Großes Polizeiaufgebot und Hitlergruß bei Pegida-Demo in Wien

Video2. Februar 2015, 22:30
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Etwa 300 Pegida-Anhänger auf der Freyung - Angekündigter Spaziergang kam wegen Gegendemonstranten nicht vom Fleck - Mehrere Journalisten von Polizei abgeführt

Wien – Die Polizei begleitete Montagabend mit 1.200 Beamten die erste Pegida-Kundgebung und die Gegendemonstration in der Wiener Innenstadt. Zu der rechten Pegida-Kundgebung waren etwa 300 Teilnehmer gekommen, bis zu 5.000 Personen nahmen an der Gegendemonstration teil. derStandard.at berichtet mit Updates von Demo und Gegen-Demo.

22:30 Uhr: Damit beenden wir unseren Livebericht über die erste Pegida-Kundgebung in Österreich. In Kürze folgt eine Zusammenfassung der Ereignisse.

Vor Ort berichteten Maria von Usslar, Christa Minkin, Andreas Müller, Michael Matzenberger und Markus Sulzbacher. Aus dem Newsroom wünschen Rosa Winkler-Hermaden, Noura Maan und Stefan Binder einen schönen Abend.

22:23 Uhr: Die "Offensive gegen Rechts", die den Marsch gegen die "Pegida Wien" mitorganisiert hat, beklagt eine verletzte Aktivistin. Wie eine Sprecherin mitteilte, wurde eine Frau nach Auflösung der "Pegida"-Demo von Männern verfolgt, niedergeschlagen und auch am Boden noch getreten. Die Frau ist nach Angaben der "Offensive gegen Rechts" in Spitalsbehandlung.

22:02 Uhr: Auch Verena Bogner von Vice Alps wurde von der Polizei eingekesselt. Die Personen - darunter auch Journalisten - wurden einzeln von je zwei Beamten abgeführt. Dass sie von der Presse sei "war ihnen wurscht", sagte Bogner im Gespräch mit dem STANDARD. Nachdem sie durchsucht wurde, wurde ihr von einer Beamtin mit einer Anzeige wegen "Sprengung einer Versammlung" gedroht.

21:30 Uhr: Am Lugeck wurde eine Person wegen eines noch nicht bekannten Delikts festgenommen und nach mehreren Minuten am Boden mit einem Gefangenentransporter weggebracht. Einem Bekannten des Mannes wurde von einem der handelnden Polizisten das Handy weggenommen, als er die Festnahme auf Video festhalten wollte. Mehrere Passanten und ein STANDARD-Redakteur haben in der Folge das Geschehen gefilmt.

21:25 Uhr: Die Exekutive nahm zahlreiche Identitätsfeststellungen vor, Festnahme gab es ersten Berichten zufolge nur eine und zwar "nach Verwaltungsstrafrecht".

21:20 Uhr: STANDARD-Journalist Markus Sulzbacher berichtet, dass sich noch etwa 200 Personen im Kessel befinden.

21.15 Uhr: Auch STANDARD-Journalist Michael Matzenberger wurde von zwei Polizisten im Hebelgriff abgeführt, als er nach dem Einsatzleiter suchte, um zu fragen, ob er als Pressevertreter die Zone wie von der Polizei gefordert verlassen darf. Beide STANDARD-Journalisten sind nach Identitätsfeststellungen wieder freigelassen worden.

21:02 Uhr: Martin Staudinger vom "profil" kann ähnliches berichten:

20:58 Uhr: Wie unsere Videojournalistin Maria von Usslar berichtet, hat die Polizei einen Platzverweis ausgesprochen und die Teilnehmer aufgefordert sich zu zerstreuen. Beim Versuch dem Folge zu leisten, wurde sie - trotz des Hinweises für die Presse zu arbeiten - jedoch von Beamten festgehalten und abgeführt.

20:52 Uhr Die Organisatoren der Pegida-Kundgebung wollen im Scheitern des "Spaziergangs" durch die Innenstadt keine Niederlage erkennen. Das zumindest wurde den Teilnehmern via Megafon kundgetan. Gleichzeitig versicherte ein Pegida-Sprecher: "Wir werden wiederkommen."

20:22 Uhr Die Polizei hat die Demo für beendet erklärt.

20:02 Uhr Dicht gedrängt auf der Freyung.

foto: mcmt/derstandard.at

19:57 Uhr Der frühere Dritte Nationalratspräsident Martin Graf befindet sich unter den Pegida-Anhängern. Außerdem berichtet sie über Handgreiflichkeiten und einen Rauchkörper, der abgefeuert wurde.

