China will Hintertüren und Source-Code – oder Importverbot

29. Jänner 2015, 09:48
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Ausländische Firmen stehen vor schwieriger Entscheidung; China kann auf Obama und Camerons Verschlüsselungsverbot verweisen

China will in den kommenden Monaten eine Fülle von neuen Gesetzen verabschieden, die nach eigener Darstellung für mehr Cybersicherheit und Schutz vor Bespitzelung durch westliche Geheimdienste sorgen sollen. Konkret verlangt China von ausländischen IT-Firmen, den Quellcode ihrer Produkte zu übermitteln. Die Regierung will weiter das Recht ausüben, sogenannte Hintertüren in Hard- und Software einzubauen, um den Datenverkehr für Cyberabwehr-Zwecke überwachen zu können. Außerdem müssen sich die Niederlassungen ausländischer Firma regelmäßig großflächigen Überprüfungen aussetzen, so die New York Times.

Angst vor Betriebsspionage

Die erste Maßnahme richtet sich dabei gegen die Bankenbranche. Bald soll die Gesetzgebung auf andere Bereiche ausgedehnt werden. Aktivisten verweisen darauf, dass China damit vor allem seine massiven Überwachungsfähigkeiten ausbauen möchte und den Einsatz chinesischer Hardware pushen könnte. Denn viele westliche Firmen haben Angst vor Betriebsspionage und glauben nicht, dass der Quellcode ausschließlich in den Händen der chinesischen Inspektoren bleibt – sondern an Konkurrenten weitergegeben wird. China ist bereits jetzt dafür berüchtigt, regelmäßig US-Konzerne zu hacken, um Baupläne und Code zu stehlen. Konzerne könnten daher überlegen, eine eigene China-Version ihrer Produkte zu entwickeln – eine kostspielige Angelegenheit.

Snowden, Verschlüsselungsverbot und Co

Allerdings ist den US-Techkonzernen in den vergangenen Monaten einiges an Argumentationskraft verloren gegangen: Die Snowden-Enthüllungen haben gezeigt, dass die NSA US-amerikanische Produkte (etwa Cisco-Router) manipuliert hat, um Daten absaugen zu können. Gleichzeitig spionierte der US-Geheimdienst den chinesischen Konzern Huawei aus. Dessen Produkte sind in den USA wiederum verboten – aus Angst vor chinesischen Hintertüren. Auch die lautstarke Forderung einiger EU-Innenminister und Regierungschefs nach einem Verschlüsselungsverbot ist für die chinesische Führungsspitze ein gefundenes Fressen: Denn auch sie argumentiert, mit Hintertüren Terroristen aufspüren zu wollen.

Zwickmühlen und Drohkulissen

Da China ein Milliardenmarkt ist, der massiv wächst, stehen westliche Unternehmen nun vor einer Zwickmühle. Allerdings ist die chinesische Drohkulisse nicht ganz so mächtig: Nach Angaben chinesischer Analysten ist die dortige IT-Industrie nämlich noch nicht in der Lage, Produkte auf dem Niveau der westlichen Konkurrenz herzustellen (weshalb ja Betriebsspionage befürchtet wird). So würde gerade der Bankensektor bei einem Importverbot vor riesigen Problemen stehen. Es dürfte also ein Kräftemessen zwischen China und den US-Konzernen werden. (fsc, derStandard.at, 29.1.2015)

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    foto: ap/ngh an guan

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