ÖBB: Maßgeschneiderte Uniformbestellung für sieben Millionen

30. Jänner 2015, 07:00
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Bei der Auftragsvergabe für neue Dienstkleidung für mehr als 7.000 Eisenbahner gab es seltsame Zufälle

Wien - Die Bestellung von Dienstkleidung für Eisenbahner ist offenbar ein schwieriges Terrain. Vor acht Jahren war die Anschaffung der blau-roten Schaffneruniformen im Wert von 1,5 Millionen Euro mit Unregelmäßigkeiten einhergegangen, die zwischenzeitlich die Staatsanwaltschaft beschäftigten und mit der Insolvenz des Lieferanten endeten. Im Vorjahr hat die Bundesbahn erneut Sakkos, Jacken, Hosen und Röcke für 2000 Zugbegleiter, 3000 Postbus-Mitarbeiter und 2700 Beschäftigte der ÖBB-Infrastruktur geordert, diesmal in Schwarz und Rot - und wieder wirft die Auftragsvergabe Fragen auf.

Mit der Materie befasste Personen beziffern den Auftragswert der in aller Stille, - "aber völlig transparent und korrekt", wie die ÖBB betont - durchgeführten Ausschreibung mit mindestens sieben Millionen Euro. Augenscheinlich, um frühere Probleme mit Stoffen (Juckreiz) und Materialverschleiß hintanzuhalten, wurde ein auf Unternehmensbekleidung und Textillogistik spezialisierter Fachmann aus Augsburg engagiert und mit dem Design der Uniformen und entsprechender Spezifizierung der Ausschreibung beauftragt. Der Fachmann wirbt im Internet mit Referenzen wie Audi, Quelle, Schweizer Bundesbahnen und Deutscher Bundespolizei. Was die Dienste des Spezialisten gekostet haben, wollte eine ÖBB-Sprecherin auf Anfrage des Standard ebenso wenig mitteilen wie den Grund für die Einschaltung eines Beraters. Das Honorar sei "marktüblich" gewesen.

Viel Stoff

Entsprechend speziell fiel laut Insidern der Katalog an Bedingungen für potenzielle Anbieter aus: Die Schulterpolster der Herrensakkos etwa mussten aus Rosshaar sein, bei den Damenjacken genügte Kunstfaser. Für Bewerber ohne Insiderinformationen sei es in der verfügbaren Zeit unmöglich gewesen, an die 40 Stoffe, Materialien und Gutachten beizubringen, um in die Endrunde zu kommen, moniert eine mit dem Vorgang vertraute Person. Bestellung und Fertigung der nicht vorrätigen Stoffe hätten weitere drei Monate gebraucht. Vorgegeben wurden seitens der ÖBB Ober- und Futterstoff für Sakkos und Blazer, sie waren von Corporate Fabrics und Weyermann & Söhne zu beziehen.

Letztlich wurde der Anfang 2014 ausgeschriebene Auftrag auf neun Tranchen von Uniformhemden über Jacken, Krawatten bis zu Gürtel und Handschuhen gesplittet. Den Zuschlag für Uniformhemden und -blusen sowie Oberbekleidung erhielt laut STANDARD-Recherchen eine im bayerischen Grünwald domizilierte GCL GesmbH, ein "Spezialist für hochwertige Corporate Fashion", wie es im Internetauftritt heißt; GCL unterhält auch einen Ableger in Augsburg. Die Firma wurde erst 2011 gegründet und wies 2013 laut Gläubigerschutzverein Creditreform einen Umsatz von 2,3 Mio. Euro aus. Zum Vergleich: Das entspricht gerade einmal einem Drittel des Gesamtauftragswerts der ÖBB-Bestellung. Uniformparkas und alle anderen Teile gingen an vier weitere Lieferanten.

Viele Fäden

Als "sehr ungewöhnlich" kritisiert die Vorsitzende des Rechnungshofausschusses im Nationalrat, Gabriela Moser, von den Grünen, dass die ÖBB die Namen der Auftragnehmer nie veröffentlichte und unter Verschluss hält. Auffällig sei weiters, dass die Organe einiger Bewerberfirmen in Personalunion handelten. Die erst im Juni 2013 gegründete Majuco GmbH im achten Bezirk in Wien, laut Firmenbuch "auf textile Lösungen für Unternehmensbekleidung" spezialisiert, lieferte zum Beispiel "Uniform Strickjacken". Sie hat neben einer ausgewiesenen Textilfachfrau als Chefin eine zweite Geschäftsführerin, die als Gesellschafterin der GCL fungierte. Ein anderer Gesellschafter der GCL wiederum war Geschäftsführer einer ITL Intelligent Textile Logistic in Grünwald in Bayern, die das Los für Uniformparkas für sich entschieden hat. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 30.1.2015)

  • Schwarz-Rot statt Blau sind die im Vorjahr angeschafften neuen Uniformen der Eisenbahner.
    foto: öbb/auer

    Schwarz-Rot statt Blau sind die im Vorjahr angeschafften neuen Uniformen der Eisenbahner.

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