19:45 Uhr Pegida-Anhänger beschweren sich bei Polizei: "Sie verhindern das Demonstrationsrecht!"

19:38 Uhr Die Polizei zwischen den Fronten. Ein "Spaziergang" sieht anders aus.

foto: standard/fischer

19:34 Uhr Polizei rechtfertigt ihr Verhalten.

19:32 Uhr Pegida-Wien-Sprecher Georg Immanuel Nagel auf der Freyung.

foto: standard/fischer

19:28 Uhr Ein Hubschrauber kreist über die Freyung, Pegida versucht jetzt offenbar in die andere Richtung loszulegen. Die Anhänger rufen: "Nie, nie, nie wieder Islam!"

19:26 Uhr Die APA über die Gegendemo:

"Die offizielle Gegendemonstration gegen den Pegida-Marsch ist kurz vor 19.00 Uhr am Stephansplatz ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen. Nachdem der Demonstrationszug mit rund 5.000 Teilnehmern sein Ziel erreicht hatte, waren noch einige Reden geplant. Zu Ende ist der Protest damit freilich nicht. Linke Gruppen versuchten an anderen Punkten in der Wiener Innenstadt, die 'Pegida'-Demonstration zu stören. Versammlungen gab es etwa am Graben."

19:23 Uhr Warum sich die Pegida-Teilnehmer bisher nicht vom Fleck gelöst haben, erklärt die APA:

"Wiens erste 'Pegida'-Demonstration kann nicht loslegen. Der Grund: Gegendemonstranten versperren der islamfeindlichen Gruppe den Weg. Die Polizei ist vorerst einmal bemüht, die beiden etwa gleich starken Gruppen zu trennen."

Hotspot ist derzeit die Freyung, von wo aus der Demo-Zug loslegen sollte. Dort stehen sich nach Polizeiangaben jeweils 250 'Pegida'-Anhänger und Gegner gegenüber. Zwischen den Gruppen sind etwa 200 Polizisten, die eine direkte Konfrontation vermeiden. Festnahmen gab es bisher nicht, bloß Identitätsfeststellungen.

Von Beobachtern wurde vermerkt, dass sich unter die 'Pegida'-Anhänger offenbar auch Neonazis gemengt hatten. Denn sowohl Hitlergruß als auch der sogenannte 'Kühnengruß' wurden mehrfach beobachtet."

19:18 Uhr Gerade eben auf der Freyung in Wien.

19:15 Uhr Anti-Pegida ist jetzt ziemlich ruhig geworden, und direkt hinter der Sperre bei der Pestsäule lichtet sich die Menge. Dafür hört man die Pegida-Leute bis zum Graben.

19:10 Uhr Pegida-Anhänger kommen nicht vom Fleck. Sie rufen: "Straße frei!"

foto: derstandard.at/sum

19:00 Uhr Verschiedenste Sprechchöre hört man heute Abend. Die einen schreien: "Lügenpresse!" Gegendemonstranten antworten mit: "Nieder mit Pegida!".

18:54 Uhr Nicht nur in Wien gibt es heute Demos gegen Pegida, die APA berichtet aus Deutschland:

"Gegen religiösen Fanatismus, Rassismus und Antisemitismus haben am Montag in Kassel und Frankfurt hunderte Menschen demonstriert. Auch in anderen deutschen Städten hatten Bürgergruppen zu Protesten gegen islamkritische Gruppen nach dem Vorbild der Dresdner Pegida-Bewegung aufgerufen – etwa in Braunschweig, Magdeburg und Düsseldorf.

Am Ursprungsort Dresden hatte sich die Pegida in der vergangenen Woche gespalten. Für diesen Montag waren die 'Spaziergänge' der selbsternannten 'Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes' in der Elbestadt deshalb ausgesetzt worden.

In Kassel zeigten am Rathaus rund 2.000 Teilnehmer unter dem Motto 'Ein Deutschland für alle – Kassel bleibt weltoffen' Flagge. In der Frankfurter Innenstadt versammelten sich zunächst rund 300 Menschen zu einer Pegida-Gegendemo. Dabei kam es zu leichten Rangeleien mit der Polizei."

18:52 Uhr Teilweise vermummte Pegida-Anhänger auf der Freyung.

foto: derstandard.at/sum

18:48 Uhr Polizei fährt vom Stephansplatz mit Blaulicht Richtung Freyung und macht die Sperre zum Graben auf. Vorerst bleiben fast alle Demonstranten auf dem Stephansplatz. Polizeihubschrauber kreist.

