Billiges Geld macht kein gutes Joghurt

Kommentar der anderen26. Jänner 2015, 17:34
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Neue Schulden lösen geldpolitische Probleme, keine strukturellen Herausforderungen

Helfen viele Schulden bei der dringend notwendigen wirtschaftlichen Erholung Griechenlands? Das ist das Versprechen nach der Griechenland-Wahl, das der Wahlsieger, die linksradikale Syriza-Partei, gegeben hat. Denn erfolgreich hat sich der Eindruck festgesetzt, es sei die "Sparpolitik", die Griechenland schade. Aber erzählen wir die Geschichte andersherum: Wer Griechenland mehr Geld pumpt, rettet es nicht. Das Problem ist der Euro. Die Vorstellung von Syriza - eine Art "Schuldenkonferenz", was nichts anderes ist als ein Schuldenerlass - ist trügerisch.

Die zweite trügerische Hoffnung ist, dass man mit Zentralbankgeld, also durch das Drucken von Geld, Griechenland helfen und insgesamt die gesamte Euro-Zone in eine goldene Zukunft führen könne. Es klingt wie ein Märchen. So süß. So hoffnungsfroh.

Die Frage ist: Was macht Mario Draghi mit unserem Geld? Für 1.140.000.000.000 Euro kauft seine EZB Schulden von Staaten, Banken und Unternehmen. Das ist umgerechnet im Monat ungefähr so viel, wie Deutschland in seiner schlimmsten Schuldenzeit neue Schulden machte - aber damals im Jahr! Was sind die Folgen?

Kommt jetzt die Inflation? Wovor die Menschen am meisten Angst haben, ist, dass alles teurer wird. Genau das will Draghi. Wir sollen unser Geld auf den Kopf hauen, damit die Wirtschaft in Frankreich, Italien und Griechenland endlich floriert. Was Draghi nicht berücksichtigt: Viele konsumieren - aus Angst - nicht, sparen noch mehr. Manche kaufen sogar Gold, weil sie dem Blech-Euro nicht mehr trauen. Aber Angst ist der größte Konjunktur-Killer.

Die Gewinner sind die Regierungen in Südeuropa. Wenn sie jetzt Schulden machen, zahlen sie dafür noch weniger Zinsen als schon zuvor. Noch nie war es so billig, Schulden zu machen. Aber Staatsschulden machen faul und träge. Statt Reformen und bessere Wirtschaft wird mit immer neuen Schulden und künstlich verbilligten Exporten so getan, als wäre der Schlendrian vertrieben. Aber er ist immer noch da.

Hilft das billige Draghi-Geld wenigstens den Griechen? Auch sie können sich nicht mit noch mehr billigem Geld aus dem Dreck ziehen. Warum erklärt Theo Müller, der Joghurt-König (Er hat in den letzten 30 Jahren aus einer Dorfmolkerei ein globales Sechs-Milliarden-Unternehmen aufgebaut - Müller-Milch, Nordsee.): "Wirtschaft ist erfolgreich, wenn ein Unternehmer etwas herstellt, wofür die Menschen gerne einen guten Preis bezahlen. Billiges Geld vom Draghi hilft da gar nicht. In Griechenland fehlen solche Ideen." Ich esse gerne griechisches Joghurt und Feta. Aber der kommt nicht aus Griechenland - sondern aus Kempten im Allgäu. Könnte man Joghurt aus Griechenland importieren? Ja, rechnet Müller aus, "die Transportkosten von 5 Cent je Becher zahlen die Kunden, wenn es wirklich gut ist".

Geld ist eben nicht alles, wenn Wirtschaftsstrukturen falsch gepolt sind. Mit Schulden und Geldpolitik kann man nur geldpolitische Probleme lösen, nicht strukturelle. Solange Griechenland keine wettbewerbsfähigen Produkte anbietet, ist mit Draghi-Politik keine Amphore zu gewinnen. Billiges Geld macht kein gutes Joghurt - aber Draghi macht unser Geld so matschig wie Joghurt. Denn der Preis, den wir für die Draghi-Politik zahlen, ist die Zerstörung der Währung.

Will die neue griechische Regierung die Sparpolitik ändern, braucht sie Geld, geliehenes Geld. Von Banken, anderen Ländern, von einem weißen Ritter, den noch keiner gesehen hat. Wollen Geldgeber nicht weiter Geld in Griechenland verlieren und kommt der weiße Ritter nicht dahergaloppiert, hilft nur eines: der Staatsbankrott. Daran können auch linke Sprüche nichts ändern. (Roland Tichy, DER STANDARD, 27.1.2015)

Roland Tichy (59) war Chefredakteur der Wirtschaftswoche. Er ist Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung.

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