Chinas Industrie schrumpft erstmals seit zwei Jahren

1. Februar 2015, 10:07
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Die Volksrepublik will ihre Industrie umbauen mit dem Ziel, höherwertige Produkte herzustellen

Peking - Die chinesische Industrie ist zu Jahresbeginn überraschend erstmals seit fast zweieinhalb Jahren wieder geschrumpft. Der offizielle Einkaufsmanager-Index sank im Jänner auf 49,8 Punkte von 50,1 Zählern im Dezember, wie die Statistikbehörde am Sonntag mitteilte. Experten hatten dagegen mit einem leichten Anstieg auf 50,2 Punkte gerechnet.

Der Rückgang auf den tiefsten Stand seit September 2012 und unter die Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird, bedeutet einen neuen Rückschlag für Chinas Wirtschaft, die 2014 mit einem Plus von 7,4 Prozent so langsam gewachsen ist wie seit 24 Jahren nicht mehr. Damit dürften neue Konjunkturhilfen von Zentralbank und Regierung wahrscheinlicher werden.

Zumal auch der amtliche Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungsbranche zurückging. Dieses Barometer fiel im Jänner auf 53,7 Punkte von 54,1 Zählern im Dezember und damit auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Die mageren Konjunkturdaten schürten Spekulationen, dass die Zentralbank zur Ankurbelung der Wirtschaft ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Es sei zu erwarten, dass die Notenbank die Zinsen erneut senken und die Mindestreserve-Anforderungen für Banken herabsetzen werde, um mehr Kredite an die Wirtschaft anzuschieben, erklärten die Experten der Australia and New Zealand Banking Group (ANZ). Erst im November hatte sie überraschend und erstmals seit mehr als zwei Jahren die Zinsen gesenkt.

Weitere Abkühlung erwartet

Für dieses Jahr wird eine weitere Abkühlung der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde erwartet. Die Regierung in Peking rechnet Insidern zufolge nur noch mit einem Wachstum von rund sieben Prozent, nachdem sie 2014 erstmals seit 15 Jahren ihre Vorgabe verfehlt hatte. Das ist für europäische Verhältnisse zwar noch immer sehr viel. Die Volksrepublik ist aber auf ein hohes Wachstum angewiesen, um seine immer mehr in die Städte strebenden Einwohner mit Arbeitsplätzen und Wohnungen zu versorgen und so sozialen Unruhen vorzubeugen. "China braucht weiter einanständiges Wachstum, um dieses Jahr 100 Millionen neue Stellen zu schaffen", erklärten die ANZ-Experten.

Dem Exportweltmeister macht aber etwa die schwächelnde Konjunktur in der Europäischen Union - dem wichtigsten Absatzmarkt - zu schaffen. Präsident Xi Jinping hatte zuletzt zudem wiederholt betont, dass er die Wirtschaft nach Jahren des Booms umbauen wolle: Er setzt dabei auf eine Stärkung des Konsums und will Ausfuhren und Einfuhren ausgewogener sowie die Wirtschaft insgesamt auch umweltschonender gestalten. Dafür nimmt er auch ein geringeres Wachstum in Kauf. (Reuters, 1.2.2015)

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