18:45 Uhr In der Zwischenzeit auf der Freyung: auf beiden Seiten Vermummte. Mittelfinder werden gezeigt. Der Slogan "Nieder, nieder mit Pegida" fällt jetzt auch oft.

18:42 Uhr Demo kommt vor dem Dom zu stehen. Richtung Freyung bewegt sich niemand, aus dem Demozug heraus gab es offenbar drei Festnahmen.

18:39 Uhr Pegida-Anhänger mit der Fahne des Deutschen Kaiserreichs (rechts).

foto: derstandard.at/sum

18:35 Uhr Die APA berichtet von der Freyung:

"Die Situation war etwas chaotisch, als etwa Pegida-Wien-Sprecher Georg Immanuel Nagel per Megafon Botschaften an die Teilnehmer kundtun wollte, wurde er dabei sogar von eigenen Anhängen immer wieder gestört.

Die Polizei holte einzelne vermummte und alkoholisierte 'Pegida'-Anhänger heraus und war sonst bemüht, die beiden Blöcke voneinander zu trennen. Das Aufgebot wurde sukzessive verstärkt, um Zusammenstöße zu vermeiden."

18:29 Uhr Die Spitze des Demozugs (Offensive gegen Rechts) befindet sich vor dem Kaufhaus Steffl, "Schulter an Schulter gegen Rassismus"-Rufe, aber alles friedlich. Was auffällt, ist, dass kein einziger Polizist seinen Helm trägt.

foto: mcmt/derstandard.at

18:27 Uhr Die Wiener Identitären sind auch auf der Freyung.

18:24 Uhr Sprechchöre der Gegendemonstranten: "Flüchtlinge bleiben – Pegida vertreiben!" Die Polizei steht zwischen den zwei Seiten auf der Straße, die jeweils am Gehsteig einander zurufen.

18:18 Uhr Laut Schätzungen befinden sich derzeit 300 Pegida-Anhänger auf der Freyung. Sie rufen: "Wir sind das Volk!" Ein paar Dutzend Gegendemonstranten pfeifen sie aus und rufen: "Antifaschista!" Die Polizei hält sich raus.

foto: derstandard.at/minkin

18:06 Uhr Kollege Markus Sulzbacher vom Webstandard schaut sich auf der Freyung um.

18:00 Uhr Veranstalter und Polizei haben unterschiedliche Schätzungen, was die Teilnehmer bei der Gegendemo betrifft: Erstere sprechen von bis zu 4.500 Personen, die Polizei von rund 1.200 Personen.

17:54 Uhr Redakteur Michael Matzenberger ist von der Gegendemo auf einen Sprung zurück in der Redaktion. Seine Eindrücke:

So wie sich der Treffpunkt der Anti-Pegida-Demo vor dem Museumsquartier zum angekündigten Beginn um 16 Uhr nur langsam füllte, war auch die Polizeipräsenz anfangs gering. Rund ein Dutzend Polizeibusse wurden zwischen Natur- und Kunsthistorischem Museum Polizeibusse platziert, gegen 17 Uhr begann auch ein Polizeihubschrauber über dem Schauplatz der Kundgebung zu kreisen. Rund eine halbe Stunde setzten die Polizisten die Sperre der Babenbergerstraße und des Rings in Kraft.

Bis 17:40 Uhr ließen sich die Veranstalter Zeit, um den Anti-Pegida-Marsch in Bewegung zu setzen. In Reden versicherten sie, der Pegida-Bewegung, deren Ziel es sei, die Vielfalt zu brechen, "in Wien keinen Meter zu lassen": "Wir sind mehr und werden immer mehr sein."

"Nieder, nieder mit Pegida" und "Hoch die internationale Solidarität" riefen die Anhänger beim Abmarsch, viele hielten Transparente und Tafeln mit Aufschriften wie "#No Pegida" und "Muslime und Flüchtlinge willkommen" oder mit den Logos von Parteiorgansiationen und Vereinen in die Höhe.

17:36 Uhr Es wird schon finster vor dem Museumsquartier, die Gegendemo setzt sich langsam in Gang.

foto: standard/fischer

17:30 Uhr Der Ring dürfte jetzt bereits gesperrt sein.

