Uni Graz sieht sich für "prüfungsinaktive" Studenten bestraft 

26. Jänner 2015, 14:47
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Fehlende Prüfungsaktivität im Zweitstudium schlägt sich auf leistungsbezogene Kennzahl der Uni nieder - Rektorat: "Wir werden dafür bestraft"

Graz - Sogenannte prüfungsaktive Studierende gewinnen für die Uni-Budgets immer stärker an Bedeutung, weil die Zuweisungen aus den Hochschulraum-Strukturmitteln von diesem Indikator abhängig sind. An der Uni Graz hat man Faktoren, welche die Prüfungsaktivität beeinflussen, untersucht und erkannt, dass es sich um ein Bündel unterschiedlicher Faktoren handelt. Mehrfachstudien spielen eine wichtige Rolle.

16 ECTS-Punkte bringen Geld

Neben dem Grundbudget erhalten die Unis zusätzliche Mittel für die leistungsbezogene Komponente "prüfungsaktive Studenten". Als "prüfungsaktiv" gelten Studenten, wenn sie pro Studienjahr mindestens 16 ECTS-Punkte oder Studienleistungen im Ausmaß von acht Semesterstunden erbringen. Im Sommersemester 2014 wurden daher im Auftrag des Rektorates von der Abteilung Lehr- und Studienservices vier Bachelor-Studienrichtungen mit insgesamt 1.900 Studierenden nach Einflussfaktoren für Prüfungsaktivität bzw. -inaktivität untersucht, so Martin Polaschek, Vizerektor für Studium und Lehre an der Universität Graz. "Es ist eine Summe an Faktoren - von der eigenen Motivation über die Selbstorganisation bis hin zu Fragen der Erwerbstätigkeit - welche die Prüfungsaktivität der Studierenden bestimmen", so Polaschek.

"Werden bestraft"

Einzentrales Ergebnis: Ist das Bachelorstudium als Hauptstudium belegt, sind die Studierenden prüfungsaktiver, schilderte der Vizerektor. Im Schnitt habe jeder dritte Studierende mehrere Studien inskribiert, absolviere aber in den einzelnen Studien oft weniger als das geforderte Ausmaß und gelte daher als prüfungsinaktiv. "Wir wollen nicht verhindern, dass Studierende mehrere Studienrichtungen inskribieren können. Aber hier müssen wir doch aufzeigen, dass wir dafür bestraft werden", betonte Polaschek.

"Würde die Prüfungsaktivität pro Student und nicht pro Studium gemessen, wären im Falle der Uni Graz nicht rund 55 Prozent der Studierenden sondern etwa 70 Prozent prüfungsaktiv", unterstrich Rektorin Christa Neuper. Hier müssten die Kriterien zur Berechnung der Vergabe der Mittel überdacht werden, so Rektorin und Vizerektor. "Vor dem Hintergrund ständig steigender Studierendenzahlen ist eine kapazitätsorientierte Finanzierung für unsere Universität von großer Bedeutung", sagte Neuper.

Selbstorganisationskompetenz

Weiters zeigte die Erhebung, dass die Selbstorganisationskompetenz und soziale Integration der Studierenden mit höherer Prüfungsaktivität korrelieren und unerfüllte Studienerwartungen sich negativ in der Prüfungsaktivität niederschlagen. Und das Ausmaß der Erwerbstätigkeit neben dem Studium habe ebenso signifikanten Einfluss auf die Zahl absolvierter Prüfungen. "Vor allem wenn, es sich um mehr als geringfügige Erwerbstätigkeit handelt", so Polaschek. Andererseits könne ein inhaltlicher Bezug zur Erwerbstätigkeit sogar begünstigend wirken.

Tendenziell seien prüfungsinaktive Studierende auch etwas älter. Die Grazer Uni sei mit ihrem Angebot für breite Gesellschaftsteile als Bildungsinstitution interessant - auch dafür werde sie nach dem aktuellen Kennzahlsystem bestraft, kommentierte Polaschek.

Die Uni Graz will nun u.a. die Studienberatung und die Kooperation mit Schulen ausbauen, um die Treffsicherheit bei der Wahl des Studiums zu erhöhen. Services wie das Schreibzentrum und ein Mentoring-Projekt sollen ausgeweitet werden. Zur Förderung des inhaltlichen Bezugs von Erwerbstätigkeit und Studium will man die Organisation von Praktika fördern. (APA, 26.1.2015)

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