Im Banne eines historischen Schlüsseljahres

28. Jänner 2015, 17:09
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Zeithistoriker Oliver Rathkolb über das österreichische "Haus der Geschichte"

Wien - Nach gut 20 Jahren scheinen die Würfel gefallen: Ein österreichisches "Haus der Geschichte" soll bereits im November 2018 am Wiener Heldenplatz Einzug halten. "Eine "einmalige Chance", urteilte Oliver Rathkolb, der den internationalen wissenschaftlichen Beirat leitet, im Gespräch mit der APA. Es soll "sicher kein braves Nationalmuseum" werden.

Dank der vielen Vorstudien und Überlegungen könne man auf einer "unglaublich breiten Basis" aufsetzen, so Rathkolb, der von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) mit der Leitung betraut wurde. Der Terminplan mit der geplanten Eröffnung 2018 sei zwar "extrem eng", dank der Vorarbeiten aber machbar. Die 100. Wiederkehr des "Schlüsseljahres" 1918 hält der Zeithistoriker für einen idealen Termin, immerhin sei es der Beginn der demokratischen und republikanischen Phase Österreichs, wenn auch bald wieder radikal unterbrochen: "Wir leben einfach in dieser jubiläengetriebenen Auseinandersetzung mit Geschichte."

Die "administrativ-organisatorische Hülle" für das Haus der Geschichte werde die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv stellen, so müssen keine neuen Strukturen geschaffen werden. Durch die Übernahme bereits bestehender Räumlichkeiten im 1. Stock des Corps de Logis der Hofburg halte sich der architektonische Aufwand in Grenzen. Für den künftigen Architekten ortet Rathkolb Herausforderungen: "Die imperialen Räume haben eine unglaubliche Deutungsmacht." Auch der Platz selbst sei historisch aufgeladen, gerade daher aber spannend zu bespielen.

Immerhin soll hier sowohl der riesige Vielvölkerstaat der Habsburgermonarchie als auch Österreich mit seinen acht Millionen Einwohnern im Komplex der Europäischen Union Platz finden. "Es soll ein Museum im 21. Jahrhundert sein, das den langen Weg in die Demokratie thematisiert", so der Leiter des Beirats. "Es wird keine politische Farbenlehre geben", unterstrich Rathkolb, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Wien. Das Jahr 1848 mit seiner gescheiter- ten bürgerlich-demokratischen Revolution sei dabei ein optimaler Ausgangspunkt: "Das ist ein völlig verschütteter Erinnerungsort."

Dabei sollen auch neue Zugänge Platz finden, etwa die Migrationsgeschichte Österreichs, bei der sich Vergleichsmöglichkeiten zwischen Wien im 19. Jahrhundert und der Gegenwart ergeben würden. (APA, red, DER STANDARD, 29.1.2015)

  • Oliver Rathkolb ortet Chancen der Vermittlung.
    foto: cremer

    Oliver Rathkolb ortet Chancen der Vermittlung.

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