Flughafen Wien montiert Manager ab

27. Jänner 2015, 19:07
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Der Chef des Flughafens Malta, in dem der Flughafen Wien das Sagen hat, wurde abberufen, in Wien ein Manager wegen "schwerer Verfehlungen" entlassen

Wien - Der Flughafen Malta, in dem die 33-Prozent-Mutter Flughafen Wien AG das Sagen hat, hat seit voriger Woche einen neuen (interimistischen) Geschäftsführer. Der bisherige, der Österreicher Markus Klaushofer, hat vorzeitig seinen Hut genommen. Genauer gesagt hat der Aufsichtsrat der Gesellschaft still, leise und einstimmig die Ablöse Klaushofers beschlossen.

Der Vertrag Klaushofers, der die Flughafen-Wien-Tochter seit 2011 geleitet hat, wäre noch bis Juni 2017 gelaufen. Der Grund für die Ablöse, so ein Flughafen-Wien-Sprecher auf Anfrage des Standard knapp: "Vertrauensverlust."

Keine Angaben zu Hintergründen

Hintergründe werden nicht erläutert, auch auf die Frage, ob der Vertrag ausbezahlt wird, gibt es keine Antwort.

Klaushofer hat in Malta Julian Jäger beerbt. Jäger ist damals in den Vorstand der Flughafen Wien AG (FWAG) gewechselt, ebenso wie Günther Ofner. Jäger wird der SPÖ zugerechnet, Ofner der ÖVP. An der börsennotierten Flughafen Wien AG sind zu je 20 Prozent indirekt die Stadt Wien und das Land Niederösterreich, australische Investoren halten 29,9 Prozent. Gerüchtehalber verlautet aus der Flughafen AG, dass die Eigentümer dem Ex-Malta-Chef Illoyalität gegenüber dem Vorstand in Wien vorwerfen.

Um schlechte Performance, wie es in anderen Gerüchten heißt, dürfte es eher nicht gehen. Aus dem FWAG-Geschäftsbericht 2013: "Der Ergebnisbeitrag dieser, unserer wichtigsten Beteiligung, erhöhte sich markant um 20,4 Prozent auf fünf Millionen Euro." Klaushofer war nicht zu erreichen.

Auch in Wien hat Vertrauensverlust oder Ähnliches einen langjährigen Manager den Job gekostet. Der seit 1985 in der Flughafen AG tätige Leiter einer Technikgesellschaft und Sohn eines Exministers (SPÖ) wurde schon Mitte November entlassen. Ihm werden laut Flughafen-Sprecher "schwere dienstliche Verfehlungen" vorgeworfen. Kündigen könnte man den Techniker nicht: Gemäß Flughafen-Betriebsvereinbarung von 1981 sind langjährige Angestellte kündigungsgeschützt. Details zu den Entlassungsgründen gibt der Flughafen nicht preis. Der Betroffene weist die Vorwürfe zurück, sie hätten "weder Hand noch Fuß". Er habe vorige Woche Klage gegen die Entlassung eingebracht.

Staatsanwalt ermittelt

Mit dem Strafverfahren, das die Staatsanwaltschaft Korneuburg rund um die Beschäftigung von Leiharbeitsfirmen in einer Flughafen-Tochter führt, hat der Rauswurf nichts zu tun. Es geht um den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei der Verrechnung von Leiharbeiterkosten (Untreue) und um den Vorwurf großangelegten Kupferdiebstahls. Die Zahl der Beschuldigten hat es in sich: 57. (Renate Graber, DER STANDARD, 28.1.2015)

  • Personalprobleme am Flughafen Wien: Die Tochter in Malta bekommt einen neuen Chef, der bisherige wurde wegen "Vertrauensverlusts" abgesetzt. Der Chef einer Techniktochter wurde entlassen.
    foto: dpa/punz

    Personalprobleme am Flughafen Wien: Die Tochter in Malta bekommt einen neuen Chef, der bisherige wurde wegen "Vertrauensverlusts" abgesetzt. Der Chef einer Techniktochter wurde entlassen.

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