EZB-Geldflut: Bankier warnt vor Preisblasen

31. Jänner 2015, 13:27
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"Anleger suchen händeringend nach Alternativen"

Frankfurt am Main/Frankfurt - Die neue Flut billigen EZB-Geldes verschärft nach Einschätzung des Privatbankiers Emmerich Müller vom Frankfurter Bankhaus Metzler die Gefahr von Übertreibungen an den Finanzmärkten. "Anleger suchen händeringend nach Alternativen. Die Gefahr einer Blasenbildung in bestimmten Anlageklassen ist nicht von der Hand zu weisen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

"Generell gehen wir davon aus, dass die Zinsen noch lange unattraktiv bleiben werden", sagte der für das operative Geschäft zuständige Partner des 1674 gegründeten Traditionshauses. Das führe zu Verzerrungen. "Staatsanleihen sind definitiv überbewertet, weil die Schuldner dafür keinen Preis zahlen, der das Risiko abbildet." Aktien sieht der Bankier als Alternative: "Der Aktienmarkt ist noch fern einer Blasenbildung - auch wenn Aktien derzeit nicht mehr billig sind."

Billiges Geld löst die Probleme nicht

Den jüngste Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB), von März 2015 bis September 2016 monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen zu stecken, sieht Müller kritisch. "Ich verstehe unter ökomischen Gesichtspunkten nicht, warum wir uns darauf einlassen." Der Bankier betonte: "Das viele billige Geld der EZB löst die strukturellen Probleme in Europa nicht: die hohe Verschuldung, die Folgen der demografischen Entwicklung, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit im globalen Umfeld."

Die Wahl in Griechenland, die Reform- und Spargegner an die Macht gebracht hatte, sei "ein Beleg dafür, dass die Bevölkerung in etlichen Ländern schmerzliche Reformen nicht mitträgt und Sehnsucht nach einfachen Lösungen hat. Das ist in der gesamteuropäischen Entwicklung durchaus gefährlich."

Das schwierige Umfeld zwinge die Bankenbranche zum Reagieren: "Der Kostendruck müsste zu größeren Instituten führen. Allerdings sind Fusionen zumindest säulenübergreifend in Deutschland kaum möglich", analysierte Müller. "Banken werden sich stärker fokussieren müssen. Das heißt nicht, dass wir unbedingt weniger Institute in Deutschland brauchen, aber wir brauchen Banken mit einer klareren Ausrichtung."

Allerdings sei es im umkämpften deutschen Markt schwierig, "einen angemessenen Preis für bestimmte Bankdienstleistungen zu bekommen", erklärte Müller. Das Bankhaus Metzler blicke auf ein gutes Geschäftsjahr 2014 zurück: "Wir sind mit dem vergangenen Jahr recht zufrieden", sagte der persönlich haftende Gesellschafter. Die genauen Zahlen veröffentlicht das Institut traditionell im Mai. (APA, 31.01.2015)

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