Vorarlberger Landestheater: Eine "Carmen" mit Tattoos

29. Jänner 2015, 17:26
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Regisseur Alexander Kubelka lässt das Werk, das in Spanien 1820 angesiedelt ist, in der heutigen Zeit spielen

Georges Bizets tragische Liebesgeschichte zwischen der freiheitsliebenden Carmen (Nadine Weissmann) und dem pflichtbewussten Soldaten Don José (Adriano Graziani) wurde 1875 in Paris uraufgeführt. Am Vorarlberger Landestheater lässt Regisseur Alexander Kubelka das Werk, das in Spanien 1820 angesiedelt ist, in der heutigen Zeit spielen, legt sich dabei jedoch nicht auf einen bestimmten Ort fest; die Figuren sprechen auch auf Englisch miteinander.

Die Formsprache der Inszenierung ist reduziert. Dies kommt der musikalischen Darbietung sehr entgegen. "Steinwände", die sich zu einer Mauer oder einem Gefängnisraum umbauen lassen, eröffnen Assoziationen zu Mahnmalen oder dienen auch als Projektionsfläche. Bereits zu Beginn verdeutlicht ein Stacheldrahtbild, dass nur vordergründig die Themen Liebe und Macht verhandelt werden. Der Fokus liegt auf Freiheit und ihren Grenzen, auf Abhängigkeitsverhältnissen und Selbstbestimmung.

Carmen ist tätowiert und bricht mit Klischees. Mehr noch: Unter den arbeitenden Frauen finden sich auch Männer in Frauenkleidern - Unterdrückung oder schlechte Entlohnung sind eben kein rein weibliches Phänomen. Etwas unruhig wirken im Gesamtbild die Kostüme von Aleksandra Kica, die hier keine Linie erkennbar machten.

Sehr viel Applaus erntete das Symphonieorchester Vorarlberg unter Alexander Drcar; besonders gefiel auch Mara Mastalir als Micaela. (niwe, DER STANDARD, 30.1.2015)

Landestheater Vorarlberg, Bregenz, Spieltermine bis 3. März

  • Feurige Sache: Charles Rice als Escamillo in "Carmen".
    foto: anja köhler

    Feurige Sache: Charles Rice als Escamillo in "Carmen".

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