167 Millionen Jahre alte Schlangen-Fossilien entdeckt

27. Jänner 2015, 19:03
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Die bislang ältesten bekannten Schlangen lebten vor etwa 100 Millionen Jahren - Nun entdeckte Überreste sind fast 67 Millionen Jahre älter

Edmonton/Wien - Schlangen sind evolutionär offensichtlich äußerst erfolgreich. Diese Unterordnung der Schuppenkriechtiere umfasst immerhin rund 3500 bekannte Spezies, deren Habitate sich auf beinahe alle Gebiete der Welt erstrecken - mit Ausnahme der Arktis, der Antarktis und einiger großer Inseln wie Irland oder Neuseeland.

Der Ursprung der Schlangen ist bis heute allerdings nicht vollständig geklärt: Ob sie von echsenartigen Landtieren oder von Meeresreptilien abstammen und wann genau ihre Abspaltung vor sich ging, ist umstritten. Die fossilen Belege sind aufgrund der typischerweise kleinen und fragilen Skelette eher dürftig. Die bislang ältesten Funde stammen aus Sedimentschichten, deren Alter auf etwa 100 Millionen Jahre datiert wird. Diese Fossilien weisen bereits eine große stammesgeschichtliche und morphologische Vielfalt auf - Schlangen müssen sich also schon viel früher entwickelt und in unterschiedliche Arten aufgespalten haben.

Funde aus dem Mitteljura

Nun berichten Forscher um Michael Caldwell von der University of Alberta in Edmonton von einem aufsehenerregenden Fund: den Überresten von vier deutlich älteren Schlangen aus Großbritannien, Portugal und den USA. Die Fossilien sind demnach zwischen 143 und 167 Millionen Jahre alt und verschieben die Datenlage damit um fast 70 Millionen Jahre nach hinten - in den Mitteljura.

Wie die Wissenschafter in ihrer Studie in "Nature Communications" schreiben, weisen Kiefer- und Schädelfragmente Merkmale sowohl von jüngeren fossilen als auch von modernen Spezies auf und seien damit, entgegen früherer Annahmen, eindeutig den Schlangen zuzuordnen. Die Ausdifferenzierung zwischen den vier Arten und die verschiedenen Fundorte würden darauf hinweisen, dass sie bereits sehr unterschiedliche Lebensräume besiedelten - etwa Sümpfe, Seen und Flüsse. Woraus sich wiederum ableiten lässt, dass der Beginn ihrer evolutionären Abspaltung noch viel früher angesetzt werden muss und auf künftige Funde noch älterer Überreste zu hoffen ist.

universityofalberta

Schädel als Ausgangspunkt

Dies wäre auch dringend nötig, um definitive Aussagen über die frühen evolutionären Schritte der Schlangen treffen zu können. Im Licht der neuen Entdeckungen vermuten Caldwell und Kollegen jedenfalls, dass der stammesgeschichtliche Ausgangspunkt die Entwicklung des charakteristischen Schädels war und sich die Gliedmaßen erst viel später zurückgebildet haben.

Nun klafft aber auch eine Wissenslücke über die Entwicklung innerhalb der erstmals durch Fossilien belegten 170 Millionen Jahre währenden Schlangengeschichte auf: Derzeit sind keine Fossilien aus der Zeit vor etwa 140 bis 100 Millionen Jahren bekannt. (David Rennert, DER STANDARD, 28.1.2015)

  • So könnte Portugalophis lignites ausgesehen haben. Fossile Überreste dieser Spezies aus dem Oberjura wurden in portugiesischen Sumpfgebieten gefunden.
    illu.: julius csotonyi

    So könnte Portugalophis lignites ausgesehen haben. Fossile Überreste dieser Spezies aus dem Oberjura wurden in portugiesischen Sumpfgebieten gefunden.

  • Parviraptor estesi wiederum lebte in Süßwasserseen in England.
    illu.: julius csotonyi

    Parviraptor estesi wiederum lebte in Süßwasserseen in England.

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