Eleganz auf Schritt und Trab

26. Jänner 2015, 07:45
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Eröffnung der Salzburger Mozartwoche mit Pferden

Salzburg - Pferdeknödel. Pferdeschwemme. Hofstallgasse. Der Festspielbezirk war der Stallbezirk der Fürsterzbischöfe. Es ist mehr als stimmig, wenn in der Felsenreitschule tatsächlich Pferde auftanzen. Und zwar einmal nicht nur als Statisten, wie etwa die schwergewichtigen Noriker 2012 in Bernd Alois Zimmermanns Soldaten, sondern als elegante Hauptdarsteller: Der französische Pferdeflüsterer Bartabas und die Pferde und Reiter seiner Académie équestre de Versailles haben die Mozartwoche 2015 in der Felsenreitschule eröffnet.

Acht Amazonen in wehenden Gewändern, drei Solisten in stilisierter Uniform auf Criollo- und Lusitanopferden und der charismatische Bartabas selber auf seinem Pferd Le Carvage beherrschten die Bühne. Les Musiciens du Louvre Grenoble, der Salzburger Bachchor und die Gesangsolisten Christiane Karg (Sopran), Marianne Crebassa (Mezzo) und Stanislas de Barbeyrac (Tenor - möchte man sofort wieder hören) waren auf den drei Etagen der Arkadengänge aufgefädelt. Effektvoll illuminiert hat sie der Lichtdesigner Bertranc Couderc.

Die Musik war von Mozart: Adagio und Fuge c-Moll KV 546 untermalten das lockere Aufwärmen der Pferde. Zur Maurerischen Trauermusik KV 477 ritt Bartabas auf Le Carvage ein genau der Musik abgelauschtes Solo. Das Hauptwerk der Produktion ist die Kantate Davide penitente KV 469, in der Mozart der c-Moll-Messe KV 427 italienische Psalmentexte unterlegt hat.

Marc Minkowski dirigierte von einem Pult am vorderen Rande des Geschehens aus. Er erzielte unter quasi irregulären Verhältnissen ein beeindruckendes musikalisches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die auf Bühnenbreite nebeneinander positionierten Musiker und Sänger einander kaum hören konnten. Vielleicht hat Minkowski auch deswegen die Tempi betont langsam genommen und damit eine gewisse Erdenschwere vermittelt. Mit einem Wort: Sonst spielen sie pfiffiger.

Aber als Bühnenmusiker für die mystisch angehauchte Pferde-Choreografie von Clément Marty alias Bartabas entfalteten Les Musiciens du Louvre Grenoble den idealen Soundtrack. Bartabas erzählt keine "Geschichte". Er hat in seiner Choreografie vor allem auf die kontrapunktischen Strukturen der Werke geachtet, hat also dem scheinbaren Mystizismus ein strenges Konzept unterlegt. Das wurde bald vorhersehbar: zwei Solostimmen, zwei Solopferde; drei Solostimmen, drei Solopferde. Tutti bei den Zweibeinern, tutti bei den Vierbeinern.

Aber des Zwanges zur Analyse wurde man in dieser Atmosphäre bald enthoben: Die bildkräftige Wirkung der Truppe, die Eleganz von Reiterinnen und Pferden, die Virtuosität und spielerische Leichtigkeit, mit der Ross und Reiter streng symmetrische Figuren aufblühen und verschwinden ließen, entfalteten enorme Wirkung. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD, 26.1.2015)

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