Einigung in Wien: Für Ärzte wird ab Juli die Nacht zum Tag

29. Jänner 2015, 13:51
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Grundgehälter werden angehoben, Nachtdienste um ein Drittel reduziert

Wien - Rund elf Jahre, drei Monate und eine durchwachte Nacht nach dem Beschluss der EU-Arbeitszeitrichtlinie 2003 konnten die Verhandler in Wien Donnerstagfrüh einen Erfolg präsentieren. Da hatten sich Ärztekämmerer, sowie Vertreter von Stadt, Gewerkschaft, sowie Krankenanstaltenverbund (KAV) auf ein neues Arbeitszeit- und Gehaltsmodell für die Wiener Spitäler geeinigt.

Die Details: Um künftig die 48-Wochenstunden nicht zu überschreiten peilt Wien eine recht weitgehende Reorganisation des städtischen Krankenhausbetriebes an. Während Tagdienste in Wien bislang um 13 Uhr geendet haben, wird diese Kernarbeitszeit künftig auf die Zeit zwischen 07.00 und 19.00 Uhr ausgeweitet. Als erwünschten Effekt nennt die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ), dass es an den Nachmittagen "viel mehr ärztliche Präsenz" geben solle. Gleichzeitig will man auf diese Weise die Zahl der Nachtdienste um rund ein Drittel reduzieren. Und damit einhergehend natürlich die Kosten.

Fokus Jungärzte

In dieser Frage hat sich das Verhandlerteam auf folgende Eckpunkte geeinigt: Die Gehaltskurve soll bereits mit 1.7. 2015 abgeflacht werden - und zwar mit speziellem Augenmerk auf Jungärzte. Wehsely: "Wir haben bei der Verteilung darauf geschaut, dass diejenigen, die wir gewinnen wollen, nämlich die Jungen, mehr bekommen." Heißt in Zahlen: Ab Juli verdienen Turnusärzte zwischen 3400 und 4000 Euro brutto pro Monat, was einer Steigerung von 25 bis 29 Prozent entspricht. Zudem erhalten sie künftig fünf Tage Urlaub zur Vorbereitung auf die Facharztprüfung.

Wer bereits Facharzt ist, verdient ab Juli zwischen 5200 und 7900 Euro monatlich. Diese Gehaltsanpassung erfolgt in zwei Schritten: 70 Prozent der Gehaltserhöhung erfolgen mit 1. Juli 2015, die restlichen 30 Prozent werden erst mit 1. Jänner 2017 schlagend. Was die Ärztekammer ebenfalls als Verhandlungserfolg präsentiert sind jene 6,5 Tage, die künftig für Fortbildung reserviert sind.

Geplantes Opt-Out-Ende 2016

Der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres geht wie Wehsely davon aus, dass es mit der nun getroffenen Vereinbarung ab 2016 keine Opt-Out-Regelung (womit bei individueller Einigung zwischen Dienstgeben und Dienstnehmer die Einhaltung der EU-Arbeitszeitrichtlinie um weitere sieben Jahre verschoben werden kann) für Wien mehr braucht. Das alles sei "der Stadt Wien auch etwas wert gewesen" betont Wehsely und rechnet vor: 47 Millionen würden aus den Dienstumschichtungen kommen, weitere 19,9 Millionen schießt die Stadt Wien extra zu.

Szekeres erwartet sich im Gespräch mit dem STANDARD auch keinen großen Widerstand von Seiten der Ärzte gegen die strukturelle Neuaufstellung der Tages- und Nachtarbeitszeiten, diese seien "nicht mehr zeitgemäß" gewesen. Bis 2018 will man die Reduktion der Nachtdienste vollständig abgeschlossen haben, gleichzeitig will Szekeres den Ärztefunkdienst ausbauen und Abteilungen in der Nacht in bestimmten Spitälern bündeln.

Für die Verhandlungen mit der Belegschaft des Wiener AKH hat die am Donnerstag erzielte Einigung keine Auswirkung, hier gehen die Verhandlungen zwischen Ärztevertretern, Wissenschaftsministerium und Rektorat kommenden Montag weiter. Szekeres geht davon aus, dass man sich zumindest gehaltsmäßig an der mit dem KAV erzielten Vereinbarung orientiert, weil sonst wohl die am AKH beschäftigten Ärzte abwandern würden. (Karin Riss, DER STANDARD, 29.01.2015)

  • Licht am Ende des Tunnels: In Wien haben sich die Verhandler auf ein neues Ärzte-Arbeitszeitmodell geeinigt.
    foto: apa/helmuth fohringer

    Licht am Ende des Tunnels: In Wien haben sich die Verhandler auf ein neues Ärzte-Arbeitszeitmodell geeinigt.

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