Lewis einsteigt, kann sich zu Jerry Lee hocharbeiten. (Karl Fluch, DER STANDARD, 4.2.2015)

  • Stilistisch eins a, musikalisch so lala. Kitty, Daisy & Lewis suchen auf ihrem neuen Album "The Third" den Konsens und finden ihn. Das wird ihre Popularität erhöhen, doch ihr Profil leidet. Am 1. März live im Wiener Flex.
    foto: sunday best

    Stilistisch eins a, musikalisch so lala. Kitty, Daisy & Lewis suchen auf ihrem neuen Album "The Third" den Konsens und finden ihn. Das wird ihre Popularität erhöhen, doch ihr Profil leidet. Am 1. März live im Wiener Flex.

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