Investitionen als russisches Roulette

27. Jänner 2015, 19:25
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S&P stuft Russlands Bonität auf Ramschniveau ein, der Kreml nennt die Einschätzung politisch motiviert. Experten sehen die Gefahren für Russlands Wirtschaft wachsen. Im Bankensektor knirscht es gewaltig

Auf BB+ hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Russlands abgestuft. Damit gelten Anleihen als spekulativ, was zu einem weiteren Exodus konventioneller Anleger und Fonds aus russischen Papieren führt. Begründung: Die russische Zentralbank gerate in ihrer Geldpolitik zunehmend unter Druck und verliere damit an Flexibilität. Die Ratingagentur erwartet in den nächsten drei Jahren ein Wachstum von gerade mal 0,5 Prozent jährlich, dafür heuer eine Inflation von über zehn Prozent.

Überraschend ist der Schritt nicht, schließlich haben jüngst bereits die Konkurrenten von S&P, Fitch und Moody's, Russlands Kreditrating gesenkt. Zwar bewerteten diese Russlands Bonität noch mit einer Stufe über dem Ramschniveau, doch alle drei Ratingagenturen sind sich einig: Der Ausblick ist negativ.

"Übertrieben pessimistisch"

Auch in Russland war die Abwertung erwartet worden. Finanzminister Anton Siluanow kritisierte die Einschätzung trotzdem als "übertrieben pessimistisch". Die starken Seiten der russischen Volkswirtschaft, darunter die hohen Währungsreserven, seien nicht beachtet worden, sagte er. Zudem verwies der Finanzminister auf den von der Regierung entworfenen "Antikrisenplan", der Ausgaben von umgerechnet 18 Milliarden Euro für die Konjunkturbelebung und Diversifizierung der Wirtschaft vorsieht.

Premier Dmitri Medwedew nannte die Abstufung ein "politisches Instrument" zur Schwächung Russlands. Vize-Außenminister Wassili Nebensia sprach von einem "direkten Befehl aus Washington". Die Zahlungsunfähigkeit des Landes schließt der Kreml aus.

Probleme im Finanzsektor

Experten sind allerdings pessimistisch: "In nächster Zeit erwarten uns forcierte Ausverkäufe", warnte der Russlandanalyst von Merril Lynch Wladimir Osakowski. Ein weiterer Verfall des Rubels plus hohe Inflation werden erwartet. Die begonnenen restriktiven Maßnahmen der Regierung - unter anderem die Preiskontrolle in Geschäften durch die Staatsanwaltschaft - gelten als ineffizient.

Auch das Hilfspaket für den Bankensektor, knapp elf Milliarden Euro, steht in der Kritik. Die Bankenvereinigung forderte andere Kriterien für die Vergabe, da so allein Großbanken mit einem Eigenkapital von umgerechnet 330 Millionen Euro profitierten. Das sind gerade einmal 27 Banken von insgesamt knapp 1000 in Russland. Bereits am Montag stellte die "Sudostroitelny Bank", einer der 20 größten russischen Akteure auf dem Interbankenmarkt, sämtliche Zahlungen ein, woraufhin die Zentralbank sie aus dem elektronischen Zahlungssystem ausschloss. Tausende Anleger bangen um ihre Ersparnisse.

Schneeballeffekt

Es droht ein Schneeballeffekt: Laut dem "Zentrum für makroökonomische Analysen und kurzfristige Prognosen" könnten mehr als 200 Banken das laufende Jahr nicht überleben. Um den Ausfall fauler Kredite zu überbrücken, bräuchten sie mindestens 16 Milliarden Euro. Ein massenhafter Lizenzentzug bedroht die Liquidität der Finanzbehörden. Die meisten Banken sind im Einlagensicherungssystem. Anleger werden Milliarden einfordern. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 28.1.2015)

  • Frostige Zeiten - nicht nur für Russlands Banken.
    foto: reuters / sergei karpukhin

    Frostige Zeiten - nicht nur für Russlands Banken.

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