Nigeria wusste von drohendem Boko-Haram-Angriff

28. Jänner 2015, 23:23
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Amnesty: Streitkräfte schützten trotz Warnungen die Zivilbevölkerung nicht ausreichend

Abuja - Die nigerianischen Streitkräfte haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International trotz Warnungen die Zivilbevölkerung nicht ausreichend vor islamistischen Angriffen geschützt.

Soldaten vor Ort hätten mehrfach vor einem baldigen Großangriff der sunnitischen Terrormiliz Boko Haram auf die Städte Baga und Monguno im Nordosten des Landes gewarnt und Verstärkung angefordert, berichtete Amnesty am Mittwoch unter Berufung auf einen ranghohen Militärvertreter. Bei den Angriffen von Boko Haram starben allein in den vergangenen Wochen Hunderte Menschen.

Berichte ignoriert

Die Militärführung in der Hauptstadt Abuja habe die Hilferufe und Berichte über eine zunehmende Präsenz von Boko-Haram-Kämpfern vor den Angriffen ignoriert, zitierte Amnesty den Militärvertreter. Der Afrika-Direktor der Organisation, Netsanet Belay, sagte, das Versagen der Militärführung müsse ein Weckruf sein, mehr für den Schutz Hunderttausender Zivilisten im Nordosten zu tun.

Bei Anschlägen und Angriffen von Boko Haram sind in dem westafrikanischen Land Schätzungen zufolge seit 2009 mehr als 15.000 Menschen getötet worden. Die Gruppe will in der Region einen sogenannten islamischen Gottesstaat gründen.

Tausende geflüchtet

Mehr als 14.000 Menschen sind nach UN-Angaben seit Jahresbeginn vor der Gewalt aus Nigeria in den benachbarten Tschad geflohen. Täglich kämen mehr als 770 Nigerianer an, teilte das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) am Mittwoch mit.

Angesichts der zunehmenden Angriffe der Islamisten im Norden Nigerias und möglicher Spannungen vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 14. Februar dürfte die Zahl der Flüchtlingen weiter steigen, erklärte die UN-Behörde. (APA, 28.1.2015)

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