Die Metzgerei: Drei Lebern bis zur Fastenzeit

Ansichtssache3. Februar 2015, 10:30
16 Postings

Damit es hier nicht schon wieder um die Wurst geht (herzlichen Dank für die dutzenden Bosna-Tipps!), und damit wir uns aber auch nicht allzu weit vom Thema entfernen - da liegt die Metzgerei nahe, auch wenn man dafür in den 14. fahren muss. Und der Besuch von Severin Der Profi Corti ist schon lang genug aus, um dort nach dem Rechten zu sehen. Ein komplizierter Einstieg zu einem einfach netten Lokal wäre damit gefunden.

Ein neuer Stammwirt für liebe Freunde

Erkenntnis 1: Der Laden, ein recht ambitioniert und höchst freundlich geführtes Landgasthaus in Wien-Penzing brummt noch immer sehr erfreulich. Er wird in einigen Monaten noch ein bisschen heftiger brummen, wenn sich dann auch noch eine kleine Großfamilie in der Linzer Straße ansiedelt, gleich ums Eck, ich gratuliere ihnen schon zum neuen Stammwirten.

Die Sauce ist nicht dünner geworden

Erkenntnis 2: Man muss hier nicht verhungern. Im Gegenteil, man kann noch immer schon von den in der Tat beherzt reduzierten Saucen satt werden. Muss man aber nicht: Es gibt ja noch ordentlich was drauf.

Spenderleber gesucht

Erkenntnis 3: Kurz vor der offiziellen Fastenzeit haben die Wunderbare und ich offenkundig erhöhten Bedarf an Spenderleber. Und so sieht das hier aus, in Wahrheit noch ein Stück schöner, aber Sie kennen ja meine berüchtigten Fotos schon.

foto: fidler

Leberwürfel in der schön kräftigen Rindsuppe, mit ebenso schön knackigem Wurzelwerk. Die Leber-Einlag auch in Würfelform sehr anständig. Schade, dass mich die Wunderbare nur ein kleines Löfferl kosten ließ.

1
foto: fidler

Sie indes hatte größtes Interesse an meiner Leber, geröstet. Ich fand sie, die Leber, ja einfach herrlich, die Wunderbare sowieso. Und die forsch reduzierte Sauce störte mich eher lauen Würzer hier einfach gar nicht. Erkenntnis 4: Trotzdem nicht gierig tunken mit dem Gebäck.

2
foto: fidler

Dann nämlich müssen selbst bei beherzten Essern wie mir ein, zwei Stücke von der glacierten Hühnerleber zurückgehen, - die Wunderbare hatte auch zu beherzt getunkt - und ich musste ja auch noch einen Ochsen verarbeiten.

3
foto: fidler

Ausnahmsweise nicht die Leber vom Hornvieh, nun war mir das Ende nah: Ochsenschlepp mit Karfiol, gebacken und geschmort - die intensiv-cremig-fette Schmor-Ecke steht hier völlig zu Unrecht im Schatten des Ochsenschlepp-Panadesegels.

Der panierte Schlepp erinnerte die Wunderbare übrigens voller Sehnsucht an das viel zu selten hier erwähnte Gasthaus Stern in Simmering und seine Stubenmadelfüß. Nein, das ist keine Beleidigung für den Ochsen, auch wenn hier er mit - zudem non-pc bezeichneten - Schweinsfüßen verglichen wird.

Mir schien das Karfiolpüree vielleicht ein Alzerl zu süß, der Wunderbare indes konnte kaum genug kriegen von diesem Breichen.

4
foto: fidler

Die Wunderbare indes jubelte zum Schluss: Handgewuzelte Nuss-Nudeln mit Haselnussöl, ein bisserl weich, fand ich, die gehören so, sagte sie, und gemeinsam sangen wir geschmacklich völlig zurecht auf sie das Hohelied der Haselnuss.

Hier verlieren sich die Nudeln zu Unrecht ein bisschen in der Tiefenunschärfe hinter einem Apfelmus, das den Wunderbaren sehr freute und einem wirklich, wirklich schmucken Apfelsorbet.

Fast schon Bratapfel, hauchte sie. Passt, denken Sie jetzt vielleicht. (Harald Fidler, derStandard.at, 3.2.2015)

5
Share if you care.