Schweiz droht Rezession nach Frankenschock

28. Jänner 2015, 17:12
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Schweizerische Wirtschaft auf Schrumpfkurs

Der Schweizer Wirtschaft droht eine Rezession wegen des Frankenschocks. Davor warnt die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Seit die Schweizer Nationalbank im Kampf gegen die Aufwertung des Frankens die Waffen streckte und den Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro nicht mehr verteidigte, stieg der Kurs der Schweizer Währung um über 15 Prozent: ein Schlag für Exportindustrie und Tourismus, die an Konkurrenzfähigkeit eingebüßt haben.

"Die Beschäftigung in diesen Sektoren dürfte zurückgehen, was in der Folge auch den Konsum und damit die gesamte Wirtschaft beeinträchtigen wird", sagte der Leiter der KOF-ETH im schweizerischen Rundfunk. Neu rechnet die KOF damit, dass das Schweizer Bruttoinlandsprodukt heuer um 0,5 Prozent zurückgeht. Für 2016 erwarten die Prognostiker ein Nullwachstum. Bisher waren für beide Jahre je zwei Prozent Wachstum erwartet worden. Die KOF sagt auch eine leicht steigende Arbeitslosigkeit voraus; diese könnte binnen Jahresfrist von vier auf fast fünf Prozent ansteigen. Für seine Prognose geht das Institut von einem Frankenkurs von einem Euro aus. Wertet der Schweizer Franken wieder etwas ab, wären die Aussichten für die Wirtschaft besser, so die KOF.

Welche Gefahr für die Wirtschaft vom Franken-Schock ausgeht, zeigt eine Maßnahme des Wirtschaftsministeriums: Die staatliche Arbeitslosenversicherung wurde angewiesen, Anträge auf Kurzarbeit zu genehmigen, wenn Unternehmen wegen des Wechselkurses in Schwierigkeiten geraten. Bleiben Aufträge weg, können Betriebe ihre Angestellten tageweise nach Hause schicken und das Arbeitsamt zahlt die Lohndifferenz. Diese Maßnahme hatte sich schon bewährt, als der Euro zwischen 2009 und 2011 von 1,60 auf 1,20 CHF gesunken war.

"Die Beschäftigten sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Mit der Kurzarbeit nehmen wir Druck weg von den Unternehmen", so Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Ein Allheilmittel ist dies freilich nicht: Müssten sich die Unternehmen dauerhaft auf eine Wechselkursparität von Euro und Franken einstellen, dann werde dies Stellen kosten, befürchten Arbeitgeber und Gewerkschaften. (Klaus Bonanomi aus Bern, DER STANDARD, 29.1.2015)

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