Kriegsverbrechen: Serbisches Spitzenmilitär im Zwielicht

30. Jänner 2015, 15:46
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Serbiens Armeechef der Kriegsverbrechen bezichtigt

Die Nachricht, dass Serbiens Generalstabschef Ljubisa Dikovic für Kriegsverbrechen im Kosovo verantwortlich sein soll, erreichte am Donnerstag Ministerpräsident Aleksandar Vucic während eines Wien-Besuchs. "Ich erkenne da eine Kampagne gegen die serbische Armee", erklärte Vucic zwischen den Gesprächen mit Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Sebastian Kurz. Obwohl er zugab, nicht genau zu wissen, was die vorgelegten neuen Dokumente beinhalten, beschuldigte er "einen Teil der serbischen politischen Öffentlichkeit und Politiker, alles Gute in Serbien zerstören zu wollen".

Verbrechen in Zusammenhang mit Massengrab

Der Fonds für humanitäres Recht hatte in Belgrad Dokumente präsentiert, die Dikovic mit der Ermordung albanischer Zivilisten im Kosovo im April und Mai 1999 in Zusammenhang bringen sollen. Die Leiterin der NGO, Sandra Orlovic, stellte das "Dossier Rudnica" vor. Dieses zeige eindeutig, dass in den Dörfern Rezala und Staro Citkovo im Kosovo Verbrechen an albanischen Zivilisten begangen worden seien, in die die 37. mechanisierte Brigade der Armee Jugoslawiens involviert gewesen sei. Deren Kommandant sei der jetzige serbische Generalstabschef Dikovic gewesen. Die Verbrechen werden mit einem Massengrab in Serbien in Zusammenhang gebracht, in dem 52 Leichen entdeckt wurden. Orlovic rief die serbische Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen auf, eine Untersuchung einzuleiten.

Serbiens Verteidigungsministerium erklärte, es handle sich um eine "orchestrierte Kampagne" gegen die Armee. Staatspräsident Tomislav Nikolic empfing Freitagvormittag Dikovic demonstrativ.

Srebrenica-Urteile bestätigt

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien in Den Haag hat am Freitag die Urteile gegen fünf ehemalige bosnisch-serbische Offiziere wegen des Völkermords in der Muslim-Enklave Srebrenica und anderer Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs (1992-95) größtenteils bestätigt. Vujadin Popovic, früher Vizebefehlshaber des Drina-Korps, und der Sicherheitschef der bosnisch-serbischen Truppen, Ljubisa Beara, wurden wie schon in erster Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt. (Andrej Ivanji aus Belgrad, DER STANDARD, 31.1.2015)

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