Hollywood statt Vöcklabruck

29. Jänner 2015, 07:08
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Die Geschichte von Katja Eiblmayr klingt eigentlich so unwirklich, als wäre es der Plot eines Hollywoodstreifens

Wie heißt es so treffend in der österreichischen Bundeshymne: "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk begnadet für das Schöne." Nicht immer ist einem das gewärtig, fährt man des Morgens offenen Auges in Vindobonas Grottenbahn, landläufig bekannt als U-Bahn. Traumhaft im Sinne der Erfüllung des "American Dream" erscheint hingegen eine der jüngsten Geschichten der Kosmetikbranche.

Nach dem plötzlichen frühen Tod ihres Vaters war Katja Eiblmayr auf der "Suche nach dem Sinn des Lebens". Sie interessierte sich für Zen-Buddhismus und schrieb sich im Urlaub für einen Sommerkurs an der kalifornischen UCLA ein. Aus den geplanten "großen Ferien" vor dem Studium wurden bislang 15 höchst erfolgreiche Jahre. Eiblmayr blieb allen Ratschlägen zum Trotz in Los Angeles.

Wachsen am Widerstand

Das Belächeltwerden und die Skepsis vonseiten anderer bestärkten sie. Sie lancierte eine Kosmetiklinie namens "L.A. Star Greens", entsprechend dem Trend, von innen natürlich schön zu werden, von innen schön zu sein. Ein Konzept, das auf fruchtbaren Boden fällt, in Hollywood und New York. Denn wie sang schon Frank Sinatra? – "If you can make it there, you can make it anywhere ..."

...Aber machen wir kurz einen Schritt zurück. Im Sommer 2000 hatte Katja Eiblmayr an der UCLA einen Kurs in japanischer Kunstgeschichte inskribiert. Nach der ersten Woche ihres Aufenthalts informierte sie ihre Mutter telefonisch, dass sie für immer bleiben wolle. Allerdings noch ohne konkrete Vorstellungen, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen werde.

Ohne Greencard war der Aufenthalt schwierig. Sie durfte weder eine Kreditkarte beantragen, eine Wohnung mieten noch ein Handy anmelden. Sie lebte in Untermiete bei einer Freundin und verdiente sich, neben dem Studium, mit Gelegenheitsjobs Miete und Co. Nach zweijährigem Aufenthalt konnte sie eine Greencard beantragen, die ihr erst nach weiteren vier Jahren genehmigt wurde.

Endlich: Die Greencard

In dieser Zeit durfte sie die USA nicht verlassen, aber auch nicht für eine US-Firma arbeiten. Jobs beim deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel und beim Kölner Taschen-Verlag folgten.

Mit dem Erhalt der Greencard erfüllte sich Eiblmayr den Traum der Selbstständigkeit, denn "von klein auf" war ihr klar, "dass ich einmal mein eigener Chef sein will". Durch eine Freundin lernte Eiblmayr ein Kosmetikprodukt kennen, das in den USA einzigartig war und das es zudem in Europa nicht gab.

Der Export dieses Prototyps des Lip-Volumizers scheiterte zunächst aber daran, dass er toxische Stoffe enthielt. So beschloss Eiblmayr, selbst zu experimentieren, zu forschen – und erfand mit ihrem Team aus Pharmazeuten den "L.A. Star-Lip Volumizer", ein Lipgloss, das "die Lippen rosig färbt, deren natürliche Form betont und aufgrund der hochwertigen organischen Inhaltsstoffe wie Greentea, Vitamin A und E, Traubenkernöl, Avocadoöl und Vanille den Stress mildert und den Appetit hemmt". Nachhaltig und biozertifiziert Schon kurz nach dem Launch der Marke, 2007, war "L.A. Star Cosmetics" erfolgreich.

Netzwerk aus Celebrities

Vor allem Celebrities aus Hollywood wie Cameron Diaz, Nicole Kidman, Jennifer Lopez oder Beyoncé sowie Cordula Reyer, die auf die Formel aus rein natürlichen Inhaltsstoffen ohne chemische Konservierungsstoffe setzen, erweiterten das notwendige, geschickt gewobene Netzwerk. Aufgrund der Erkenntnis, dass die zeitgeistig oft ersehnte Schönheit nicht durch Kosmetika entsteht, ging Eiblmayr einen Schritt weiter und entwickelte im Sinne der Nachhaltigkeit ein Nahrungsergänzungsmittel auf rein pflanzlicher Basis. In Bezug auf biozertifizierte Produkte ist Eiblmayr (nicht nur) in den USA als Pionierin zu bezeichnen.

