Finanzexpertin: "Eurozone tritt in Währungskrieg ein"

30. Jänner 2015, 05:30
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Der billige Euro verschafft Vorteile im Wettbewerb. Fondsmanagerin Crowl sieht einen Währungskrieg

Paris – Mario Draghi würde sich bestimmt freuen, hörte er Sandra Crowl reden. "Wenn die spanische Notenbank an unsere Tür klopft", sagt die Fondsmanagerin, "dann werden wir ihr unsere Spanien-Anleihen sicher verkaufen." Crowl arbeitet für den französischen Vermögensverwalter Carmignac Gestion, der unter anderem Anteile an Do & Co und Andritz hält.

Dort gehört sie zu jenen, die am Ende ein gewichtiges Wort dabei mitzureden haben, wo die vielen Milliarden an Kundengeldern hingehen. "Die Papiere der Krisenländer bringen kaum Rendite", sagt Crowl zum STANDARD. "Wenn wir sie verkaufen, können wir einen schönen Gewinn machen und das Geld dann in riskantere und lukrativere Vermögenswerte investieren."

Draghi könnte Erfolg haben

Crowl ist so etwas wie eine Marionette im Puppenspiel von EZB-Präsident Mario Draghi. Der Italiener hat angekündigt, Anleihen im Wert von über einer Billion Euro aufzukaufen, um das Geld in den Finanzmärkten wieder zum Fließen zu bringen. Die massive Nachfrage der Zentralbank hebt den Preis der Papiere. Menschen wie Crowl soll das dazubringen, ihre Strategie zu überdenken. Ihre Reaktion zeigt: Es könnte funktionieren.

Etwa elf Milliarden Euro hält Carmignac derzeit an Staatsanleihen von Spanien, Portugal, Griechenland und Irland. Man sehe sich aber nicht gedrängt, die nun alle verkaufen zu müssen, sagt Crowl. "Wir sind noch immer glücklich damit." Sie sieht das Vorgehen der Europäischen Zentralbank ingesamt positiv. Kein Wunder, denn für Leute wie Crowl fällt bei dem Ganzen ein gar nicht so kleines Körberlgeld ab. Ob auch die Realwirtschaft profitiert? Sie ist unsicher. Die Kreditvergabe dürfte jedenfalls angekurbelt, der Bankensektor stabilisiert und Aktien gepusht werden.

Globale Geldschwemme

Wo sie sich aber sicher ist: Die Eurozone tritt mit Draghis Ankündigung in einen globalen Währungskrieg ein. Gleich drei große Volkswirtschaften würden nämlich jede Menge Liquidität brauchen, um den aktuellen Tiefpunkt des Konjunkturzyklus etwas erträglicher zu machen.Der Euro hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert verloren. Das stärkt den Exportsektor der Region.

Auch Japan sei involviert, die Notenbank habe den Yen im vergangenen Jahr massiv abgewertet. In China schaue es derzeit so aus, als würde das Land den Renminbi nicht mehr weiter steigen lassen, was der eigentlichen wirtschaftlichen Stärke Chinas entspreche. In China erwarten die Carmignac-Experten eine weitere Lockerung der Geldpolitik. "Noch sind die USA aber ruhig", sagt Crowl. Es gebe noch keine Beschwerden über den starken Dollar, keinen politischen Druck, den das Land etwa über die G20 ausüben könnte.

"Es ist kein wirklicher Krieg", sagt die Fondsmanagerin dann. Das Ganze sei mehr so etwas wie ein Nebenschlachtfeld. Denn die Abwertung der Währung sei nur ein Nebeneffekt der Politik der Notenbanken, nicht ihr dezidiertes Ziel. Und: Die lockerere Geldpolitik in Europa auch im Interesse der anderen Volkswirtschaften. Denn immerhin seien amerikanische Unternehmen auch von europäischen Absatzmärkten abhängig.

Schuldenschnitt positiv

Die Situation in Griechenland sieht Crowl gelassen. "Es gibt überhaupt keine Anzeichen einer Ansteckung Italiens oder Spaniens", sagt sie. Im Gegenteil: Würde man der Forderung von Syriza nachkommen und einen Schnitt der öffentlichen Schulden von Griechenland durchführen, verbessere das die Kreditwürdigkeit des Landes. Es würde wieder besser dastehen und könnte glaubwürdig vermitteln, künftig aufgenommene Anleihen problemlos bedienen zu können. (Andreas Sator aus Paris, DER STANDARD, 30.1.2015)

Die Reise nach Paris erfolgte auf Einladung von Carmignac Gestion.

  • Im Protest gegen eine korrupte Elite werfen Menschen in Ankara mit Geld um sich. Zentralbanken zeigen seit der Krise vor, wie das geht.
    foto: reuters/bektas

    Im Protest gegen eine korrupte Elite werfen Menschen in Ankara mit Geld um sich. Zentralbanken zeigen seit der Krise vor, wie das geht.

  • Fondsmanagerin Crowl: "Wenn Spanien anklopft, verkaufen wir."
    foto: carmignac

    Fondsmanagerin Crowl: "Wenn Spanien anklopft, verkaufen wir."

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