Anzahl ausländischer Kämpfer in Syrien und Irak auf Rekordhoch

30. Jänner 2015, 08:36
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Studie: Größte internationale Mobilisierung seit Afghanistan-Konflikt

London - In Syrien und dem Irak kämpfen einer aktuellen Studie zufolge mehr als 20.000 Ausländer aufseiten einer der sunnitischen Gruppen. Knapp ein Fünftel der Foreign Fighters stammen aus einem westeuropäischen Land oder sind dort beheimatet, heißt es in der Dokumentation, die das International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence (ICSR) diese Woche in London veröffentlichte.

Mit 20.730 ausländischen Kämpfern habe der Konflikt die größte internationale Mobilisierung seit dem Afghanistan-Konflikt in den 1980er-Jahren erreicht, stellte das ICSR fest. Die Mehrheit von ihnen stammt aus arabischen Ländern wie Saudi-Arabien, Jordanien und Tunesien.

178 Kämpfer aus Österreich

Die Anzahl der Kämpfer aus Westeuropa verdoppelte sich im vergangenen Jahr auf nahezu 4.000. Die meisten kommen aus Frankreich mit geschätzten 1.200, Großbritannien (500 bis 600) und Deutschland (500 bis 600), heißt es in der Studie. Bezogen auf die Bevölkerungszahl (pro Million Einwohner) sind vor allem Belgien (40), Dänemark (27) und Schweden (19) betroffen.

Aus Österreich sind der Studie zufolge zwischen 100 und 150 Personen beziehungsweise 17 pro Million Einwohner im Kampfeinsatz in Syrien oder im Irak. Jüngste Schätzungen des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) gehen bereits von 178 in Österreich beheimateten Kämpfern aus. Von 69 Personen weiß das BVT, dass sie wieder zurückgekehrt sind.

Rückkehrer

Zwischen fünf und zehn Prozent aller Foreign Fighters kamen der Studie zufolge in den Krisengebieten ums Leben. Bis zu 30 Prozent haben die Region verlassen und sind in ihre Heimat zurückgekehrt oder stecken in einem Transitland fest.

Das ICSR ist ein Gemeinschaftsprojekt von fünf Universitäten aus Großbritannien, den USA, Israel und Jordanien. In der Studie wurden 50 Länder berücksichtigt, für die nach Angaben des Instituts ausreichend Zahlenmaterial und/oder Schätzungen der Regierungen vorhanden waren. Alle Daten stammen demnach aus dem zweiten Halbjahr 2014.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Münchner Sicherheitskonferenz durchgeführt, die kommende Woche von Donnerstag bis Samstag stattfinden wird. An dem dreitägigen Expertentreffen werden auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi teilnehmen. Österreich wird durch Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) vertreten. (APA, 30.1.2015)

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