17:19 Uhr Die Veranstalter der Gegendemo (Offensive gegen Rechts) sprechen von 4.500 Demonstrantinnen und Demonstranten, die in Wien gegen Pegida auf die Straße gehen. Bestätigt wurde diese Zahl von der Polizei aber noch nicht.

17:09 Uhr Auf der Freyung steht die Polizei bereit.

17:03 Uhr Gegendemo vor dem Museumsquartier.

foto: apa/herbert p. oczeret

16:56 Uhr Die Demo-Routen verlaufen heute so:

foto: offensive gegen rechts

16:47 Uhr Gegendemo vor dem Museumsquartier: "GewerkschafterInnen gegen Rassismus".

foto: standard/plankenauer

16:45 Uhr Neuigkeiten gibt es auch aus Deutschland: In Dresden war diesen Montagabend keine Pegida-Demo angemeldet gewesen. Denn die Bewegung hatte sich in der Vorwoche gespalten. Pressesprecherin Kathrin Oertel war mit fünf weiteren Vorstandsmitgliedern zurückgetreten – unter anderem, weil hinter den Kulissen immer noch Pegida-Gründer Lutz Bachmann mitmischt. Der hatte sich mit einem Selfie in Hitler-Pose und fremdenfeindlichen Äußerungen disqualifiziert.

Doch Oertel will nicht untätig bleiben und gründet mit den Abtrünnigen einen neuen Verein. Er nennt sich "Direkte Demokratie für Europa" und will sich für mehr direkte Bürgerbeteiligung "auf allen Ebenen" in Deutschland starkmachen. Auch die Themen "Einwanderung und Asyl" sollen im Vordergrund stehen.

Oertel beschreibt das neue Projekt so: "Wir werden ein bürgernaher, konservativer Verein sein und uns rechts von der CDU positionieren." Man wolle aber keine Konkurrenz zu Pegida sein und daher auch nicht am Montag, dem traditionellen "Pegida-Tag", Demos abhalten. Vielmehr soll es nächsten Sonntag die erste Kundgebung geben. Oertel dementierte auch die Meldung, sie habe einen Aufnahmeantrag bei der rechtskonservativen AfD (Alternative für Deutschland) gestellt.

Der alte Teil von Pegida hat für den kommenden Montag (9. Februar) unter dem Motto "Wir lassen uns nicht stoppen!" wieder einen "Abendspaziergang" durch die Dresdner Innenstadt angemeldet. Bis dahin soll auch ein neuer Vorstand gewählt sein.

16:41 Uhr Gegendemo vor dem Museumsquartier.

foto: standard/fischer

16:39 Uhr Gesichtet in der Herrengasse - sind die Männer zum Pegida-Marsch unterwegs?

16:35 Uhr Aufgrund der Demonstrationen wird es auch wieder zu Verkehrsbehinderungen in der Wiener Innenstadt kommen. Die City-Buslinien 1A, 2A und 3A werden ab circa 17.00 Uhr eingestellt, bei den Ringlinien könne es – je nach Entwicklung – zu Kurzführungen oder Umleitungen kommen, teilte ein Sprecher der Wiener Linien mit. Die Wiener Linien empfehlen, auf die U-Bahn auszuweichen bzw. die Durchsagen zu beachten.

16:30 Uhr Die Polizei wird auch heute wieder von der Demo twittern. Sie will bei ihrer Taktik vom vergangenen Freitag bei den Kundgebungen gegen den FPÖ-Akademikerball mit "Dialog und Deeskalation" bleiben. Man habe gute Verbindungen zu den Organisatoren der beiden Demonstrationen.

16:25 Uhr Überraschend übrigens das Sujet, mit dem Pediga für ihre Kundgebung am Montag mobilisierte: Der Tiroler Volksheld Andreas Hofer mit angewinkeltem Bein, den Säbel fest umklammert: Ein Freiheitskämpfer, bereit zum Marsch, soll das Sujet vermitteln. "Manda, s‘isch Zeit" (sic!), wird Andreas Hofer darauf zitiert. "Alle Patrioten müssen mit", hat ihm Pegida Wien auf dem Bild, das derzeit in sozialen Medien verbreitet wird, über den Stiefel geschrieben.

16:15 Uhr Unser Redakteur Michael Matzenberger ist bei der Gegendemo eingetroffen, die ihren Treffpunkt beim Marcus Omofuma Stein vor dem Wiener Museumsquartier hat.

foto: mcmt/derstandard.at

(bau, cmi, mcmt, rwh, sum, derStandard.at, 2.2.2015)

  • derstandard.at/von usslar

    Video von der Gegendemo.

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