Die besten Wissenschafter für Europa

27. Jänner 2015, 18:21
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ERC-Präsident Bourguignon fordert EU-Länder auf, Budgets nicht zu kürzen

Davos - Beim Weltwirtschaftsforum spielen die Wissenschaften eine zunehmend wichtige Rolle. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Helga Nowotny, die als Präsidentin des Europäischen Research Council (ERC) von 2010 bis 2013 dafür gesorgt hatte, dass auf den rund 300 Veranstaltungen "auch die Stimme der Wissenschaften zu vernehmen" war. Und zwar auch die der europäischen, denn die US-Universität MIT ist seit Jahren stark vertreten. Insgesamt nahmen am vergangenen Davoser Treffen elf vom ERC unterstützte Wissenschafter teil, darunter die Nobelpreisträger Christopher Pissarides (Wirtschaft) und Konstantin Novoselov (Physik).

Heuer nutzten der EU-Forschungskommissar Carlos Moedas und der nunmehrige ERC-Präsident, Jean-Pierre Bourguignon, die Gelegenheit, in Davos dafür zu werben, dass Wissenschafter in Europa bleiben oder hierher kommen. "Wir müssen die besten Wissenschafter überzeugen", sagte Bourguignon. Beide verwiesen auf das EU-Programm Horizon 2020, das von 2014 bis 2020 insgesamt 13 Milliarden Euro vergeben wird. "Dieses Budget ist größer als jedes vergleichbare weltweit", betonte Moedas. Forschung sei wichtig für Europa, auch zur Hebung der Wettbewerbsfähigkeit. Er rief Forscher und risikobereite Kapitalinvestoren auf zusammenzuarbeiten.

Nobelpreisträger Pissarides warnte: "Für Europa ist es nicht gut, wenn wir nur die USA kopieren. Wir müssen einen eigenen Weg finden." Dies sei vor allem jetzt notwendig, da auch China immer mehr in Forschung und Entwicklung investiere.

Bourguignon verwies darauf, dass inzwischen pro Jahr rund hundert Konzepte vom 2007 gegründeten ERC geprüft werden, ob sie finanzielle Unterstützung bekommen könnten. Es reiche aber nicht aus, nur auf EU-Ebene Geld in Wissenschaft und Forschung zu investieren, appellierte er: "Die Länder müssen auch ihren Anteil leisten. Einige Länder haben wegen der Krise Budgets dafür zusammengestrichen." Er hoffe, dass sich das wieder ändere. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 28.1.2015)

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