Italiens Justiz ermittelte im Vatikan

31. Jänner 2015, 14:42
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Die Justizbehörden haben sich im vergangenen Jahr mit Ermittlungen wegen pädophiler Pornografie, Betrugs auf Kosten der Vatikanbank IOR und Drogenhandel befasst

Vatikanstadt - Die italienischen Justizbehörden haben sich im vergangenen Jahr mit Ermittlungen wegen pädophiler Pornografie, Betrugs auf Kosten der Vatikanbank IOR und Drogenhandel befasst. Dies geht aus dem Bericht des vatikanischen Generalstaatsanwalts Gian Piero Milano bei der Eröffnung des neuen Gerichtsjahres im Vatikan am Samstag hervor.

Die Ermittlungen wegen pädophiler Pornografie betreffen den wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagten früheren Erzbischof Jozef Wesolowski, der im September festgenommen worden und im Dezember aus dem Hausarrest entlassen worden war, bestätigte der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Die vatikanische Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Papst-Botschafter in der Dominikanischen Republik sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und den Besitz von kinderpornografischem Material vor.

Sechs Festnahmen

Sechs Festnahmen wurden im vergangenen Jahr im Vatikan angeordnet. Diese Zahl sei deutlich höher als in den vergangenen Jahren, betonte Milano. Zu den Festgenommenen zählt der Triester Unternehmer Marcello Di Finizio, der zehn Tage in Haft verbrachte, nachdem er mehrmals auf einen Vorsprung der Fassade des Petersdoms und auf die Kuppel geklettert war. Als Motiv für seinen wiederholten Protest gab Di Finizio laut italienischen Medien stets an, er habe durch EU-Wettbewerbsrecht seine Arbeit verloren. Auch eine Femen-Aktivistin, die am Christtag barbusig auf dem Petersplatz gegen den Vatikan protestiert hatte, zählt zu den Personen, die 2014 im Vatikan festgenommen wurden.

Die vatikanische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden - und damit Chef - der Vatikanbank (IOR), Angelo Caloia, und den Ex-Generaldirektor Lelio Scaletti wegen Verdacht auf Veruntreuung. Den beiden wird vorgeworfen, sich gemeinsam mit einem Anwalt bei Immobiliengeschäften um insgesamt 60 Millionen Euro bereichert zu haben. Caloia und Scaletti sollen zwischen 2001 und 2008 29 Immobilien des IOR in Italien vor allem an Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen verkauft haben, die von ihnen selbst kontrolliert worden seien, so die Zeitung.

Drogenhandel

Der Generalstaatsanwalt berichtete, dass auch der Drogenhandel den Vatikan beschäftigt habe. "Vereinzelte Versuche" des Drogenhandels im Vatikan wurden ausgemerzt, betonte Milano. Dies sei auch der Kooperation zwischen der vatikanischen Gendarmerie und der Polizei anderer Staaten zu verdanken. (APA, 31.01.2015)

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