Borowski am "Tatort": Ein Dorf auf Droge - Top oder Flop?

Ansichtssache25. Jänner 2015, 17:24
122 Postings
foto: orf/ard/christine schröder

Das ist also die deutsche Provinz: knollennasige, kleingewachsene Männer, die übellaunig ihre Mistgabeln gen Himmel recken. Verlotterte Männchen, die im Drogenrausch wie wild ihre Arbeitsschuhe putzen. Oder gleich vollgedröhnt mitsamt dem Fahrrad mitten auf der Straße umfallen.

1
orf/ard/christine schröder

So wie der jüngste Kieler "Tatort", "Borowski und der Himmel über Kiel", das bäuerliche Norddeutschland präsentiert, kommt das Landleben eher einem Zombiefilm gleich. Und weil es bei dem Mord am 20-jährigen Mike, dem zu allem Überfluss der Kopf abgehackt wurde, vor allem um die neuerdings sehr beliebte Droge Crystal Meth geht, kommt dazu noch eine Spur "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Wilder Sex zwischen Jugendlichen ist immer ein probates Mittel, um das rauschhafte Leben glaubhaft darzustellen.

2
orf/ard/christine schröder

Ernst nehmen kann man diesen "Tatort" nur bedingt; das scheint aber auch kaum beabsichtigt. Um der Deutlichkeit willen ist hier gleich ein ganzes Dorf – inklusive des Dorfpolizisten – schwer abhängig. Sonst nämlich, erfährt man, schafft man die viele Arbeit (das Landleben ist hart) ja kaum mehr. Immerhin zeigt sich der vom Weg abgekommene Dorfpolizist sehr schnell sehr einsichtig und beschließt, halt einfach wieder aufzuhören.

3
orf/ard/christine schröder

Als sehr düstere Vision einer durch synthetische Drogen zu Zombies mutierenden Gesellschaft hat dieser Tatort durchaus seinen Reiz. Als Krimi jedoch ist er ein wenig wirr geraten.

4
orf/ard/christine schröder

Eine Freude immerhin der gewohnt nüchterne Kommissar Borowski. Als vor ihm und Kollegin Brandt einer der Junkie-Bauern vom Fahrrad kippt, hält er sich nicht lang mit Analysen auf. Der Mann ist halt "hackedicht". So einfach ist das. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 26.1.2014)

5
orf/ard/christine schröder

"Ein mutiger und berührender Tatort mit einer sehr tollen Hauptdarstellerin, Elisa Schlott, in deren Spiel sich Verderben aus Verführung entwickelt und Tod aus Tanz", schreibt dazu Holger Gertz in der "Süddeutschen Zeitung".

6
foto: orf/ard/christine schröder

"Entfesselte Rauschszenen wie diese hat man im deutschen Fernsehen noch nicht gesehen", so Christian Buß auf Zeit.de.

Wie hat Ihnen diese Folge gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 25.1.2015)

7
Share if you care.