Breite Ablehnung für Schiefergas-Gewinnung

2. Februar 2015, 11:00
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Nicht nur Wien ist anders – in Europa unterstützen nur wenige Länder die als umweltschädlich verschriene Technologie

Nicht nur Wien ist anders. Auch der überwiegende Teil Europas ist, was die Gewinnung von Öl und Gas mittels Hydraulic Fracturing (Fracking) betrifft, deutlich skeptischer eingestellt, als es etwa die USA sind. Während jenseits des großen Teichs die durch Chemieeinsatz und hohen Druck aus dem Gestein gesprengte Energie Grundbesitzern und der US-Industrie viel Geld bringt, ist die Front der Ablehnung der als umweltschädlich verschrienen Technologie in Europa massiv.

Großbritannien prescht vor

Großbritannien ist eines der wenigen Länder mit einem Premier, der Fracking unterstützt. Erst vergangene Woche hat David Cameron Rufe nach einem Moratorium, auch aus seiner konservativen Partei, zurückgewiesen. "Ich möchte, dass Schiefergas in unserem Land richtig genutzt wird," sagte Cameron. "Wir wollen höhere Energiesicherheit, die Preise niedrig halten, und wir wollen den Klimawandel bekämpfen." Geplant ist eine Gesetzesänderung, die Fracking erleichtert. So ist vorgesehen, Rechte von Grundeigentümern abzuschwächen, sich gegen Fracking stellen zu können. Die Schotten sind anders, in Edinburgh wurde vorigen Mittwoch ein Moratorium beschlossen.

In Deutschland hat die Regierung auf Druck von Wirtschaftspolitikern der Koalition ihre Pläne für ein Fracking-Verbot aufgeweicht. Nach erfolgreichen Probebohrungen und der Genehmigung eines Wissenschaftsgremiums kann in Ausnahmefällen kommerzielles Fracking erlaubt werden, steht in dem Gesetzentwurf des Berliner Umweltministeriums.

Österreich blockiert

In Österreich war die OMV 2012 drauf und dran, nach Schiefergas im Weinviertel zu bohren. Wegen massiver Proteste und fehlender Unterstützung durch die Politik bekam man kalte Füße und stellte das Projekt zurück. Ein Team um Herbert Hofstätter treibt unterdessen an der Montanuniversität Leoben ein Projekt voran, Schiefergas möglichst umweltfreundlich aus dem Gestein zu pressen. Dabei wird Wasser, gemischt mit Kaliumkarbonat, mit hohem Druck in die Erde gepumpt, was die Steine sprengt und so den Fluss für das Gas nach oben freimacht. Was noch fehlt, sind Feldtests.

Verboten ist Fracking außer in Rumänien und Bulgarien auch in Frankreich und seit kurzem in Dänemark. In Polen, das mit Großbritannien im Hinblick auf Schiefergas zu den aufgeschlossensten Ländern gehört, ist die Anfangseuphorie verflogen. Die Vorkommen haben sich als deutlich kleiner herausgestellt als erwartet, die Kosten dafür als umso höher. (Günther Strobl, DER STANDARD, 2.2.2015)

  • Proteste kreuz und quer durch Europa gegen Fracking.
    foto: ap / vadim ghirda

    Proteste kreuz und quer durch Europa gegen Fracking.

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