Prinz und Philadelphia

2. Februar 2015, 17:07
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Die Reise zur WM in den USA beginnt mit einem Erfolgserlebnis

Die Häkelnadel hat es durch den Securitycheck geschafft, und zwar gleich an zwei Flughäfen. Strike! Schließlich hat Mama früher, wenn es kalt und Winter war, erstens immer gesagt: "Mach die Jacke zu." Zweitens: "Setz eine Haube auf!" Und da die Tochter im Handarbeiten noch nie die Schnellste war, musste die Häkelnadel mit an Bord.

An Bord musste auch der Prinz (Name der Redaktion bekannt). Und der Prinz wollte schnell an Bord. Er schien gar nicht gut gelaunt. Aber sorry, erstens schienen die Flughafenmitarbeiter nicht von der Prominenz des Fahrgastes gewusst zu haben, und zweitens schien eine eigene Schlange für Prinzen nicht vorgesehen. Da konnte er schimpfen, wie er wollte. Letztlich schaffte es aber auch der Prinz an Bord - sogar vor der Häkelnadel.

Der nächste Morgen - in Denver - hält Plastikgeschirr, gezuckerten Kaffee und Erdnussbutter bereit. Wenn der Prinz das miterleben müsste. Muss er natürlich nicht. Die Frau trinkt widerwillig den gezuckerten Kaffee aus dem Pappbecher, mag die Marmelade nicht, mag den Honig nicht. Die Erdnussbutter muss sie nicht probieren.

Irgendwie bietet das Frühstück nicht das, was die Frau gerne hätte. Wenigstens irgendetwas, was die mitteleuropäischen Geschmacksnerven gewohnt sind, es muss ja nicht Haselnussaufstrich sein. Und siehe da - man wird bescheiden - da ist etwas. Ein Plastikdöschen erfreut die Frau. Inhalt: Frischkäse, Marke bekannt von den Kühlregalen daheim. Philadelphia! Danke. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 3.2.2015)

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