Rating: S&P stuft Russland als Ramsch ein

27. Jänner 2015, 13:39
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Der US-Ratingriese S&P bewertet die Lage wenig optimistisch. In Russland hält man die Herabstufung für politisch motiviert

Moskau – Ganz unerwartet kommt der Schritt nicht: Der US-Ratingriese S&P stuft die Kreditwürdigkeit Russlands auf Ramschniveau. Mitte Jänner hat schon Konkurrent Moody's Russlands Bonität auf eine Stufe über Ramsch herabgestuft. Ab diesem Bereich gelten Anleihen als spekulativ. Viele Investoren verzichten deshalb auf ein Engagement. Eine weitere Abstufung hat die Agentur damals bereits in Aussicht gestellt.

Die Bonitätsnote, die S&P derzeit vergibt liegt nun bei BB+ nach BBB-, lässt die Agentur am Montagabend wissen. Die Begründung: Die Flexibilität in der Geldpolitik habe sich ebenso abgeschwächt wie die Aussichten für das Wirtschaftswachstum. Nachdem der Rubel zum Dollar in Reaktion auf die S&P-Schelte am Tag zuvor gut sieben Prozent eingebrochen war, ging es am Dienstag an der Moskauer Börse bergab. Gleichzeitig verteuerten sich die Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall Russlands.

"Politisch motiviert"

Die russische Regierung reagiert mit Unverständnis. Diese habe den russischen Anti-Krisen-Plan bei ihrer Bewertung nicht berücksichtigt, sagte Finanzminister Anton Siluanow am Dienstag in Moskau. Der Plan sehe keine Mehrausgaben vor und sei vereinbar mit dem Ziel, den Haushalt bis 2017 auszugleichen. Zudem seien Strukturreformen geplant. Für Dmitri Peskow Sprecher von Präsident Wladimir Putin ist die Herabstufung politisch motiviert. Die Rating-Entscheidungen hätten nichts mit der wirtschaftlichen Realität zu tun, sagt auch er am Dienstag. Vize-Außenminister Wassili Nebensia zeigt sich gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti emport: Die Bewertung auf Ramschniveau zu senken, sei "auf direkten Befehl aus Washington" erfolgt.

Die westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und der stark fallende Ölpreise machen dem einst boomenden Schwellenland schwer zu schaffen. Als Reaktion auf die Herabstufung verlor am Montag auch der Rubel mehr als fünf Prozent gegen den Dollar. Massive Verluste hatte auch die Börse in Moskau zu verzeichnen. Der RTS-Interfax-Index sackte um 4,83 Prozent auf 781,31 Punkte ab.

Kaum Entspannung in Sicht

Das Ärgste dürfte aber für Russland noch lange nicht ausgestanden sein. So platzte etwa am Samstag EU-Ratspräsident Donald Tusk der Kragen. Nachdem er mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko über die Angriffe auf die südostukrainische Stadt Mariupol gesprochen hatte, twitterte er: "Wieder einmal hat Appeasement einen Angreifer zu noch brutaleren Angriffen ermutigt. Es ist Zeit, unsere Politik auf harte Fakten und nicht auf Illusionen zu bauen." Damit forderte Tusk eine härtere Haltung der EU gegenüber Russland - dabei war es in den vergangenen Wochen angesichts einer relativen Stabilität in der Ostukraine eigentlich eher um die Frage gegangen, ob man sich auch eine Lockerung der Sanktionen vorstellen könnte.

Am Dienstag droht nun die EU Russland wegen des jüngsten "wahllosen" Beschusses von Mariupol mit weiteren Sanktionen. Die 28 Staats- und Regierungschefs verurteilten in einer gemeinsamen Stellungnahme die Tötung von Zivilisten bei dem Angriff auf Mariupol scharf. Sie erteilten dem Sonderrat der EU-Außenminister, der am Donnerstag tagt, den Auftrag, die Lage neu zu evaluieren.

Es sollten "geeignete Aktionen, vor allem weitere restriktive Maßnahmen (Sanktionen, Anm.)" ins Auge gefasst werden, sollte dies notwendig sein. Vor allem gehe es darum, eine rasche und umfassende Umsetzung der Minsker Friedensvereinbarung zu erreichen.

Die EU-Chefs unterstrichen neuerlich die Verantwortung Russlands durch die "wachsende Unterstützung, die den Separatisten durch Moskau" gegeben werde. Moskau wurde aufgefordert, die Anschläge der Separatisten zu verurteilen und die Minsker Vereinbarung umzusetzen. Das Thema werde auch beim nächsten EU-Gipfel Priorität haben. (Reuters/APA/red, derStandard.at, 27.1.2015)

  • Russlands starker Mann schön zusammengefaltet.
    foto: reuters/karpukhin

    Russlands starker Mann schön zusammengefaltet.

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