Wie ein Tweet ein Videospiel entstehen ließ

31. Jänner 2015, 11:07
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Das Game #IDARB wurde mithilfe der Twitter-Community entwickelt - Ideen und Vorschläge wurden implementiert

Es nahm seinen Anfang mit einem Tweet, der nur drei Antworten nach sich zog. Am 3. Jänner des Vorjahres veröffentlichte Mike Mika, Design-Chef beim Entwicklerstudio Other Ocean Interactive auf der Microblogging-Plattform einen Screenshot seines Projekts mit der Bitte an Entwickler, ihm doch weiterzuhelfen. Kurz darauf meldete sich Tim Schafer Creative Director des Indie Entwicklerstudios Double Fine. "Die rote Box trifft eine Entscheidung, danach startet die Erzählung", schrieb der Entwickler Mika.

So nahm alles seinen Anfang.

Das Interesse war geweckt. Mika erhielt immer mehr Tweets mit neuen Ideen und sogar der Name stammte nicht von ihm, sondern einem Twitter-User, der einen Tweet mit dem Hashtag #IDARB (It draws a red box) versehen hatte. #IDARB wurde viral und Mika erhielt sekündlich neue Ideen und Vorschläge. Mitsamt diesen startete er die Entwicklung des Multiplayer-Games, das ein Jahr nach dem Anfangstweet für die Xbox One erscheint.

"Implementiere einen Ball"

Doch Twitter begleitete nicht nur den Anfang des Projekts, sondern wurde ständig für neue Ideen und Vorschläge miteinbezogen. Als Mika etwa keinen Langzeitspielspaß bei seinem Game verorten konnte, wurde erneut die Plattform befragt. Ein User schrieb, dass vielleicht ein Ball in dem Spiel helfen konnte, woraufhin dieser in das Game integriert wurde. Dadurch ergab sich die weitere Entwicklungsrichtung. Es sollte eine Mischung aus NHL94, Sensible Soccer und NBA Jam werden.

Bekannter wurde aufmerksam

Nach einer Weile wurde auch ein Bekannter des Entwicklers auf das Spiel aufmerksam. Wie es der Zufall so will, war es Chris Carla, Chef des ID@XBox-Programms. Dieses bietet unabhängigen Entwicklern die Möglichkeit Games für die Xbox One zu veröffentlichen. Carla fragte Mika, ob er denn nicht #IDARB für die Microsoft Spielekonsole veröffentlichen möchte, woraufhin der Erfinder des Games sofort zusagte.

Hashtags auf Twitch lassen Ausgang beeinflussen

Ein weiterer Zufall bescherte dem Videospiel einen Bekanntheitszuwachs. Als Mika eine frühe Version des Spiels erstmals auf einer Konferenz vorzeigte, versuchten mehr als 100.000 Zuseher auf der Streaming-Plattform Twitch gemeinsam Pokemon durchzuspielen. "Twitch plays Pokemon" ließ die Server des Online-Dienstes glühen und brachte Mike auf die Idee eine ähnliche Idee bei seinem "Twitter spielt Entwickler"-Game zu implementieren. Zuschauer konnten fortan mittels Hashtags im Twitch-Chat #IDARB beeinflussen.

Kritiker und Frust

Mit der schnellen Popularität kamen auch einige Kritiker auf Mika zu. Ein Entwickler meinte etwa, dass die Grafik des Spiels Scheiße aussehen würde. Auch Mikas Kollegen frustete das simple Game, das für sie unverständlicherweise derart viel Hype auf sich zog und andere Titel verblassen ließ. Trotzdem nahm die Entwicklung weiter seinen Lauf, erneut mit Ideen von Twitter, bis zur finalen Veröffentlichung.

Wie #IDARB gespielt wird.

#gamedev und #indiedevelopement

"#IDARB" ist eine logische Schlussfolgerung daraus, dass Entwickler und die Community immer weiter zusammenwachsen", sagt Microsofts Chris Carla gegenüber Wired. Auch Mikas Vorgehen, eine Spieleidee auf Twitter zu veröffentlichen, wurde seitdem etliche Male kopiert. Unter den Hashtags #gamedev und #indiedevelopement lassen sich etwa täglich neue Games-Ansätze beobachten und mit eigenen Ideen unterstützen. (red, derStandard.at, 31.01.2015)

  • Ein Ausschnitt aus dem Multiplayer-Titel #IDARB.
    foto: screenshot/webstandard

    Ein Ausschnitt aus dem Multiplayer-Titel #IDARB.

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