Segen und Beifall für erste Bischöfin in England

Ansichtssache26. Jänner 2015, 17:25
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Kaum hat sich Libby Lane dem Erzbischof zugewandt, da stürmen plötzlich von allen Seiten grauhaarige Männer auf sie zu. Wollen die Herren etwa in letzter Minute die Weihe der 48-jährigen Pfarrerin zur ersten Bischöfin der anglikanischen Staatskirche verhindern? Im Gegenteil – es geht um das Privileg, der zukünftigen Amtsschwester die Hand aufzulegen. Mehr als 100 Bischöfe versammeln sich wie eine Prätorianergarde um Lane und sprechen ihr den Segen zu. Dann bricht Beifall aus im Münster von York – es ist endlich geschafft.

Auf den Moment am Montag hatten die Reformer innerhalb der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft seit Jahrzehnten gewartet. Im Streit um die Berufung von Frauen in Leitungsämter richtete sich auf die Mutterkirche des Anglikanismus besondere Aufmerksamkeit. Dementsprechend zähen Widerstand leisteten die Konservativen in der Staatskirche (weltliches Oberhaupt: Königin Elisabeth II.), bis die Synode vergangenen Juli endlich einem mühsamen Kompromiss zustimmte.

Notorischer Querulant

Einen Widerhall der langen Kontroverse erlebten die 2000 Gläubigen, als Erzbischof John Sentamu die vorgeschriebene Frage an die Gemeinde richtete: Ob Lanes Weihe ihre Zustimmung finde? In das tausendfache Ja mischte sich ein einsames "Nein, nicht in der Bibel". Lane schluckte und senkte den Kopf. Sentamu war darauf vorbereitet und bügelte den Einspruch eines notorischen Querulanten nieder: Er handle nach dem Willen von Königin und Synode. Damit war der Weg frei für Einsegnung und Salbung.

Beim Gruppenfoto der Damen nach dem Gottesdienst war die neue Assistenzbischöfin von Stockport bei Manchester von gut einem Dutzend der bisher 28 anglikanischen Oberhirtinnen umgeben. Bald werden sich auch in England weitere hinzugesellen. Vor Lanes überraschender Berufung auf den vergleichsweise unbedeutenden Stockporter Posten wurden in der Öffentlichkeit andere Namen gehandelt, zuallererst jene der drei Domdekaninnen von Salisbury, Norwich und York. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 27.1.2015)

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