Oberrabbiner Rosen: Aus für Abdullah-Zentrum durch Österreich wäre "dumm"

28. Jänner 2015, 07:34
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Boardmitglied: "Dieses Match wird mit einem Eigentor enden" – "Bandion-Posten wurde von Österreich gefordert"

Wien/Riad – Mitten in der Debatte über eine Schließung des König-Abdullah-Zentrums (KAICIID) in Wien hat sich Oberrabbiner und Boardmitglied David Rosen mit einer harschen Kritik an der österreichischen Politik zu Wort gemeldet. Das Zentrum jetzt zu schließen wäre "dumm" von Österreich, sagte Rosen. Er finde einige "befremdliche Aspekte" in der aktuellen Debatte, denn Österreich habe "damals bei der Gründung des Dialogzentrums genau gewusst, wie es um die Menschenrechtslage von Saudi-Arabien bestellt ist. Trotzdem wollte man Teil des Projektes sein. Wenn Teile der österreichischen Politik jetzt diese Kampagne starten, dann ist das wie in einem politischen Fußballmatch und das KAICIID dient als Ball, um innenpolitisches Kapital zu schlagen. Doch da macht man sich lächerlich, denn wenn die Debatte so geführt wird, gibt es zwangsläufig ein Eigentor."

Auch der Verweis auf die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien sei zu hinterfragen, sagt Rosen. Denn als das Zentrum Ende 2012 gegründet wurde, sei die Menschenrechtslage noch viel schlimmer gewesen als heute. Auch wenn er persönlich die Bestrafung des Bloggers Raif Badawi auf das Schärfste verurteile, sei es nicht Aufgabe des Zentrums, explizit Länder zu verurteilen: "Wir als KAICIID haben eine andere Aufgabe, nämlich die Förderung des Dialogs. Genauso erwartet niemand vom europäischen Verband der Philharmoniker, sich zu Menschenrechtsfragen zu äußern."

Bandions Posten "war gar nicht vorgesehen"

Zum Rücktritt von Vizegeneralsekretärin Claudia Bandion-Ortner stellte Rosen klar, dass ihr Posten im Gründungsdokument gar nicht vorgesehen gewesen und erst von Österreich urgiert worden sei: "Das war der ausdrückliche Wunsch Österreichs."

Des Weiteren habe Österreich es auch abgelehnt, neben Saudi-Arabien einen finanziellen Beitrag für das Zentrum zu leisten: "Sie bekamen nur die Antwort, dass Österreich ohnehin als Standort zur Verfügung stehe und dem Institut Steuererleichterungen und den Status gewähre." (APA, 28.1.2015)

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