Um hohe Qualitätsstandards zu garantieren, bezieht sie die Rohstoffe ihrer Produkte aus Europa. Mittlerweile wurde Eiblmayrs erste Erfindung, der "Lip Volumizer" mit dem "Beauty Innovation Award" ausgezeichnet. Ihre neueste Erfindung "L.A. Star Greens Perfect 10", das "Schönheit durch vegane Ernährung" verspricht, ist ab Frühling 2015 sogar bei Neiman Marcus und bei Whole Foods in den USA erhältlich. Ein transkontinentaler Erfolg, der die gebürtige Oberösterreicherin zu Recht mit Stolz erfüllt.

Österreich in der Kosmetikwelt

Als Selfmade-Woman mit unvollendetem Studium ist die Managerin des global agierenden Unternehmens zweifellos eine bemerkenswerte Ausnahmeerscheinung. Wobei Eiblmayr nicht die erste und einzige Österreicherin ist, die in der Kosmetikwelt reüssiert. Estée Lauder, die Gründerin und Namensgeberin des renommiertesten Kosmetikkonzerns der USA in der Neuzeit, hat ihre Wurzeln im Österreich der Habsburgermonarchie. Ronald Lauder bekannte einst, als er den Posten als US-Botschafter in Wien antrat, dass seine Vorfahren zu gleichen Teilen aus Prag, Budapest und Agram stammten – "also beste k. u. k. Melange". Seine Mutter, die anfangs in einer kleinen Küche in New York selbst Cremes für Hausfrauenpartys, vergleichbar mit späteren Tupperware-Partys, produzierte, begeisterte bald Stars wie Grace Kelly oder die Herzogin von Windsor. Der Rest ist Geschichte.

1998 wurde die 2004 Verstorbene vom Time Magazine unter die 20 einflussreichsten Geschäftsleute des 20. Jahrhunderts gewählt.Eine weitere Proponentin der global vernetzten Kosmetikwelt, wenngleich hinter den Kulissen agierend, stellt die Wienerin Heidi Morawetz dar. Anfang der 1970er-Jahre wurde Modefotograf Guy Bourdin, den sie nach Absolvierung der Modeschule Hetzendorf in Paris bei einem Praktikum kennengelernt hatte, auf sie aufmerksam. Er engagierte die Zeichnerin als Visagistin. Für Yves Saint Laurent kreierte sie 1978 ihre erste Make-up-Linie, dann wechselte sie zu Chanel. Drei Jahrzehnte prägte sie mit Karl Lagerfeld und Make-up-Artist Dominique Moncoutois die Optik, "le visage du monde", das Antlitz der Welt.

Schließlich darf man Klaus Heidegger nicht vergessen, der nach seiner Zeit als Skiprofi in die USA ausgewandert ist, in New York in der Apotheke seines Schwiegervaters experimentierte und seine eigene Marke lancierte. 1989 hatte er das Geschäft übernommen, entwickelte, investierte und formte aus "Kiehl’s" ein weltweit operatives Unternehmen, das bis zum Jahr 2000 auf 400 Entwickler und 1200 über den Globus verstreute Filialen angewachsen war. Ende 2000 verkaufte Heidegger an den französischen Konzern L’Oreal.

Offene Amis

Das Vorurteil, dass man als Jungunternehmerin in den USA auf allzu viele Hindernisse stößt, entkräftet Eiblmayr in Gesprächen und Interviews immer und immer wieder.

Amerikaner seien viel offener und viel geschäftstüchtiger als Europäer. "Wenn du eine gute Idee hast, ist es egal, wie alt du bist, wie du aussiehst und welches Geschlecht du hast. Da hat man es in Österreich schwerer. Niemand, nicht einmal meine Familie, hat daran geglaubt, dass ich Erfolg haben werde."An Österreich vermisse die heute 34-Jährige eigentlich nur die Kardinalschnitten aus dem Café Auerhahn in Vöcklabruck, bekannte Eiblmayr in einem Interview anlässlich eines ihr verliehenen "Leading Ladies Award" 2012. Schlank und schön, gepflegt und elegant ist sie selbst eigentlich das ideale Testimonial ihrer Produkte. Ruhe und Frieden verbindet sie mit ihrem Heimatort. Ihr Lieblingsort ist dennoch der Strand von Malibu.

Aus dem Nest springen

Ihre Adresse, Sunset Boulevard in Westhollywood, mit Nachbarn wie Sting, Usher und Robbie Williams lässt oft Neid aufkommen. Den aber trägt sie mit Gleichmut, gemäß ihrem Motto: "Happiness is the best measure for success."Auf und davon ... tour-retour. Entgegen der üblichen Mentalität selbstzufriedener Saturiertheit entschied sich Eiblmayr, mutig zu sein. "Manche Menschen bauen sich gerne ein sicheres Nest. Ich gehöre zu jenen, die absichtlich aus dem Nest springen, um fliegen zu lernen. Meine größte Angst ist es, am Ende meiner Tage meine Träume nicht umgesetzt zu haben." Das aber ist nicht zu befürchten. Ist sie doch der lebendige Beweis des "American Dream". (derStandard.at, 29.01.2015)

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