Dutt auf Halbmast

Kolumne5. Februar 2015, 05:30
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Seit selbst die Männer ihre Haare zum Dutt drehen, schalten modebewusste Frauen einen Gang zurück: Der "Half Bun" ist angesagt

Zugegeben, dem allerletzten Schrei wird hier diese Woche etwas hinterher gehinkt. Denn ganz so neu ist die Sache mit dem Dutt natürlich nicht. Heute gilt es allerdings, einer aktuelleren Entwicklung Tribut zu zollen. Der halbe Haarknödel, von den Magazinen in der Regel als "Half Bun" bezeichnet, erobert die Hinterköpfe. Wie das aussieht? Statt die gesamte Haarpracht krönchengleich auf dem Oberkopf einzudrehen, wird jetzt nur noch halbe Sache gemacht. Und die Oberkopfhälfte zu einem Mini-Dutt zusammengenestelt. Die unteren Strähnen hängen rapunzelgleich die Schultern hinunter. Wenn man so will, schalten modebewusste Frauen mit dem "Half Bun", der abgespeckten Variante des Dutts, also einen Gang zurück.

Wurde ja auch Zeit, dem braven Ballerina-Dutt eine Alternative entgegen zu setzen. Lange genug bildeten der Vollbart und das zusammen gewurschtelte Nest auf dem weiblichen Haupt die heteronormative Hipster-Symbiose.

Irgendwann innerhalb der letzten Saisonen verschwammen die Geschlechtergrenzen dann plötzlich. Zumindest auf dem Kopf. Und zumindest bei denen, die mit vollem Haar gesegnet sind: Nach den Frauen haben auch die Männer das zusammen gewurschtelte Haarnest für sich entdeckt. Und gleichen seither das Gestrüpp im Gesicht um den Dutt am Hinterkopf aus: Vor drei Jahren stöberte die "New York Times" den "Man Bun" erstmals in Williamsburg auf, seither ist der männliche Haarknödel schon fast zur Normalität geworden. Viel dafür getan hat in den letzten Jahren zum Beispiel der Schauspieler Jared Leto. Er hat während zahlreicher Filmpreisverleihungen seinen Anzug mit einem Dutt kombiniert – und bewiesen, dass das auch mit Vollbart gut aussehen kann.

foto: ap/john shearer
Jared Leto zeigt sich gerne mit "Man Bun".

Und nun? Scheinen die langhaarigen Frauen mit dem Knödel-Bekenntnis der Herren irgendwie ein Problem zu haben. Sie grenzen sich obenrum zunehmend ab. Das allerdings ziemlich halbherzig. Statt sich die Haare abzuschneiden, werden auf dem weiblichen Haupt jetzt Rapunzel und Knödel zusammengeführt. Auf der Suche nach den Gründen darf natürlich spekuliert werden.

foto: ap/chris pizzello
Schauspielerin Margot Robbie mit "Half Bun".

Vielleicht aber wollen modebewusste Frauen mit dem "Half Bun" einfach nur beweisen, dass untenrum alles echt ist, frei nach dem Motto: Wir sind echte Rapunzels und kommen ganz ohne Clips und Klebestreifen aus. In Zeiten von Extensions ist das ja alles andere als selbstverständlich.

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foto: hersteller

(Anne Feldkamp, derStandard.at, 5.2.2015)

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