Kampagne für mehr Opferschutz im Krankenhaus

28. Jänner 2015, 11:05
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Viele Opfer von Gewalt wenden sich an Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Kampagne "Gewaltfrei leben" soll das Personal darauf sensibilisieren

Ein neues Projekt in mehreren Wiener Krankenhäusern soll Opfern familiärer Gewalt wirkungsvoll helfen, nicht nur ihre körperlichen Verletzungen zu behandeln, sondern sie auch zu beraten und an Opferschutzeinrichtungen zu vermitteln. Im Rahmen von "Gewaltfrei leben durch mein Krankenhaus" werden bisherige Maßnahmen gestärkt und Schulungen für Gesundheitsfachkräfte durchgeführt.

Das Projekt wird vom Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien, dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, dem Hanusch-Krankenhaus und der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie gemeinsam durchgeführt.

Jede dritte Frau betroffen

Laut einer Studie der EU-Grundrechteagentur ist jede dritte Frau in der EU seit ihrem 15. Lebensjahr von Gewalt betroffen. Viele Opfer scheuen sich, das Problem öffentlich zu machen und nur ein Drittel zeigt den schwersten Vorfall an oder vertraut sich einer Einrichtung an.

Wenn Opfer Hilfe suchen, wenden sie sich am häufigsten an Einrichtungen des Gesundheitswesens. Krankenanstalten sind somit eine zentrale Anlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen. Über die Ursachen von Verletzungen sprechen jedoch nur wenige.

Das sensible Ansprechen eines Verdachtes durch Gesundheitsfachkräfte ist daher Voraussetzung für eine adäquate Behandlung und Weitervermittlung an Opferschutzeinrichtungen. Die Studie der EU Grundrechtsagentur zeigt, dass 87 Prozent der befragten Frauen es in Ordnung finden, wenn Fachkräfte im Gesundheitsbereich das Problem von sich aus ansprechen.

Krankenanstalten aktiv im Opferschutz

Rosa Logar und Elisabeth Gruber von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, die das EU Projekt koordinieren, zeigen sich erfreut über die Kooperation: "Nur durch die enge Zusammenarbeit von Krankenhaus und Opferschutzeinrichtungen kann es uns gelingen, Opfern familiärer Gewalt besser zu helfen und ihr Leid früher zu erkennen. Das ist besonders wichtig, wenn Kinder von Gewalt betroffen sind."

Die Kampagne "Gewaltfrei leben" wird vom Bundesministerium für Bildung und Frauen aus Mitteln der Europäischen Union finanziert und vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser in Zusammenarbeit mit der Bundesjugendvertretung und der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie im Zeitraum 2014 bis Ende 2015 durchgeführt. (red, derStandard.at, 28.1.2015)

Infos

Broschüre "Gewaltfrei leben durch mein Krankenhaus"

Frauenhelpline gegen Gewalt:

Tel. 0800 225 555

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