Ein rechter Radaubruder für griechische Linke

Kopf des Tages27. Jänner 2015, 07:00
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Panos Kammenos, Chef der der rechtspopulistischen Partei Anel, hat sich mit Alexis Tsipras auf eine Regierung geeinigt

Auf den Knien wie ein Bettler werde er nicht nach Berlin rutschen, hat Panos Kammenos während des Wahlkampfs getönt. Das hat auch niemand von dem bulligen Griechen verlangt, der sich nun rasch mit dem linken Wahlsieger Alexis Tsipras auf eine gemeinsame Regierung geeinigt hat. Doch patriotische Aufwallungen und Wettern gegen das ausbeuterische Ausland – allen voran die Deutschen – gehören zum Repertoire des 49 Jahre alten Rechtspopulisten.

Ob und wie Panos Kammenos, Chef der Kleinpartei Unabhängige Griechen (Anel), der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Berlin begegnen wird, ist nicht ausgemacht. Auf die Ablehnung der Sparauflagen von Griechenlands Kreditgebern hat der gebürtige Athener jedenfalls seine ganze Politik gebaut: Kammenos war Abgeordneter der konservativen Nea Dimokratia und – zu Zeiten vor der Krise – auch einmal Vizeschifffahrtsminister. Weil er sich aber 2012 gegen das zweite Rettungspaket der Troika stellte, wurde er vom Parteivorsitzenden und späteren Premier Antonis Samaras aus der Fraktion ausgeschlossen. Es war der folgenschwerste Verlust für die Nea Dimokratia.

Unbewiesene Vorwürfe

Denn Kammenos gründete eine recht erfolgreiche Dissidentenpartei. Bei den Parlamentswahlen in jenem Jahr schaffte er aus dem Stand 7,5 Prozent und zog mit 20 Abgeordneten ins Parlament. Dann begannen die Probleme: Austritte und Skandale häuften sich. Parteifreunde wollten dem sprunghaften Kurs ihres Chefs nicht mehr folgen. Kammenos selbst hat einen Hang zu Verschwörungstheorien, die nicht selten in Verleumdungsprozessen enden.

Terrorismus, Theorie und Praxis lautet der Titel eines seiner Bücher, in dem er den Sozialisten der Pasok Verbindungen zur Terrororganisation 17. November unterstellte. Bewahrheitet hat sich das nicht; ebenso wenig wie die gerichtlich ausgefochtenen Anschuldigungen, der Bruder des früheren Premiers Giorgos Papandreou hätte Geld mit der Spekulation auf griechische Kreditausfälle gemacht.

Kammenos, Sproß einer wohlhabenden Unternehmerfamilie, begann seine politische Laufbahn als Organisator der Parteijugend der Nea Dimokratia im schicken Athener Küstenviertel Glyfada. In Lyon studierte er Ökonomie, die Familienyacht "Iliatoras of London" brachte ihm später Ermittlungen der Steuerbehörden ein. Aber da hatte Kammenos schon erste politische Kontakte mit Tsipras geknüpft. (Markus Bernath aus Athen, DER STANDARD, 27.1.2015)

  • Mehrheitsbeschaffer Panos Kammenos.
    foto: epa / simela pantzartzi

    Mehrheitsbeschaffer Panos Kammenos.

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