Niemand jagt die Bayern, viele wollen in die Champions League

28. Jänner 2015, 14:03
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Für die deutsche Bundesliga beginnt das Frühjahr - Wolfsburg vs. Bayern und Leverkusen vs. BVB zum Auftakt - ÖFB-Legionäre sind eher in Abstiegskampf verwickelt

Wenn am Freitag mit dem VfL Wolfsburg der Tabellenzweite gegen den Tabellenführer FC Bayern antritt, um die Frühjahrssaison der deutschen Bundesliga zu eröffnen, ist der Kampf um den Titel wohl nicht mehr das Thema. Mit elf Punkten hat die übermächtige Truppe von Pep Guardiola bereits einen stattlichen Vorsprung herausgespielt. Wolfsburg seinerseits hat sechs Punkte Vorspung auf den nächsten Verfolger. Diesen Polster zu verteidigen, ist die primäre Mission für die Wölfe.

Gelingt das nicht, muss sich auch Wolfsburg mit der großen Konkurrenz in der zweiten Reihe auseinandersetzen. Ab Roger Schmidts Bayer Leverkusen tobt ein harter Kampf um die Champions League-Startplätze. Zwischen den Dritten (Bayer) und den Neunten (Frankfurt) der Liga haben sich neben Gladbach, Schalke, Augsburg, Hoffenheim und Hannover vor allem lediglich fünf Punkte Abstand gepresst.

Dortmund und der Blick nach oben

Leverkusen hat zu den Bayern mehr Distanz (17 Punkte) als zum Tabellenende (13 Punkte), Das ist besonders für Borussia Dortmund interessant, das den Abstand im direkten Duell gleich einmal verringern könnte. Der abgestürzte Ex-Titelkandidat liegt bekanntlich punktegleich mit Freiburg am Schluss des Feldes. Die zwölf Punkte Rückstand auf Platz vier und damit die Champions League-Qualifikation wären für die Schwarzgelben der vergangenen Saisonen zwar kein Ding der Unmöglichkeit, von denen war im Herbst aber wenig zu sehen. In erster Linie will und muss man sich gegen den Abstieg stemmen.

Die Konkurrenz dabei ist namhaft, stecken mit Werder Bremen, VfB Stuttgart und HSV doch andere Großklubs ebenfalls im Keller fest. Paderborn, Peter Stögers Kölner, Mainz, Hertha BSC und natürlich Freiburg sind andere Kandidaten. Keines dieser Teams ist mehr als vier Punkte vom Fixabstieg entfernt.

Alaba noch nicht voll fit

Die Bayern bleiben aber auch als unangefochtener Dominator sportlich im Gespräch. Trainer Guardiola hat noch eineinhalb Jahre Vertrag, will sich auf seine Zukunft danach noch nicht festlegen. Heimatclub Barcelona könnte den Katalanen in verschiedenste Positionen zurücklotsen. Bayern möchte mit einer Verlängerung aber ohnehin auch bis zum Herbst warten. Davor gilt es neben der obligatorisch scheinenden Titelverteidigung noch Pokal und Champions League zu holen. Laut einer von der dpa in Auftrag gegebenen Umfrage erwarten 39 Prozent der Deutschen, dass die Bayern das Triple holen.

ÖFB-Star David Alaba kehrte zur Unterstützung bei der Erfüllung dieser Mission im Jänner nach überstandener Knieverletzung ins Mannschaftstraining zurück. Guardiola: "Er ist einer der wichtigsten Spieler für Bayern München". Die Partie in Wolfsburg dürfte aber zu früh für einen Platz in der Startelf kommen.

Viele Legionäre, viele Krisen

Andere ÖFB-Legionäre haben andere Sorgen. Schlüsselspieler Zlatko Junuzovic hat sein Engagement im Abstiegskampf beim finanziell angeschlagenen und deshalb kaum verstärkten Bremen bis zum Sommer außer Frage gestellt. Danach ist es ebenso ungewiss, wie beim rekonvaleszenten Teamkollegen Sebastian Prödl, der nach seinem Innenbandriss demnächst wieder ins Training einsteigen will. Gegen die Hertha wird er noch nicht zum Einsatz kommen, ein Sieg ist an der Weser aber gleich einmal Pflicht für Werder, das mit beiden Österreichern verlängern will.

Tabellen-Nachbar Stuttgart und die dortigen ÖFB-Legionäre Martin Harnik und Florian Klein schwitzten in der Vorbereitung unter einem neuen Fitness-Regime bei Huub Stevens ebenfalls gegen den Abstieg. Beide gehören zum Stamm, der auch bei den Schwaben ohne Neuzugänge auskommen muss. Mit Mönchengladbach kommt gleich zum Auftakt ein harter Test für die Wirksamkeit der Strategie. Martin Stranzl will zwar mit dem ÖFB-Team seit längerem nichts mehr zu tun haben, hat als tragende Kraft bei den Borussen aber bis 2016 verlängert.

Kevin Wimmer gastiert mit Köln beim HSV. Trainer Stöger setzte den 22-jährigen im Herbst in jeder Runde ein und dürfte daran angesichts der immer wieder schwächelnden internen Konkrrenz in naher Zukunft auch nichts ändern.

Vertragsfragen

Mainz will dem Abstiegsgespenst ebenfalls schnellstmöglich entkommen. Neben einem Auftaktsieg gegen Paderborn ist dafür auch eine Rückkehr des lange verletzten Julian Baumgartlinger wichtig. Er konnte in den vergangenen Wochen wieder voll trainieren. Mit dem Österreicher hat das Team erst ein Spiel verloren. Desalb will man auch den Vertrag verlängern, der im Sommer ausläuft. Baumgartlinger dürfte nach mehreren starken Saisonen als Sechser aber Optionen haben - ein Wechsel wurde zuletzt nicht ausgeschlossen.

Die Zukunft von Christian Fuchs bei Schalke über den Sommer hinaus steht wieder einmal in Zweifel, obwohl er beim Tabellen-Fünften im Herbst wieder sehr regelmäßig gespielt hat. Die Königsblauen empfangen Hannover 96. Alex Manninger möchte der älteste Bundesliga-Spieler bleiben und seinen auslaufenden Vertrag verlängern, Augsburg hat sich diesbezüglich noch nicht bewegt und hat gegen Hoffenheim am Wochenende ein wichtiges Duell vor sich.

Für Philipp Zulechner (zur Austria), Raphael Holzhauser (Austria) und Richard Strebinger (Regensburg) ist das Abenteuer deutsche Bundesliga vorerst vorbei. (tsc, derStandard.at, 28.1.2015)

  • Bevor er sich der "Should I stay or should I go?"-Frage widmet, muss Pep Guardiola mit den Bayern erst vermeiden, vor dem Saisonfinale einzuschlafen.
    foto: apa

    Bevor er sich der "Should I stay or should I go?"-Frage widmet, muss Pep Guardiola mit den Bayern erst vermeiden, vor dem Saisonfinale einzuschlafen.

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