Eoos: Die Party steigt im MAK-Keller

9. Februar 2015, 14:05
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Österreichs bekannteste Designertruppe Eoos feiert ihren 20. Geburtstag - das Wiener Mak gratuliert mit einer Schau in seinem Design-Labor, wo es jetzt samt Robotern brodelt

Einst galoppierte Eoos hoch oben am Firmament. Eoos war ein Sonnenpferd, das den feurigen Streitwagen des Titanensprosses Helios durch die Lüfte zog. Mit hochgesteckten Zielen also benannten vor 20 Jahren Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gründl ihr Studio nach dem fliegenden Ross. Dies geschah keineswegs zu Unrecht, denn mittlerweile stehen Eoos und ihr Team für viele Höhenflüge in der Welt des Designs. Allein über 130 internationale Designpreise staubten sie für Möbeldesign, Shopgestaltung und einiges mehr ab.

Der Erfolg von Eoos ist in mancherlei Hinsicht erstaunlich, denn Design war in jenen Gründungstagen in diesen Gefilden ein unfruchtbar scheinendes Jammertal. Erschwerend kam hinzu, dass es hierzulande jeder Rennrodler leichter hat, sich ins Bewusstsein einer breiteren Gesellschaft einzubringen, als ein Entwerfer von Alltagsgegenständen. Die drei Gestalter, die sich 1988 während des Studiums an der Wiener Angewandten kennengelernt hatten, wagten es trotzdem - zu Recht: Blickt man auf die Namen der Kundschaft, tauchen unter anderem Armani, Adidas, Alessi, Bulthaup, Dedon, Duravit, Walter Knoll oder Zumtobel auf. Respekt!

foto: © mak/georg mayer
EOOS, MAK DESIGN LABOR

Poetische Analyse

Dass so ein Pferd nicht von allein abhebt, ist klar. Geht es um ein Erfolgsrezept, ziehen die drei Designer gern ihre "poetische Analyse" aus der Schublade. Diese Analyse soll allerdings nicht als Ideologie, sondern als Entwurfswerkzeug verstanden werden. "Rituale, intuitive Bilder und Geschichten dienen als Ausgangspunkt oder Referenz für unsere Arbeits- und Denkweise", sagen sie.

Eoos hat übrigens auch noch pathetischer formulierte Zitate parat. Konkret sieht es anhand eines Beispieles folgendermaßen aus: Ihrer ikonografischen Werkstattküche "b2" für Bulthaup liegen Abbildungen von Bartolomeo Scappi, dem Koch des Papstes, aus dem 16. Jahrhundert zugrunde. Darauf waren große Tische zu sehen. Eoos fragten sich nach der Vergangenheit und der Zukunft der Küche und was in einer Küche, wo sich in Kästen und Laden immer mehr Kramuri anhäuft, denn nun wirklich vonnöten ist, also nach der Essenz.

Diesbezüglich wurde unter anderem auch die Kocheminenz Helmut Österreicher zurate gezogen. Gedacht, gefragt, getan: Entworfen wurde ein archetypischer Tisch sowie ein einfacher Werkschrank, also eine Art Werkstattküche, statt des starren, schier omnipräsenten Einbauvolumens. Wer die Küche und noch mehr Ergebnisse Eoos'scher Analysen sehen will, der kann dies nun im Mak im Rahmen der ersten großen Werkschau von Eoos tun.

foto: © mak/georg mayer
Küchenschrank für Helmut Österreicher (Prototyp), Wien, 2004

Zur Ausstellung, die auch als Geburtstagsparty verstanden werden kann, steigt Eoos dieser Tage in den Keller des Mak, genauer gesagt in das sogenannte Design-Labor. Dieses stellt eine im vergangenen Mai präsentierte komplette Neuinterpretation der weltberühmten Studiensammlung mit 2000 Exponaten auf 1900 Quadratmetern dar. Eoos, die 2014 mit dieser Neugestaltung beauftragt waren, rissen dafür die Zäune zwischen den bisherigen Sammlungskleingärten nieder und ließen Themen und Räume, nach gesellschaftlich relevanten Bereichen geordnet, ineinanderfließen. Mit der Eoos-Retrospektive werden die zwölf Bereiche des Design-Labors nun noch ein Stück weiter zum wirklichen Labor, denn die gezeigten 40 Projekte werden keinesfalls museal oder chronologisch inszeniert, sondern mischen sich je nach Thema unter die vielen anderen Dinge der Sammlung zwischen Schemel und Drohne.

Lob von Bill Gates

In der Schau ist Praktisches wie Poetisches vertreten: Zu sehen gibt es neben Skizzen, Modellen, Grafikentwürfen und Prototypen die blitzblaue autarke Slum-Toilette "Blue Diversity", von der sogar Bill Gates schwärmt, oder das asymmetrische Weinglas "Alberto' s Vineyard", das für Alberto Alessi entworfen wurde. Die bereits erwähnte Küche "b2" fand in Margarete Schütte-Lihotzkys "Frankfurter Küche", eine gute Nachbarin.

foto: © mak/georg mayer
Bill and Melinda Gates Foundation (USA), Sanitäre Anlage Blue Diversion Toilet (Prototyp), Wien, 2013

Der einzige Raum, der das Ineinanderfließen des Labors unterbricht, ist der sogenannte zentrale Raum, in welchem lediglich Eoos regieren. Hier zeigen die Designer auf verspielte und spukhafte Weise, wie viel ihnen der Begriff Transformation bedeutet. Es drehen sich, wie von Geisterhand bedient, Sessellehnen, in einer Ecke schließt sich eine Duschtür von selbst, und das Sofa "Threesixty" zeigt ohne Zutun einer menschlichen Hand, wie es sich umbauen lässt. Dazwischen liegen in kreisrunden Windungen gelbe Kabel, die wie dreidimensionale Farbstriche den Boden bedecken. "Ballett der Möbel" nennt das Mak-Kurator Thomas Geisler. Möglich gemacht wird dieses übrigens durch kleine eingebaute Roboter. Erstaunlich, wie poetisch die Dinger sein können. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 6.2.2015)

Ausstellung "Eoos", Mak-Design-Labor, Mak, Stubenring 5, 1010 Wien. Bis 17. Mai

www.mak.at
www.eoos.com

  • Eoos, das sind Martin Bergmann, Harald Gründl und Gernot Bohmann (v. li.). Darunter ist ihr Lichtlüfter für Bulthaup zu sehen, dem ein Dreibeintopf aus dem 15. Jahrhundert gegenübergestellt wurde.
    foto: udo titz

    Eoos, das sind Martin Bergmann, Harald Gründl und Gernot Bohmann (v. li.). Darunter ist ihr Lichtlüfter für Bulthaup zu sehen, dem ein Dreibeintopf aus dem 15. Jahrhundert gegenübergestellt wurde.

  • EOOS, Lichtlüfter für bulthaup b22010, mit Dreibeintopf, Oberitalien/Tirol, ca. 15. Jh.
    foto: mak/nathan murrell

    EOOS, Lichtlüfter für bulthaup b2
    2010, mit Dreibeintopf, Oberitalien/Tirol, ca. 15. Jh.

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