Frankenfreigabe beschert Anwälten gutes Geschäft

28. Jänner 2015, 16:21
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Vor allem bei Stop-Loss-Ordern melden sich immer mehr Klagswillige - Vermögensverwalter Massenbauer prüft Vorgänge bei dänischer Parntnerbank

Die Freigabe des Franken Wechselkurses beschert österreichischen Anlegeranwälten ein gutes Geschäft. Der Schritt der Schweizer Nationalbank (SNB) hat die Schulden von Franken-Kreditnehmer auf einen Schlag erhöht. Gerade Stop-Loss-Order stehen im Zentrum von Klagen gegen Banken. Wie das Wirtschaftsblatt am Dienstag berichtet, handelt es sich dabei nicht nur um Einzelfälle. Bei drei Wiener Anwaltskanzleien meldeten sich mittlerweile mehr als 150 Kreditnehmer als Mandanten, um gegen ihre jeweiligen Banken zu klagen.

Eigentlich sollten die Stop-Loss-Order vor allzu großen Verlusten schützen. Es handelt sich dabei um einen Auftrag, den Kredit automatisch in den Euro umzuwandeln, wenn sich der Frankenkurs über eine vereinbarte Grenze hinaus verändert.

Nicht nur am Papier

Für die meisten österreichischen Franken-Kreditnehmer heißt die Freigabe des Wechselkurses zum Franken, dass sich ihre Schuld mit einem Schlag massiv erhöht hat - vorerst aber nur auf dem Papier. Für jene mit Stop-Loss-Ordern haben sich die Verluste schon realisiert: Etliche Verträge von Kreditnehmern wurden zu einem für sie sehr ungünstigen Kurs in Euro umgestellt. Dadurch wurden große Verluste realisiert, oft im fünfstelligen Euro-Bereich.

Im Falle der Franken-Kredite, die ja vor allem in Westösterreich in großem Stil an Häuslbauer vergeben wurden, haben viele Verbraucher eine Konvertierung bei knapp unter 1,20 in Auftrag gegeben. Das war der Mindestkurs, von dem die SNB vor zwei Wochen abgelassen hat. In der Folge ist der Euro binnen kurzer Zeit auf unter 1 Franken abgesackt. Tatsächlich wurden die Order aber zu weit tieferen Kursen ausgeführt - oft sogar unter 1,00. Der Verlust hat sich dadurch deutlich erhöht.

Funktion nicht erfüllt

Die Stop-Loss-Order haben ihre Funktion daher nicht erfüllt, meinte unlängst der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Betroffene haben nach Ansicht der Verbraucherschützer möglicherweise Ansprüche gegen ihre Bank. Dieser Ansicht ist auch der oberösterreichische Anlegeranwalt Michael Poduschka, bei dem sich 60 Franken-Kreditnehmer gemeldet haben. "Stop-Loss-Aufträge waren zur Absicherung völlig ungeeignet", sagte Poduschka am Freitag. "Gerade die Sicherheitsorientierten hat es jetzt voll erwischt."

Poduschka hat sich dazu bereits ein Gutachten von einem gerichtlich beeideten Sachverständigen erstellen lassen. Der Expertise zufolge hätten Banken niemals Stop-Loss-Order vereinbaren dürfen. Schon 2010 sei bekannt gewesen, dass solche Konvertierungsaufträge negativ auf Kreditnehmer ausgewirkt hätten. "Das ist ein völlig illiquider Markt, weil jeder nur in eine Richtung wollte", so Poduschka. Der Anwalt rechnet sich daher gute Chancen für Klagen gegen Banken aus.

Dem Vernehmen nach haben ein paar Banken ihren Kunden schon angeboten, den Stop-Loss-Auftrag rückgängig zu machen, also den Kredit wieder in den Franken zurückzuwechseln.

Probleme bei Massenbauer

Mit der Freigabe des Franken-Wechselkurses hat auch der Wiener Vermögensverwalter Censeo um Gerhard Massenbauer zu kämpfen, er hat Probleme mit seiner dänischen Partnerbank. Die Saxobank soll bei der Abwicklung von Stop-Loss-Aufträgen nachträglich Änderungen durchgeführt haben - zum Nachteil von Censeo-Kunden. Censeo lässt die Vorgänge nun von Juristen überprüfen.

Censeo betreut Devisenkonten von rund 140 Fremdwährungskreditnehmern. Es geht um 30 Millionen Euro an offenen Franken-Krediten. Die Firma gehört zur Hälfte Gerhard Massenbauer, etwas über 40 Prozent hält dessen Vater Johann Massenbauer, der als "Erfinder" der Fremdwährungskredite für österreichische Privathaushalte gilt. Censeo hat unter dem Namen "Frankenkonzept" ein Instrument zur Eindämmung von Kursrisiken bei Fremdwährungskrediten verkauft.

Prüfung läuft

Seine Anwälte hat auch Vermögensverwalter Massenbauer bereits eingeschaltet. Die Saxobank habe nämlich Ausführungspreise auf Kundenkonten im Nachhinein verändert, wie eine Sichtung der Censeo-Kundenkonten ergeben habe. "Bei 60 Prozent der Kunden kam es auch zu Gutschriften und somit zum gewünschten Effekt der Absicherung", erklärte Massenbauer in einer Aussendung. "Lange nach der Frankeneruption" habe die Saxobank allerdings "die Preisabrechnung nachträglich verändert, was zu einer Revision der Gutschriften und vielfach auch zu einer Belastung von Konten geführt hat." Censeo könne "die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme nicht erkennen". Daher sei man dabei, die Vorgänge prüfen zu lassen.

Massenbauer hatte bereits vergangene Woche darauf hingewiesen, seine Franken-Kunden bereits im Herbst dazu angehalten zu haben, in den japanischen Yen zu wechseln.

Sein Vater Johann Massenbauer ist übrigens der Meinung, dass ein Fremdwährungskredit "nur etwas für die Gescheiten ist. Für solche, die das wirtschaftlich vertragen können, wenn es einmal ein Problem gibt", wie er dem "profil" sagte. Massenbauer hat in den 1990er Jahren Bank Austria und Erste/Sparkassen dazu gebracht, Fremdwährungskredite an Privathaushalte zu vergeben, 1994 hat er einen ersten Artikel im "Gewinn" über Fremdwährungskredite lanciert. Heute sagt er: "Für die breite Masse habe ich dieses Instrument nie gewollt." Und weiter: "Es war ein Fehler, dass ich das damals überhaupt publiziert habe." Er habe die Leute deutlich auf das Kursrisiko hingewiesen. (APA/red, derStandard.at, 27.1.2015)

  • Frankenkredite bleiben im Gespräch.
    foto: apa/oliver berg

    Frankenkredite bleiben im Gespräch.

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