Athen will tausende Ex-Beamte zurückholen

28. Jänner 2015, 10:34
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Viele der entlassenen Staatsdiener sollen zurück in ihren Job, derweil fehlen im Budget Milliarden an Steuereinnahmen, Athens Börse bricht ein

Athen – Die neue griechische Regierung unter dem linken Regierungschef Alexis Tsipras will tausende im Zuge der Sparmaßnahmen entlassene Staatsbedienstete wieder einstellen. Das teilte der stellvertretende Verwaltungsreformminister Giorgos Katrougalos am Mittwoch im griechischen Fernsehen mit.

Die Maßnahme sei ein Wahlversprechen des Linksbündnisses Syriza. "Wir werden sie (die Entlassungen) rückgängig machen", sagte Katrougalos. Wie viele ehemalige Staatsbedienstete wieder eingestellt werden sollen, blieb zunächst unklar. Allein 2014 waren 9.500 entlassen worden.

Die Regierung startet allerdings mit einem Milliardenloch im Budget. In der offensichtlichen Hoffnung auf Steuersenkungen nach einem Syriza-Sieg hätten viele Griechen in den vergangenen zwei Monaten ihre Steuern nicht gezahlt, soweit das möglich gewesen sei, bestätigte ein Mitarbeiter des griechischen Finanzministeriums. Demnach fehlten vier Milliarden Euro. Die Lage ist nach Angaben aus dem Finanzministerium eines der wichtigsten Probleme, mit denen sich die neue Regierung in den kommenden Wochen beschäftigen muss.

Deutschland lehnt Schuldenschnitt ab

Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich unterdessen gegen einen neuen Schuldenerlass für Griechenland ausgesprochen. "Ich kann mir keinen Schuldenschnitt vorstellen", sagte Gabriel am Mittwoch in Berlin.

Er sei zwar für offene Gespräche mit der neu gewählten Regierung in Athen. Es sei aber auch Fairness gegenüber den anderen EU-Staaten geboten, die mit zusammen 278 Mrd. Euro "einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung Griechenlands geleistet haben", sagte Gabriel mit Blick auf die Rettungspakete für den hochverschuldeten Staat. Griechenland könne seine Verpflichtungen nicht auf andere Staaten abwälzen. "Das kann ich keinem deutschen Arbeitnehmer, keiner deutschen Arbeitnehmerin erklären."

Privatisierungsstopp schlägt Anleger in die Flucht

Der Stopp geplanter Privatisierungen in Griechenland hat auch Auswirkungen auf die Investoren. Der griechische Aktienindex ist auf den tiefsten Stand seit knapp zweieinhalb Jahren gesunken. Im Gegenzug sind die Renditen der Staatsanleihen um über zehn Prozent gestiegen.

Tsipras hat die Hoffnungen der Börsianer auf einen Einstieg privater Investoren beim Energiekonzern PPC zerschlagen. Bereits zuvor hatte er den geplanten Verkauf des Hafens von Piräus auf Eis gelegt.

Börse bricht ein

In der Folge zogen Anleger am Mittwoch erneut Gelder ab: Der griechische Aktienindex fiel um rund vier Prozent auf 753 Punkte, nachdem er bereits am Dienstag 3,7 Prozent abgegeben hatte. Der Bankenindex rutschte um 10,7 Prozent auf ein Rekordtief.

Auch Staatsanleihen des Landes standen auf den Verkaufszetteln: Die Renditen der zehnjährigen Titel stiegen im Gegenzug um 50 Basispunkte auf 10,3 Prozent. Die dreijährigen Papiere kletterten um 183 Basispunkte auf ein Dreiwochenhoch von 16,03 Prozent. (APA, 28.1.2015)

  • Die bei der Parlamentswahl siegreiche Syriza will ihr Wahlversprechen einlösen.
    foto: ap/lefteris pitarakis

    Die bei der Parlamentswahl siegreiche Syriza will ihr Wahlversprechen einlösen.

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