Genfer Uhrensalon 2015: Kurs halten

29. Jänner 2015, 16:51
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Der Genfer Uhrensalon ist 25: Zum Feiern war allerdings kaum jemanden zumute, sorgten doch die Verwerfungen rund um den Schweizer Franken gehörig für Stirnrunzeln - Einblick in eine Branche im Umbruch

Es ist ein schaumgebremster Start ins neue Uhrenjahr. "Man hat das Gefühl, irgendwo dreht ein Superschurke an irgendwelchen Knöpfen, um uns das Leben möglichst schwer zu machen", fasste ein Fachbesucher auf dem Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) die Geschehnisse der letzten Wochen zusammen. Das exklusive Genfer Event, heuer in der vierten Jännerwoche, gilt als das erste Highlight des jungen Uhrenjahres 2015.

Rubel-Krise und ...

Tatsächlich hat die gesamte Branche an so mancher Verwerfung zu kiefeln: Der Verfall des Rubels und das Ausbleiben kaufkräftiger russischer Touristen infolge der Ukraine-Krise: A. Lange & Söhne beispielsweise hatte seine Moskauer Boutique zeitweise geschlossen. Die Proteste in Hongkong, die - nicht nur - dem Luxuskonzern Richemont, Veranstalter des SIHH, das Geschäft verhagelten, weil diese die Chinesen davon abhielten, dort Schmuck und teure Uhren steuergünstig einzukaufen. In der Folge brach der Umsatz in der Region Asien/Pazifik um zwölf Prozent ein. Selbst die guten Geschäfte in Europa, Amerika und im Nahen Osten konnten die Bilanz nicht mehr großartig verbessern: Der Uhren- und Schmuckkonzern hat das schwächste Weihnachtsgeschäft seit sechs Jahren hinter sich.

... Franken-Aufregung

Und dann das: Unmittelbar vor Beginn des Genfer Uhrensalons erklärte die Schweizer Nationalbank die Bindung des Franken an den Euro für beendet. Diese Entwicklung treibt nicht nur heimischen Häuslbauern mit einem schlagartig teureren Frankenkredit die Schweißperlen auf die Stirn.

Auch so mancher Uhrenboss konnte nicht mehr an sich halten: "Es fehlen einem die Worte", schimpfte G. Nicolas Hayek, Chef der Swatch Group. Die Nationalbank habe einen Tsunami losgetreten - eine Katastrophe für die Exportindustrie. Er habe jegliches Vertrauen in die Nationalbank verloren, wetterte Hayek weiter. Die Aktienkurse der Swatch Group ebenso wie die von Richemont sackten dann auch kurzfristig massiv ab - schließlich waren deren stark exportorientierte Produkte mit einem Mal massiv teurer.

Die Preise werden anziehen

Die Folge: Preiserhöhungen, um die Margen zu erhalten. Die Swatch Group will die Preise für gewisse Marken um fünf bis zehn Prozent erhöhen. Die Konkurrenz zieht mit. Noch während des Salons kündigten einige Richemont-Marken an, die Preise deutlich anzuheben. So will Cartier, Zugpferd des Konzerns und der - gemessen an den Verkaufszahlen - weltgrößte Uhren- und Schmuckhersteller, an der Preisschraube drehen: "Wir werden die Preise sowohl für Uhren als auch Schmuck um fünf Prozent in der Eurozone erhöhen. Auf der anderen Seite werden wir das Preisniveau in der Schweiz beibehalten", sagte Cartier-Chef Stanislas de Quercize. Die Anschläge in Paris, der Luxusshopping-Metropole schlechthin, taten ein Übriges, um die Stimmung auf dem SIHH zusätzlich zu dämpfen.

Dabei gibt es dieses Jahr durchaus Grund zu feiern. Der Genfer Salon wurde 25 und hat sich zu einer Benchmark im Luxusuhren-Business gemausert. Es war 1991, als sich fünf Marken, darunter Cartier, Piaget und Baume & Mercier, von der Messe in Basel lossagten, freilich nicht absehbar. Aber die Abweichler wollten ihren Produkten einen würdigen Rahmen abseits der Masse geben und nicht jedes Jahr um Hotelbetten kämpfen müssen.

Eine Wette auf die Zukunft

Veteranen erinnern sich noch gut an die bescheidenen Anfänge und an die Zweifel, die damals herrschten. Es war zunächst eine Wette auf die Zukunft der mechanischen Uhr, die schlussendlich aufging. Heute zeigen 16 Hersteller auf 40.000 Quadratmetern während der fünf Tage dauernden Messe geladenen Gästen ihre hochfeinen Produkte.

Darunter Marken, an die in den frühen 1990er-Jahren noch niemand zu denken wagte, wie Fachjournalist Gisbert L. Brunner, SIHH-Besucher der ersten Stunde, resümiert. Er erinnert sich: "Panerai stand am Ende des Kalten Krieges am Abgrund. Parmigiani, Richard Mille, Roger Dubuis waren noch gar nicht geboren. A. Lange & Söhne beschäftigte sich mit der ersten Kollektion. IWC und Jaeger-LeCoultre zeigten ihre Produkte in Basel. Und bei Montblanc dachte noch niemand an das Thema Zeitmessung."

