Entspannt, locker und hoffnungsvoll

2. Februar 2015, 12:34
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Super-G ist grundsätzlich gut für Österreichs Damen. Und also ist es gut, dass mit ihm der sportliche Teil der WM beginnt. Eine Medaille zu Beginn löst die Anspannung

"Wir fühlen uns hier sehr wohl", sagt Hans Pum. Man glaubt es dem Alpindirektor des Österreichischen Skiverbandes. Österreichs WM-Team ist im Hotel The Charter in Beaver Creek untergebracht. Trotz seiner Größe (135 Zimmer) und seiner langen Gänge wirkt es gemütlich. Es könnte so wohl auch in Österreich stehen. Die Pisten im Beaver Creek Resort sind nur einen Katzensprung entfernt.

Und wenn nicht am Dienstag die Wettkämpfe der Weltmeisterschaft beginnen würden, es ließe sich wohl gar nicht schlecht entspannen in dem auf 2500 m Seehöhe gelegenen Retortenort in den Rocky Mountains, Colorado. Aber noch haben die Wettkämpfe nicht begonnen, und also wirken die vier Damen, die heute im Super-G für Österreich an den Start gehen werden, noch ziemlich unangespannt.

Im Super-G lief es bei Großereignissen zuletzt oft gut für die Österreicherinnen. Im Vorjahr holte Anna Fenninger Olympia-Gold, vor vier Jahren gewann Elisabeth Görgl bei der WM in Garmisch. Nur vor zwei Jahren in Schladming gab es keine Medaillen. Aber da war, anders als 2014 und 2011, auch kein Österreicher Kurssetzer. Heute wird den Kurs Roland Assinger, Speed-Trainer, Österreicher, setzen. Also? "Das kann schon ein Vorteil sein. Wir wissen, was uns erwartet", sagt Görgl, die ihre siebente WM in Angriff nimmt. Assinger wird eher nicht gegen seine Schützlinge setzen. "Wir haben unsere Stärken im technischen Bereich", sagt Fenninger. Also wird der Lauf ein anspruchsvoller werden.

Raptor

Der Hang ist es ohnehin schon. Die extra für die WM gebaute "Raptor"-Piste gefällt. "Die Rennstrecken sind hervorragend", sagt Hans Pum ganz generell. Und speziell zum Super-G: "Jede hat das Können, um Medaillen zu fahren." Jede, das sind neben Fenninger und Görgl noch Nicole Hosp und Cornelia Hütter. Letztere hat als Einzige noch nie eine Medaille bei internationalen Titelkämpfen geholt. Im Vorjahr bestritt sei bei den Olympischen Spielen in Sotschi die Abfahrt, wurde 24. Bei einer WM debütiert die Steirerin. Sie will die Titelkämpfe wie einen Weltcup sehen – es zumindest versuchen. "Bis jetzt geht’s ganz gut", sagt sie. Und: "Ich habe nichts zu verlieren." Vielleicht etwas zu gewinnen.

Wenn’s im Super-G nicht klappt, dann vielleicht in der Abfahrt am Freitag. Aber im Super-G waren die Ergebnisse der 22-Jährigen zuletzt stärker. Einmal Vierte, zweimal Fünfte und einmal Achte war Hütter in den vier einschlägigen Saisonrennen im Weltcup. Das Podest fehlt ihr heuer noch. Muss ja nicht so bleiben.

Trends

Muss auch nicht so bleiben, dass Anna Fenninger ständig Zweite wird. In diesem Winter war sie das schon sechsmal, davon dreimal in einem Super-G. Ihren einzigen Saisonsieg holte die Salzburgerin zum Auftakt beim Riesentorlauf von Sölden. Sie sei in allen drei Disziplinen auf gleichem Niveau. Mit dem Drumherum bei Großereignissen kann sie mittlerweile gut umgehen. Vor zwei Jahren, bei der Heim-WM in Schladming, hatte sie damit noch ihre Probleme. Dass nun so fern von der Heimat gefahren wird, habe Vor- und Nachteile. Fenninger versucht es mit Lockerheit. "Der Super-G wird sicher ein schönes Rennen", sagt die 25-Jährige. Und sollte es für sie nicht so schön ausgehen: Es bleiben ja noch zwei Rennen mit guter Aussicht.

Eine Vielstarterin in Beaver Creek ist auch Nicole Hosp. Nach dem Super-G nimmt sie noch Kombination und Slalom in Angriff. Und vielleicht auch die Abfahrt. Die Tirolerin muss gegen Nicole Schmidhofer in die Qualifikation. Angst zu überpowern hat Hosp nicht. Die 31-Jährige weiß, was sie zu tun hat. Zum siebenten Mal tritt sie bei einer WM an. Sieben Medaillen gewann sie bereits. Eine im Super-G fehlt noch. "Das wäre schön, wenn das auch noch klappen würde." Das Motto lautet: "Vollgas." Das Gefühl ist gut. Hosp mag den Schnee in Amerika. "Ich bin eine feinfühlige Fahrerin." Das sei das richtige für die Verhältnisse.

"So lässig, so aggressiv"

Den amerikanischen Schnee mag auch Elisabeth Görgl. "Der ist so lässig, so aggressiv. Man kriegt sofort etwas zurück." Freilich im ersten Training war er statt lässig "ganz komisch". Weil es wärmer war, kam die Aggression nicht so ganz zur Geltung. Im zweiten Training sei es schon besser gewesen. Und fürs Rennen macht sich Görgl, im Dezember Siegerin in Val d’Isere, keine Sorgen. "Eine Medaille wäre schön", sagt sie.

Freilich gibt es auch noch andere Favoritinnen als die Österreicherinnen. Die Slowenin Tina Maze zum Beispiel oder die Schweizerin Lara Gut, Siegerin in Lake Louise, oder, aber vor allem, Lindsey Vonn. Zuletzt zeigte sie in den Super-Gs von Cortina und St. Moritz ihre Extraklasse. Die US-Amerikanerin, die in Vail lebt, ist schon vor Beginn der WM sein Superstar. Aber sagt Görgl: "Niemand ist unschlagbar." Aber sagt Fenninger: "Niemand ist unschlagbar." (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 03.02.2015)

  • Anna Fenninger, Cornelia Hütter, Nicole Hosp und Elisabeth Görgl sind bereit.
    foto: apa/techt

    Anna Fenninger, Cornelia Hütter, Nicole Hosp und Elisabeth Görgl sind bereit.

  • Die Damenrennen werden auf der neuen, extrem steilen und technisch  wesentlich anspruchsvolleren WM-Strecke "Raptor" in Beaver Creek  gefahren.

    Die Damenrennen werden auf der neuen, extrem steilen und technisch wesentlich anspruchsvolleren WM-Strecke "Raptor" in Beaver Creek gefahren.

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