Ausgedruckte Pizza und Nano-Partikel im Körper: Was uns 2015 erwartet

8. Februar 2015, 09:11
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Die Tech-Consulting Firma "Frog Design" gibt jedes Jahr einen Ausblick auf die aufregendsten IT-Trends

Apple, Sony, Microsoft, Intel, HP und Siemens: Das ist nur ein Auszug aus der Kundenliste der Designfirma "Frog", die ursprünglich 1969 in Deutschland gegründet worden war. Mittlerweile ist das Unternehmen ins Silicon Valley umgezogen und hat es sich zur Tradition gemacht, jedes Jahr einen Ausblick auf aufregende IT-Trends zu veröffentlichen, die bald den Durchbruch schaffen werden. Insgesamt 15 Trends hat Frog identifiziert und auf Wired.com eine Liste davon publiziert.

Fitness, Diagnostik, Therapie

Eine massive Weiterentwicklung sieht Frog im Bereich Fitness, wo momentan einige Start-Ups für Furore sorgen. Die Vermessung der Körperwelt schreitet voran; dass Wearables immer wichtiger werden, ist keine gewagte Prognose. Allerdings geht die Diagnostik weit über das Messen von Puls und Co hinaus: Bald können Nano-Partikel auch innerhalb unseres Körpers, etwa in unserem Blut, leben und akkurate Diagnosen liefern. Das will etwa Google X. Die Erkenntnisse aus den Werten nutzen können sogenannte "Therapie-Apps", die konkrete Gesundheitsanwendungen geben. Deren Einsatz kann sowohl bei körperlichen als auch bei psychischen Problemen erfolgen. Apps könnten uns, wenn wir nervös sind, vorschlagen, eine Pause einzulegen. Das sollen auch Wearables, etwa Microsofts smarter Schal, nutzen.

4D-Druck und gelegentliches Programmieren

Mehr Vernetzung von Alltagsgegenständen: Das Internet of Things wird bald für eine Vielzahl von Menschen Realität werden – das zeigte sich etwa auf der CES in Las Vegas. Eine besondere Spielart davon ist der sogenannte 4D-Druck: Der trägt seinen Namen daher, dass er Objekte über Zeit weiterhin modifiziert. Sprich: Ein Sessel kommt aus dem 3D-Drucker und passt sich dann an den Körper seines Nutzers an.

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Das könnte auch bei Kleidung funktionieren, die ohnehin smarter werden soll. Intel hat etwa ein vernetztes T-Shirt präsentiert, von Microsofts smartem Schal war bereits die Rede.

Immer-Lauscher und gelegentliches Programmieren

Smart soll aber auch die Umgebung werden – wer eine Frage in den leeren Raum wirft, könnte darauf künftig eine Antwort erhalten. Zumindest, solange darin Amazon Echo steht. Das Produkt steht als Prototyp einer Reihe von "passiven" Lauschern, die aufmerksam die Umgebung beobachten, um bei Ansprache oder bestimmten Fällen einzugreifen. Datenschützer bezeichnen Amazon Echo schon jetzt als Produkt, das auch in George Orwells "1984" existieren könnte.

amazon

Klar ist jedenfalls, dass ein Ausfall oder Pannen von vernetzten Alltagsgegenständen zumindest nervige Konsequenzen haben können. Das Wired glaubt daher, dass wir künftig Grundkenntnisse im Programmieren aufweisen werden müssen – oder Anwendungen entstehen, die unsere alltagssprachlichen Befehle in Programmiersprache übersetzen.

Das Internet of Food und Essen aus dem 3D-Drucker

Die Vernetzung der Welt wird auch vor der Küche nicht haltmachen: Experten glauben, dass vor allem beim Zusammenspiel zwischen Herdplatte, Mikrowelle und Co erstmals der volle Nutzen des "Internet of Things" sichtbar werden wird. Auch sonst könnte die Technik rasant in unsere Essgewohnheiten eingreifen: Etwa mit 3D-Druckern, die Lebensmittel herstellen können. Getestet haben das etwa die Kollegen von IGN auf der CES:

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Und auch ganz zurück zum Ursprung kann man mit Technik gelangen: Micro-Farming wird laut Frog sehr beliebt werden, wobei einerseits smarte Blumentöpfe und Sprinkleranlagen dem urbanen Bauern helfen werden, andererseits aber durch soziale Medien gegenseitig Tipps ausgetauscht werden können.

Vier Milliarden gehen online

Dabei darf nicht vergessen werden, dass vier Milliarden Menschen noch immer ohne Internetzugang leben. Das ändert sich momentan radikal, und ein überwiegender Teil dieser Gruppe wird in den nächsten Monaten erstmals mit dem Netz in Berührung kommen. Dafür sorgen billigere Smartphones und zahlreiche Initiativen von Facebook, Wikipedia oder Google, die Gratis-Internet durch vielfältige Arten (Ballons, Laser, Drohnen) in schlecht vernetzte Regionen bringen wollen.

Bildung und Berufswelt

Dabei zeigen zahlreiche Anwendungen, dass Bildung durch kluge Apps massiv erhöht werden kann: Nämlich dann, wenn sich Lernprogramme an den jeweiligen Nutzer anpassen und ihm so das Üben erleichtern und spielerisch zugänglich machen. Nützlich könnte das später bei Bewerbungen werden: Dort sieht Frog nämlich den Trend, Bewerber durch computersimulierte Verfahren zu schicken, bei denen diese wie in Videospielen gegeneinander antreten müssen.

Zurück in die Dunkelheit

Gleichzeitig besteht, ausgelöst durch die NSA-Enthüllungen, aber auch die Überfüllung des Internets, bei vielen ein drängender Wunsch, wieder mehr Privatsphäre zurückzugewinnen. Frog glaubt daher, dass ein Siegeszug jener Anwendungen, die auf Verschlüsselung und Verborgenheit setzen, nur mehr eine Frage der Zeit ist. Für Cryptowährungen gilt dasselbe, momentan experimentieren sogar schon Regierungen mit digitaler Währung. (Fabian Schmid, derStandard.at, 8..2.2015)

  • Die Vernetzung aller Dinge, einschließlich seiner selbst: Das steht uns bevor - und wurde 2010 bereits vom Künstler Wafaa Bilal thematisiert.
    foto: reuters/rinaldi

    Die Vernetzung aller Dinge, einschließlich seiner selbst: Das steht uns bevor - und wurde 2010 bereits vom Künstler Wafaa Bilal thematisiert.

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