Nüchtern und aufgeräumt

Wandert man 2015 durch diesen in den Mehrzweckhallen der Genfer Palexpo untergebrachten Mikrokosmos des Luxus, zeigt sich, dass sich die Aussteller ganz auf ihre Kernkompetenz konzentrieren. Das heißt, es gibt im Vergleich zu den letzten Jahren viele klassisch anmutende Zeitmesser zu bewundern, die durch nüchternes, aufgeräumtes Design glänzen. Allen voran Baume & Mercier. Die Genfer Marke setzt mit ihren ausgewogenen Kollektionen ganz auf Understatement. Und zielt mit ihren Preisen auf eine junge Käuferschicht ab, die sich für Erreichtes belohnen möchte.

So ist die redesignte "Classima" (drei Zeiger, Datum, Stahl) ab 1950 Franken (momentan rund 1970 Euro) zu haben - vergleichsweise wenig Geld für eine automatische Uhr aus Schweizer Produktion. Für eine "Clifton" mit Großdatum und Gangreserve-Anzeige (43 Millimeter) werden 3400 Franken (3435 Euro) veranschlagt.

Bei Piaget geht die Rekordjagd nach dem dünnsten Kaliber - "dünn-ist-in" - weiter. Nachdem sich Bulgari diese Krone im letzten Jahr aufgesetzt hat, bringt Piaget heuer den "Altiplano" Chronograf auf den Markt, dessen Handaufzugswerk nur mehr 4,65 Millimeter hoch ist und damit Weltrekordhalter in dieser Disziplin.

Bleib bei deinem Leisten

Andere Hersteller besinnen sich ganz auf ihre Tradition und feiern ihre Jubiläen stilgerecht. So hat die Portugieser-Kollektion von IWC bereits ein Dreivierteljahrhundert auf dem Buckel. Die Schaffhausener zelebrieren dies einerseits mit einer dezent redesignten Neuauflage dieser Kultuhr - von schlicht bis kompliziert. Andererseits kommt die neu entwickelte Automatik-Manufakturkaliberfamilie 52000 in vier Modellen der Portugieser-Kollektion bereits in diesem Jahr zum Einsatz.

Vor 200 Jahren wurde Ferdinand Adolph Lange geboren, Gründer von A. Lange & Söhne. Grund genug für die Glashütter, 2015 in seinem Zeichen zu begehen und zu zeigen, was man gelernt hat: Mit 771 Teilen bringt der "Zeitwerk Minute Repeater" in seinem Platingehäuse Sekunden, Minuten und Stunden zum Klingen. Sechs Patente wurden angemeldet. 440.000 Euro soll sie kosten. Neue Werke gibt's auch vom Traditionshaus Vacheron Constantin, das mit seinen allerersten Chronografen-Kalibern aufwartet: Es wurde auch Zeit, mögen manche sagen, schließlich rühmt man sich, die mit 260 Jahren am längsten ununterbrochen in Betrieb befindliche Uhrenmanufaktur der Welt zu sein. Die Neuzugänge ticken in einem (fast) neuen tonneauförmigen Gehäuse der neuen "Harmony"-Kollektion. (Markus Böhm, Rondo, DER STANDARD, 30.1.2015)

Die Reise erfolgte auf Einladung von Richemont.

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    illustration: dennis eriksson
  • Die Linie "Clifton" ist ein Bestseller von Baume & Mercier. Man setzt auf Understatement und zielt mit niedrigen Preisen auf eine junge Klientel.
    foto: hersteller

    Die Linie "Clifton" ist ein Bestseller von Baume & Mercier. Man setzt auf Understatement und zielt mit niedrigen Preisen auf eine junge Klientel.

  • "Harmony" heißt die neue Kollektion von Vacheron Constantin. In ihr ticken die allerersten Chronografen- Kaliber der altehrwürdigen Manufaktur.
    foto: hersteller

    "Harmony" heißt die neue Kollektion von Vacheron Constantin. In ihr ticken die allerersten Chronografen- Kaliber der altehrwürdigen Manufaktur.

  • Die "Zeitwerk" von A. Lange & Söhne bringt in ihrem Platingehäuse die Sekunden, Stunden und Minuten zum Klingen. 771 Teile sind dafür notwendig.
    foto: hersteller

    Die "Zeitwerk" von A. Lange & Söhne bringt in ihrem Platingehäuse die Sekunden, Stunden und Minuten zum Klingen. 771 Teile sind dafür notwendig.

  • Einen neuen Weltrekord in Sachen Flachheit setzt Piaget mit dem "Altiplano"-Chronografen, dessen Handaufzugswerk schlanke 4,65 Millimeter hoch ist.
    foto: hersteller

    Einen neuen Weltrekord in Sachen Flachheit setzt Piaget mit dem "Altiplano"-Chronografen, dessen Handaufzugswerk schlanke 4,65 Millimeter hoch ist.

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