Leukämie: Zellzyklus-Enzym als möglicher Ansatzpunkt 

27. Jänner 2015, 13:31
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Forscher der Vetmeduni Wien fanden ein möliches Ziel für neue Therapien

Trotz vieler Fortschritte in der Therapie von Leukämieerkrankungen erleiden viele Patienten Rückfälle. Ein Forschungsteam um Veronika Sexl an der Vetmeduni in Wien hat in dem Zellzyklus-Kontrollenzym CDK6 ein mögliches Ziel für wirksame Therapien entdeckt. Leukämiestammzellen, die auch nach erfolgreicher Therapie im Knochenmark überleben, benötigen nämlich dieses Enzym zur Reaktivierung.

Leukämische Stammzellen

Blutstammzellen (Hämatopoetische Stammzellen - HSCs) müssen für den Nachschub an Blutzellen aktiviert werden. Tritt diese Aktivierung unter falschen Voraussetzungen und zum falschen Zeitpunkt ein, können sogenannte leukämische Stammzellen entstehen. Sie stellen eine große Herausforderung in der Krebstherapie dar, weil sie im Knochenmark ruhen und gegen die Behandlung per Chemotherapie geschützt sind. Das kann auch nach Jahren noch zu Rückfällen führen.

Die Erstautorin Ruth Scheicher und ihre Kollegen vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie haben in ihrer Studie die Unterschiede zwischen gesunden Blutstammzellen und leukämischen Stammzellen untersucht. Sie fanden heraus, CDK6 auch leukämische Stammzellen und ruhende Blutstammzellen in Stress-Situationen aktivieren kann.

Solcher Stress entsteht, wenn sehr rasch neue Blutzellen produziert werden müssen, wie zum Beispiel bei großem Blutverlust, nach Knochenmarkstransplantation oder Chemotherapie. CDK6 aktiviert dann diese Zellen, indem es den Transkriptionsfaktor Egr1 hemmt und die Zellteilung ermöglicht. Ohne CDK6 kann Egr1 nicht reguliert werden und so bleiben die Blutstammzellen im Ruhezustand.

Hoffnung auf neue Therapien

"Um eine Leukämie auszulösen, benötigen leukämische Stammzellen unbedingt CDK6. Ohne das Protein gibt es keine Aktivierung und Teilung der Krebsvorläuferzellen", sagt Ruth Scheicher. Bei der normalen Blutzellbildung spiele CDK6 aber keine Rolle. Und genau das schafft eine Möglichkeit, die Leukämie an der Wurzel zu packen. Hemmt man CDK6, attackiert man dadurch lediglich leukämische Stammzellen.

Die Untersuchungen wurden an Mäusen durchgeführt. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass Tiere ohne CDK6 auch trotz Transplantation von Leukämie-Stammzellen keine Krankheit entwickelten.

Die je nach dem jeweiligen Zellzyklus-Stadium aktiven Kinasen ( Cyklin-abhängige Kinasen - CDKs) sind derzeit ein "heißer" Forschungsschwerpunkt in der Onkologie. Man erwartet sich auf diesem Gebiet zusätzliche Möglichkeiten zur Behandlung von bösartigen Erkrankungen. (APA, derStandard.at, 27.1.2015)

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