Mehrerau: Ärzte wollen Sanatorium erhalten

30. Jänner 2015, 16:57
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Das Bregenzer Sanatorium Mehrerau wird im April geschlossen. Die Caritas wird dort ein Hospiz einrichten. Die Ärzte des Bezirks sind sauer, sie möchten weiter im kleinen Krankenhaus operieren

Bregenz – Ein Juwel der Vorarlberger Krankenhauslandschaft sei das Sanatorium Mehrerau, ist auf der Website zu lesen. Der "kleine, feine Unterschied" sei, dass ein Gefühl der Geborgenheit und Menschlichkeit vermittelt werde. Die schönen Leitsätze sind vom Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft, Gerald Fleisch, unterschrieben. Das Juwel scheint seinen Glanz für die Ökonomen mittlerweile verloren zu haben.

Aus nach fast 100 Jahren

Überraschend wurde im Herbst die Schließung für April angekündigt. Sehr zum Leidwesen der Belegärzte, das sind niedergelassene Ärzte der Umgebung, die im 50-Betten-Haus ihre Patienten operiert haben. Ein weiterer Schwerpunkt des 1923 vom Kloster Mehrerau gegründeten Hauses war die internistische Nachsorge für alte Menschen. Ab April soll ein Teil des Sanatoriums zu einem Hospiz der Caritas umgebaut werden. Für Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (VP) ist das die ideale Nutzung für das historische Gebäude am Seeufer.

Medizinische Nahversorgung

Kritiker wollen das Sanatorium aber weiter als medizinischen Nahversorger haben. Der Operationssaal sollte an die Belegärzte vermietet werden, schlägt der Bregenzer Ärztesprecher Rudolf Brugger vor. Nachsorgepatienten bräuchten ein Haus in unmittelbarer Nähe, lange Anfahrtswege seien den meist ebenfalls alten Angehörigen nicht zuzumuten, sagt der Allgemeinmediziner. Landesrat Bernhard winkt ab. Der OP, laut Gesetz nur Eingriffsraum, genüge den Vorschriften nicht mehr. Nachsorgepatienten und Angehörigen sei die Betreuung in zehn Kilometer Entfernung zumutbar.

Teilzeit im Spital

Das Land habe allen Belegärzten eine Teilzeitbeschäftigung in den Landeskrankenhäusern angeboten, sagt Bernhard. Dafür haben sich auch alle 13 Belegärzte beworben. Mit sieben habe man sich bereits geeinigt, sagt Bernhard. Die früheren Belegärzte werden in einem Krankenhaus Teilzeit arbeiten, dürfen dort aber weiter ihre Patienten operieren. Über die Konditionen, beispielsweise ob sie das Honorar mit Primar und Kollegen teilen müssen, wird noch diskutiert. Bernhard: "Darüber müssen die Krankenhäuser selbst entscheiden." Eine Weiterführung des Sanatoriums, wie von vielen Ärzten und Bürgern gefordert, ist für das Land ausgeschlossen. (Jutta Berger, DER STANDARD, 31.1.2015)

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