Lebensmittel-bedingte Erkrankungen: Listerien werden "zudringlicher"

29. Jänner 2015, 14:22
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Jahresbericht von EU-Lebensmittelbehörde und Europäischem Zentrum für Krankheitskontrolle - Relativ hohe Campylobacter-Erkrankungsrate in Österreich

Wien/Stockholm/Parma - Lebensmittel-bedingte Erkrankungen und Zoonosen können sehr schnell brandgefährlich werden. Der neue Bericht der EU-Lebensmittelbehörde (EFSA/Parma) und des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) für 2013 zeigt, dass das größte Problem offenbar bei Campylobacter-Keimen (vor allem durch Geflügelfleisch) liegt. Salmonellen sind auf dem Rückzug, Listerien werden häufiger.

"Campylobacter-Infektionen beim Menschen haben sich nach einem über Jahre steigenden Trend stabilisiert, sind aber weiterhin die häufigste über Nahrungsmittel verbreitete Erkrankung in der EU. Listeriosen und VTEC-Infektionen (Verotoxin-bildende E. coli-Keime) haben bei Menschen zugenommen, während die Salmonellosen und Erkrankungen durch Yersinien zurückgegangen sind", stellten EFSA und ECDC am Mittwoch in einer Aussendung fest. Der Report umfasst die Daten den 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie von Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.

Häufigste Ursache: Campylobacter-Erkrankungen

Die häufigste Ursache für Lebensmittel-verursachte Infektionen sind Campylobacter-Erkrankungen, die vor allem von kontaminiertem Geflügelfleisch, das nicht ausreichend erhitzt wird, stammen. 2013 wurden in der EU 214.779 bestätigte Fälle registriert, 2009 waren es 201.711 gewesen, 2011 hingegen 223.998 Erkrankungen. Das bedeutete 2013 eine Erkrankungsrate von 64,8 pro 100.000 Einwohner. Österreich liegt um diesen Durchschnitt (5.726 Fälle und eine Erkrankungsrate von 67,7 pro 100.000). In Österreich betrug die Campylobacter-Erkrankungsrate im Jahr 2009 noch 53,9 pro 100.000 Einwohner. 2011 waren es 61 Fälle pro 100.000 Menschen. Extrem hoch ist die Erkrankungsrate (173,7/100.000/2013) in Tschechien, extrem niedrig in Lettland (0,4 pro 100.000 Einwohner), ebenso in Rumänien (1,1) und in Polen (1,4).

Die Campylobacter-Problematik ist relativ schwierig in den Griff zu bekommen. Gegen Salmonellen gibt es für Tiere eine Impfung, gegen Campylobacter hingegen noch nicht. Campylobacter ist zusätzlich auch noch ein Keim, der bei Geflügel natürlich im Darm vorkommt. Da wären Bestrahlung oder das Besprühen mit Chlorlösung die einzige absolut sicher funktionierende Lösung.

Salmonellen-Erkrankungen seltener geworden

Offenbar weil für die Bekämpfung der Verbreitung von Salmonellen gute Mittel zur Verfügung stehen, konnte dieses Problem in den vergangenen Jahren recht gut unter Kontrolle gebracht werden. Jedenfalls gab es in der EU im Jahr 2013 82.694 per Laboruntersuchung bestätigte Fälle (20,4 pro 100.000 Einwohner). 2009 waren es noch 110.179 gewesen (24/100.000). In Österreich ist die Zahl der Salmonellen-Erkrankungen seit 2009 (2.775/33,2 pro 100.000 Einwohner) auf nur noch rund die Hälfte zurückgegangen. 2013 waren es 1.404 bestätigte Fälle (16,6 pro 100.000 Einwohner). Damit liegt Österreich nunmehr unter dem EU-Durchschnitt. Portugal hatte 2013 mit 1,6 Erkrankungen je 100.000 Einwohnern die geringste Rate, Tschechien mit 93,1 Fällen je 100.000 Einwohner die höchste. Auch Salmonellen in Lebensmitteln sind vom Konsumenten relativ leicht durch Erhitzen unschädlich zu machen. Für Produkte unter Verwendung von "rohen" Zutaten (z.B. die Eier beim Tiramisu) gibt es sichere Grundstoffe aus der Nahrungsmittelindustrie.

Anders sieht es bei den Listerien-Erkrankungen aus. "Listeriose beim Menschen ist eine relativ seltene, aber schwere Zoonose, die mit schweren Erkrankungen, Hospitalisierung und hohen Todesraten in 'verwundbaren' Bevölkerungsgruppen verbunden ist", schreiben EFSA und ECDC. Von allen Zoonosen, also vom Tier stammenden Infektionserkrankungen ist die Listeriose die schwerste. 2013 gab es 1.763 bestätigte Listeriose-Fälle (0,44 pro 100.000 Einwohner) in der EU. 99,1 Prozent der Erkrankten mussten ins Spital aufgenommen werden. Es gab 191 Todesfälle (15,6 Prozent der Erkrankten). Listerien können besonders Immungeschwächten und Schwangeren gefährlich werden. 2009 waren es in der EU beispielsweise 1.675 Erkrankungen (0,37 pro 100.000 Einwohner), 2012 wurden 1.644 (0,41/100.000) registriert. In Österreich waren es 2013 laut dem Report 36 Erkrankungen (0,43/100.000). In Europa stieg die Zahl der Listeriose-Fälle jedenfalls von 2012 auf 2013 um 8,6 Prozent.

Die Ursache von Listerien-Erkrankungen liegt laut EFSA und ECDC in den meisten Fällen bei Fertigprodukten. Das traf in den vergangenen Jahren häufig auf abgepackten Fisch etc. zu. Listerien können aber auch in Rohmilchkäse und vielen anderen Produkten auftauchen. (APA, derStandard.at, 29.1.2015)

  • Listerien können in verschiedenen Käsesorten auftauchen.
    foto: apa/georg hochmuth

    Listerien können in verschiedenen Käsesorten auftauchen.

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